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Unicef-Bericht über soziale Ungleichheiten: Jedes vierte Kind in Luxemburg lebt in Armut
Politik 3 Min. 14.04.2016

Unicef-Bericht über soziale Ungleichheiten: Jedes vierte Kind in Luxemburg lebt in Armut

Kinder sind stärker armutsgefährdet als Erwachsene.

Unicef-Bericht über soziale Ungleichheiten: Jedes vierte Kind in Luxemburg lebt in Armut

Kinder sind stärker armutsgefährdet als Erwachsene.
Foto: Shutterstock
Politik 3 Min. 14.04.2016

Unicef-Bericht über soziale Ungleichheiten: Jedes vierte Kind in Luxemburg lebt in Armut

Michèle GANTENBEIN
Michèle GANTENBEIN
Luxemburg ist ein reiches Land, aber nicht in der Lage, soziale Ungleichheiten zu verhindern oder zu bekämpfen. Zu diesem Schluss kommt die Kinderschutzorganisation Unicef.

(mig) - Luxemburg ist ein reiches Land mit ausgeprägten sozialen Ungleichheiten. Zu diesem Schluss kommt ein Bericht der Kinderschutzorganisation Unicef, der sich mit Ungleichheiten bei Kindern in den Bereichen Einkommen, Bildung, Gesundheit und Lebenszufriedenheit befasst. Die Studie zeigt: Je geringer der sozioökonomische Status, desto schlechter die Bildungschancen, die Gesundheit und die Lebenszufriedenheit der Kinder.

Ein Bericht des „Unicef Research Center“, der am Mittwoch von Unicef Luxemburg vorgestellt wurde, untersucht die Situation von Kindern in 41 Industrienationen. Konkret geht es um die Ungleichheit in den Bereichen Einkommen, Bildung, Gesundheit und Lebenszufriedenheit. Die Studie fokussiert sich auf die Gruppe von Kindern, die der unteren Hälfte der Gesellschaft angehören, und antwortet auf die Frage, inwieweit die einzelnen Länder die Schere zwischen den am meisten benachteiligten und den mittleren Kindern auseinandergehen lassen.

Kinder besonders armutsgefährdet

Dabei gibt Luxemburg kein besonders gutes Bild ab. Die Ungleichheiten in den oben genannten Bereichen sind deutlich sichtbar und teilweise erschreckend ausgeprägt.

Der Einkommensunterschied zwischen den unteren und mittleren Kindern liegt bei 41 Prozent. Das heißt: Die am meisten benachteiligten Kinder verfügen über 41 Prozent weniger Einkommen als die Kinder aus der Mitte der Gesellschaft. In diesem Bereich belegt Luxemburg seinen besten Platz in dieser Studie: Platz 9.

Den ersten Platz belegt Norwegen mit einem Einkommensunterschied von 37 Prozent. Die größte Einkommensungleichheit weisen Länder wie Rumänien und Bulgarien (67 Prozent), Mexiko und Griechenland auf. Kinder sind überdies stärker armutsgefährdet als Erwachsene. In Luxemburg liegt die Kinderarmut bei 25 Prozent (Erwachsene: 16 Prozent).

Bildungsrückstand von drei Jahren

Bei den Bildungsunterschieden schneidet Luxemburg mit Platz 33 von 39 besonders schlecht ab. Die unteren 25 Prozent haben einen Bildungsrückstand von drei Jahren zu den oberen 25 Prozent der Gruppe. Die Ergebnisse basieren auf den Pisa-Erhebungen 2012.

Zudem weist Luxemburg einen hohen Anteil (14,4 Prozent) an leistungsschwachen Schülern auf. Diese Schüler verfügen nicht über die erforderlichen Grundkenntnisse in den drei untersuchten Bereichen Mathematik, Lesen und Naturwissenschaften. Die einzige gute und schlechte Nachricht zugleich: In Luxemburg sind die Leistungsunterschiede zwischen 2006 und 2012 gleich geblieben.

Im Bereich Gesundheit liegt Luxemburg ebenfalls ziemlich abgeschlagen auf Platz 29 von 35. Der Unterschied zwischen den unteren und mittleren Kindern liegt bei 30 Prozent. Konkret bedeutet das: Kinder aus der untersten Gesellschaftsschicht sind häufiger krank als Kinder aus der Mitte der Gesellschaft. Die Ergebnisse basieren auf einer Umfrage bei Kindern im Alter von elf, 13 und 15 Jahren, die für einen Zeitraum von sechs Monaten gesundheitliche Beschwerden angeben mussten. Das Ergebnis: Jedes vierte Kind klagte über mindestens ein gesundheitliches Problem pro Tag, z. B. Kopfschmerzen, Nervosität oder Schlaflosigkeit.

Bei der Lebenszufriedenheit belegt Luxemburg Platz 32 von 35. Der Unterschied zwischen den zufriedensten und unzufriedensten Kinder hat seit 2006 um zwei Prozent zugenommen und liegt bei 30 Prozent. die Herkunft ist entscheidend. Die Studie zeigt: Je geringer der sozioökonomische Status des Kindes, desto schlechter die Bildungschancen, die Gesundheit und die Lebenszufriedenheit und somit die Zukunftschancen der Kinder.

"Es geht auch anders"

„Länder wie Dänemark haben gezeigt, dass es auch anders geht“, sagte die Unicef-Vorsitzende Sandra Visscher. Die Kinderschutzorganisation fordert die Politik dazu auf, die Ungleichheiten zu reduzieren, und liefert die Vorschläge gleich mit: gezielte schulische Förderung, kostenlose außerschulische Aktivitäten, kostenlose Mahlzeiten und gesundheitsfördernde Programme in den Schulen. Für Sandra Visscher steht fest: Kein Ort eignet sich besser zur Bekämpfung von Ungleichheiten als die Schule, „denn dort erreicht man alle Kinder.“


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