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UNHCR: Jedes zweite Flüchtlingskind geht nicht zur Schule
Politik 2 Min. 03.09.2020

UNHCR: Jedes zweite Flüchtlingskind geht nicht zur Schule

Flüchtlinge sind einem besonders hohen Risiko ausgesetzt, an Covid 19 zu erkranken. Sie leben dicht aufeinander gedrängt, Hygiene- und Abstandsregeln sind oft schwer einzuhalten. Viele Kinder können nicht mehr zur Schule gehen.

UNHCR: Jedes zweite Flüchtlingskind geht nicht zur Schule

Flüchtlinge sind einem besonders hohen Risiko ausgesetzt, an Covid 19 zu erkranken. Sie leben dicht aufeinander gedrängt, Hygiene- und Abstandsregeln sind oft schwer einzuhalten. Viele Kinder können nicht mehr zur Schule gehen.
Foto: AFP
Politik 2 Min. 03.09.2020

UNHCR: Jedes zweite Flüchtlingskind geht nicht zur Schule

Michèle GANTENBEIN
Michèle GANTENBEIN
Wegen der Covid-Pandemie riskieren Millionen von Flüchtlingskindern, nicht zur Schule gehen zu können, warnt das UN-Flüchtlingshochkommissariat in seinem jüngsten Bildungbericht.

Die Corona-Krise hat sich negativ auf die Bildung der Kinder ausgewirkt und die Bildungsungleichheiten verschärft. Ganz besonders verheerend sind die Auswirkungen bei Flüchtlingskindern. Bereits in pandemiefreien Zeiten, so das UN-Flüchtlingshochkommissariat (UNHCR) in seinem am Donnerstag veröffentlichten Bildungsbericht, werden nur die Hälfte aller Flüchtlingskinder beschult.


HANDOUT - 25.07.2020, ---: Das Rettungsschiff MV LouiseMichel ist vom Streetart-Künstler Banksy bemalt. Banksy unterstützt das Schiff zur Rettung von Flüchtlingen im Mittelmeer. Die MV Louise Michel sicherte bereits zwei Einsätze der Sea Watch 4 und hat jetzt selbst 89 Menschen gerettet. Foto: -/Louise Michel/dpa - ACHTUNG: Nur zur redaktionellen Verwendung im Zusammenhang mit der aktuellen Berichterstattung und nur mit vollständiger Nennung des vorstehenden Credits +++ dpa-Bildfunk +++
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Das Risiko, keine Schule zu besuchen, sei bei Flüchtlingskindern zweimal höher als bei anderen Kindern. Durch die Covid-Pandemie steige das Risiko, bildungstechnisch abgehängt zu werden, weiter an – sei es weil Schulen geschlossen sind, die Familien kein Geld haben, um Schulmaterial zu kaufen oder das Schulgeld zu bezahlen, oder weil sie keinen Zugang zu den neuen Technologien haben. Viele Kinder und Jugendliche seien gezwungen zu arbeiten, um die Familie zu ernähren, so das UN-Flüchtlingshochkommissariat. 

Das UNHCR fordert die internationale Gemeinschaft auf, die Anstrengungen zu intensivieren und innovative Mittel und Wege zu finden, damit Flüchtlingskinder trotz Pandemie beschult werden können.

Fortschritte schwinden

Der Bildungsbericht 2019 basiert auf Statistiken der zwölf Länder, die mehr als die Hälfte aller Flüchtlingskinder aufgenommen haben. Laut dem Bericht besuchen in diesen Ländern 77 Prozent der Kinder eine Grundschule, im Sekundarbereich sind es lediglich 31 Prozent. Obwohl die Bildungsrate im Sekundarbereich mit 31 Prozent im internationalen Vergleich niedrig ist, ist sie im Vergleich zum Vorjahr um zwei Prozent gestiegen. Das UNHCR befürchtet, dass die Pandemie diesen Fortschritt nun wieder zunichte machen wird

Mädchen haben bereits in pandemiefreien Zeiten weniger hohe Bildungschancen als Jungen. Durch die Pandemie schwinden ihre Bildungschancen weiter.
Mädchen haben bereits in pandemiefreien Zeiten weniger hohe Bildungschancen als Jungen. Durch die Pandemie schwinden ihre Bildungschancen weiter.
Foto: AFP

Mädchen sind besonders gefährdet, abgehängt zu werden. Der Malala-Fonds gehe davon aus, dass die Hälfte der weiblichen Flüchtlinge, die vor der Pandemie den Sekundarunterricht besucht haben, nicht mehr in die Schule zurückkehren werden. Die weibliche Bildungsrate lag im Sekundarbereich in den zwölf Ländern bereits vor der Pandemie unter zehn Prozent. Durch die Krise riskierten nun fast alle jungen Frauen, ihre schulische Ausbildung endgültig aufzugeben, was wiederum einen erheblichen Impakt auf künftige Generationen haben werde, so das UNHCR.

Nur drei Prozent aller Flüchtlinge gelingt der Sprung in eine weiterführende Hochschule.

Das UN-Flüchtlingshochkommissariat fordert die Länder, Regierungen und Organisationen dazu auf, alles daran zu setzen, die durch die Pandemie entstandenen Bildungslücken über Online-Angebote so gut es geht aufzuarbeiten und die Lehrer bei dieser Aufgabe unterstützen. 

Ferner appelliert UN-Flüchtlingshochkommissar Filippo Grandi an die Regierungen, Flüchtlingskinder in die nationalen Bildungssysteme zu integrieren und ihnen zu ermöglichen, die anerkannten Bildungswege zu gehen, damit sie sich später für eine Hochschulbildung qualifizieren können. Nur drei Prozent aller Flüchtlinge gelingt der Sprung in eine weiterführende Hochschule. Weltweit liegt die Quote bei 37 Prozent aller Jugendlichen. 


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Das UNHCR geht auch auf die Situation im Sahel ein. Wegen der vielen Angriffe seien über 2.500 Schulen geschlossen worden. Dadurch riskierten 350.000 junge Menschen, ohne schulische Ausbildung aufzuwachsen.

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