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Unter Dach und Fach
Aus Zwei mach Eins: Mit dem Corps grand-ducal d'incendie et de secours erhalten Feuerwehr und Zivilschutz eine gemeinsame Struktur.

Unter Dach und Fach

Anouk Antony
Aus Zwei mach Eins: Mit dem Corps grand-ducal d'incendie et de secours erhalten Feuerwehr und Zivilschutz eine gemeinsame Struktur.
Politik 3 Min. 20.03.2018

Unter Dach und Fach

Marc SCHLAMMES
Marc SCHLAMMES
Es ist ein klares Votum: Alle Abgeordneten stimmten der Reform der Rettungsdienste zu. Zur Jahresmitte soll die Reorganisation der Rettungsdienste in Kraft treten.

(mas) - Es ist ein Mammutprojekt: Mit der Reform der Rettungsdienste werden die Protection civile, die dem Intérieur unterstellt ist, und die freiwilligen Feuerwehren, die den Gemeinden unterstehen, in einer gemeinsamen Struktur zusammengefasst. Am 1. Juli  soll das Corps grand-ducal d'incendie et de secours (CGDIS) seinen Betrieb aufnehmen.

Die letzte legislative Hürde wurde nun in der Abgeordnetenkammer bewältigt. Alle 60 Deputierten stimmten der Reform zu, was Innenminister Dan Kersch als eine "eindeutige Botschaft" an die Adresse der rund 7000 Rettungskräfte deutete.

Heiße Phase: Auf administrativer, organisatorischer und politischer Ebene laufen die Vorarbeiten auf Hochtouren, damit die neue Struktur für die Rettungsdienste zum 1. Juli 2018 betriebsbereit ist.
Heiße Phase: Auf administrativer, organisatorischer und politischer Ebene laufen die Vorarbeiten auf Hochtouren, damit die neue Struktur für die Rettungsdienste zum 1. Juli 2018 betriebsbereit ist.
Jérôme Biondi
  • Freiwillig und professionell

Mindestens sechs Mitarbeiter der Notrufzentrale 112 sind rund um die Uhr im Einsatz.
112: Lebensretter im Ledersessel
Über die Rufnummer 112 erhalten Menschen in Not in ganz Europa Hilfe. 720 Mal am Tag klingelt hierzulande in der Zentrale das Telefon. Sonntag, am 11.2, ist der europäische Tag des Notrufs.

Hauptamtliche Helfer und freiwillige Einsatzkräfte bilden gemeinsam das Rückgrat des CGDIS. Den Planungen zufolge sollen zwischen 600 bis 800 Arbeitsstellen geschaffen werden. Zurzeit besteht die Personaldecke aus 221 Angestellten; inklusive Flughafenwehr und Hauptstadtkorps dürften zum offiziellen CGDIS-Start 400 hauptamtliche Mitarbeiter verfügbar sein. In puncto Ausbildung soll die hauptstädtische Berufsfeuerwehr für die professionellen Helfer das Maß aller Dinge sein. Bei den Freiwilligen besteht die Herausforderung in der Vereinbarkeit von Beruf, Familie und CGDIS. Was die Anerkennung des freiwilligen Engagements betrifft, soll es über die Entschädigungsregel für den Bereitschaftsdienst (ein Euro je Stunde) hinaus eine staatliche Beteiligung an der Renten- und Krankenzusatzversicherung geben.

  • Ein Generaldirektor, sechs Abteilungen

Die Leitung des CGDIS wird einem Generaldirektor anvertraut, dem heutigen Direktor der Administration des Services de secours Paul Schroeder. Ihm zur Seite stehen sechs Direktoren, die die sechs Abteilungen leiten: Koordination der Einsätze (Tom Barnig), Planung und Prävention (Raymond Guidat), Verwaltung und Finanzen (Claude Frantzen), Logistik und Technik (Alain Di Genova), medizinische Betreuung (Pascal Stammet), Ausbildung (Steve Mack).

  • Fünf-Klassen-Gesellschaft

Bei der Bewältigung der Einsätze sollen Gemeindegrenzen keine Rolle mehr spielen. Ausschlaggebende Faktoren sind das Gefahrenpotenzial, das in einem nationalen Zivilschutzplan („plan national d'organisation des secours“) erfasst wird, die Faktoren Nähe und Zeit sowie die materielle und personelle Ausstattung der Einsatzzentren. Unter Berücksichtigung dieser Aspekte werden die Einsatzzentren in fünf Klassen unterteilt, von Kategorie I – kann einen Einsatz bewältigen –, bis zur Kategorie IV, in dem die Einsatzleute zeitgleich mindestens zwei Feuerlösch- und Rettungseinsätze fahren sowie zwei Notfallrettungen von Personen bewältigen.

  • Eine neue Heimat am Rond-Point Gluck

Bis 2020 sollen hier Kranken- und Feuerwehrwagen eine neue Heimat finden.
"Centre national d'incendie et de secours": Hier entsteht das Herz des Rettungswesens
Es hämmert, sägt und bohrt am Boulevard Kockelscheuer. Bis 2020 soll das neue „centre national d'incendie et de secours“ betriebsbereit sein. Ein Baustellenbesuch.

Zur neuen Struktur gehört eine zeitgemäße Infrastruktur: Am hauptstädtischen Ban de Gasperich, beim Rond-Point Gluck, entsteht das Centre national d'incendie et de secours (CNIS), in dem künftig die Rettungskräfte ausgebildet werden. Eine Übungshalle, ein Brandhaus, ein Realbrandcontainer, eine Tunnelsimulationsanlage und ein Übungsteich sollen für wirklichkeitsnahe Trainingsbedingungen sorgen. Des weiteren beherbergt das CNIS die Verwaltung und Leitung des CGDIS sowie die Notrufmeldezentrale 112. Am Rand-Point Gluck findet auch die hauptstädtische Berufsfeuerwehr eine neue Heimat.

  • Fonds gewährleistet die Finanzierung

Um den Betrieb des CGDIS zu finanzieren, wurde ein Fonds ins Leben gerufen. Gespeist wird dieser Fonds über eine dreiprozentige Steuer auf den Autoversicherungen und die Beteiligung an der Erhöhung der Mehrwertsteuer. Die restlichen Gelder müssen Staat und Gemeinden zu gleichen Teilen aufbringen, wobei sich der Anteil der Gemeinden hauptsächlich an ihrer Bevölkerungszahl orientiert. Die jährlichen Betriebskosten des CGDIS werden auf 60 Millionen Euro geschätzt. Zum Ende des vorigen Jahres verfügte der Fonds über knapp 100 Millionen Euro.

  • Kommunen, Kasernen, Konventionen

Die Übernahme des Fuhrparks und der Einsatzzentren wird über Konventionen zwischen den Gemeinden und dem CGDIS geregelt. Die ganze Übernahme soll bis Juni 2020 abgeschlossen sein. Regierung und Parlament haben sich darauf verständigt, dass Einsatzfahrzeuge und Material in einer Übergangsphase ohne Gegenleistung an das CGDIS übergeben werden; dafür sollen sie in den jeweiligen Gemeinden stationiert bleiben. Bei den Kasernen sollen die Besitzverhältnisse ebenfalls in der Konvention geklärt werden; bis dahin sollen sie dem CGDIS für einen monatlichen Betrag von 250 Euro zur Verfügung gestellt werden. Das Moratorium, dass es von staatlicher Seite beim Fahrzeugerwerb oder beim Kasernenbau keine Zuschüsse gibt, bleibt bestehen.

Übernahmemarathon: Innerhalb von zwei Jahren soll der Transfer von Material, Fuhrpark und Gebäuden ins CGDIS abgeschlossen sein.
Übernahmemarathon: Innerhalb von zwei Jahren soll der Transfer von Material, Fuhrpark und Gebäuden ins CGDIS abgeschlossen sein.
LW-Archiv


  • Königstransfer von der Route d'Arlon

Sah der initiale Gesetzentwurf die direkte CGDIS-Beteiligung der hauptstädtischen Berufsfeuerwehr nicht vor, so konnte der Innenminister die Stadt Luxemburg 2016 überzeugen, auf eine Übergangsphase zu verzichten. Als Gegenleistung wird der Hauptstadt zugesichert, dass ihre Kaserne  rund um die Uhr mit 24 Einsatzkräften besetzt ist, und dass keine Mitglieder der Berufsfeuerwehr ohne Zustimmung der Hauptstadt abgezogen werden.

Direkt einsatzbereit: Die Berufsfeuerwehr der Stadt Luxemburg wird dem CGDIS von Beginn an angehören.
Direkt einsatzbereit: Die Berufsfeuerwehr der Stadt Luxemburg wird dem CGDIS von Beginn an angehören.
Chris Karaba
  • Vom Feuerwehrkorps zur Amicale

Während die Feuerlösch- und Rettungseinsätze der freiwilligen Feuerwehren im CGDIS gebündelt und organisiert werden, sollen die Vereinsaktivitäten der Feuerwehrkorps in einer Amicale weiter leben. Der Feuerwehrverband will ein entsprechendes Statutenmodell ausarbeiten, das die freiwilligen Feuerwehren übernehmen können und mit dem die vereinsspezifischen finanziellen, materiellen und personellen Aspekte abgedeckt werden.



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