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Ungereimtheiten bei den ärztlichen Dokumenten
Politik 6 2 Min. 18.11.2016 Aus unserem online-Archiv
Affäre Lunghi

Ungereimtheiten bei den ärztlichen Dokumenten

Die Analyse der Dokumente wirft weitere Fragen auf.
Affäre Lunghi

Ungereimtheiten bei den ärztlichen Dokumenten

Die Analyse der Dokumente wirft weitere Fragen auf.
Foto: Screenshot RTL
Politik 6 2 Min. 18.11.2016 Aus unserem online-Archiv
Affäre Lunghi

Ungereimtheiten bei den ärztlichen Dokumenten

Pol SCHOCK
Pol SCHOCK
Die Affäre Lunghi wirft immer mehr Fragen auf. Der genaue Blick auf die ärztlichen Dokumente deckt Ungereimtheiten bei der offiziellen Version von Schram/Berwick/Thoma auf.

(ps) - Die Affäre Lunghi wirft immer mehr Fragen auf. MUDAM-Direktor Enrico Lunghi hat in einem Interview mit Sophie Schram die RTL-Mitarbeiterin körperlich und verbal attackiert, wofür er sich noch während des Interviews entschuldigte. Schram ließ sich zehn Tage später krankschreiben, das Interview wurde mitsamt dem Zwischenfall, aber ohne die Entschuldigung, am 3. Oktober gesendet und schlug die mittlerweile bekannten Wellen. Im Beitrag wurde gesagt, dass Sophie Schram gegen Enrico Lunghi klagen wolle.

Doch der genaue Blick auf die ärztlichen Dokumente deckt Ungereimtheiten auf. Hat Alain Berwick, der Geschäftsführer von RTL Luxembourg, am 26. September ein medizinisches Attest gesehen, wie von ihm behauptet, als die Entscheidung getroffen wurde, Sophie Schram zu unterstützen?

Die Version Berwick/Schram/Thoma

Der Vorfall ereignet sich am 13. September. Sophie Schram verspürt Tage später zunehmend Schmerzen im linken Arm und sucht die Poliklinik des CHL auf. Eine Ärztin stellt laut Schram eine Prellung fest, verschreibt "starke Medikamente" und eine "Arbeitsunfähigkeit" von zwei Tagen. Laut Dokument, das auf den Fernsehbildern am 3. Oktober zu sehen ist, bezieht sich diese "Arbeitsunfähigkeit" auf den Zeitraum vom 22. auf den 23. September. Auf einem anderen Dokument wird der Name der Ärztin erkenntlich: Dr. Dana Bliuc.

Alain Berwick, der Geschäftsführer von RTL Luxembourg, trifft sich nach eigenen Angaben am 26. September mit Sophie Schram, um den besagten Vorfall zu besprechen. Schram zeigt sich mit einem Verband am linken Arm und habe ein medizinisches Attest vorgelegt. Sie möchte gegen Lunghi klagen und die Bilder des Vorfalls in einem entsprechenden Bericht im "Den Nol op de Kapp" senden. Gegenüber dem LW sagt Berwick: "Man kann kein medizinisches Attest in Frage stellen. Wenn Sophie Schram also gegen Enrico Lunghi klagen würde, dann würden wir auch die Bilder ausstrahlen, da sowieso die anderen Medien davon Wind bekommen würden."  

Am 3. Oktober wird die Sendung ausgestrahlt. RTL Anwalt Pol Urbany spricht von  "Coups et blessures volontaires" und davon, dass Enrico Lunghi jetzt vor das Strafgericht berufen werden solle.

Fakten stimmen nicht überein

Bei dieser Version gibt es jedoch einige Ungereimtheiten:

1. Das medizinische Attest von Dr. Dana Bliuc, "médecin stagiaire" der Orthopädie des CHL, ist auf den 29. September datiert. Somit hat Schram die Ärztin also nochmals nach dem Gespräch mit Berwick aufgesucht, um ein medizinisches Attest zu erhalten. Berwick kann dieses Dokument demnach nicht bereits am 26. September gesehen haben, wie er behauptet. Darüber hinaus bescheinigt das Attest, "dass Frau Schram Sophie am 24.09.2016 in der Notfall Poliklinik des CHL war". Laut Krankenschein, der in der Sendung vom 3. Oktober zu sehen ist, bezieht sich die Arbeitsunfähigkeit jedoch vom 22. auf den 23. September - also vor dem Besuch in der Poliklinik.

2. Auf dem Krankenschein (vom 22. bis zum 23. September) ist weder der Name von Sophie Schram zu lesen, noch der Name der Ärztin. Auf einem Bild, in dem Sophie Schram das Dokument in der Hand hält, verdeckt sie zudem das Ausstellungsdatum. Auch ist eine Unterschrift darauf zu erkennen, die nicht identisch ist mit der Unterschrift des medizinischen Attests von Dr. Dana Bliuc.

Angesichts dieser Ungereimtheiten bleiben zumindest eine ganze Reihe von Fragen offen. Fragen, welche wohl auch die interne Untersuchung bei RTL klären sollte. Der Glaubwürdigkeit des Konzerns und auch der Politik würde es sicherlich nicht schaden. 


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