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Umweltministerin nimmt Stellung zum Drive-In Recycling Howald
Politik 3 Min. 19.05.2021

Umweltministerin nimmt Stellung zum Drive-In Recycling Howald

Seit 2011 können die Verbraucher ihre Verpackungs- und andere Abfälle im Drive-In-Recycling in Howald abgeben. Eine Bilanzierung des Pilotprojekts fehlt bis heute.

Umweltministerin nimmt Stellung zum Drive-In Recycling Howald

Seit 2011 können die Verbraucher ihre Verpackungs- und andere Abfälle im Drive-In-Recycling in Howald abgeben. Eine Bilanzierung des Pilotprojekts fehlt bis heute.
Foto: Guy Jallay
Politik 3 Min. 19.05.2021

Umweltministerin nimmt Stellung zum Drive-In Recycling Howald

Michèle GANTENBEIN
Michèle GANTENBEIN
Das Umweltministerium hat das Pilotprojekt nie bilanziert. Doch es gibt eine Studie, die den Nutzen solcher Strukturen infrage stellt.

Die parlamentarische Umweltkommission befasste sich am Mittwoch mit der „SuperDrecksKëscht“ (SDK) und dem Drive-In Recycling in Howald. Laut Umweltministerin Carole Dieschbourg (Déi Gréng) wurde das Büro Muller&Associés mit dem Audit der SDK beauftragt. 

Untersucht werden sollen die Geschäftsbeziehungen hinsichtlich ihrer gesetzlichen Konformität, die Finanzstrukturen und Geldströme der einzelnen Unternehmen und des Franchise-Systems. Zudem werde geprüft, ob die Ausführung der SDK gesetzeskonform ist, inwiefern gesetzlich nachgebessert werden muss. Ende Juli sollen die Ergebnisse vorliegen.

In der Sitzung wurde auch über das Drive-In Recycling in Howald und die Vergleichsstudie diskutiert, die Valorlux in Auftrag gegeben hat. Zur Erinnerung: Das Umweltministerium plant eine Verallgemeinerung von Drive-In-Recyclingparks in allen größeren Supermärkten nach dem Modell des Drive-In Howald geplant. Das Pilotprojekt läuft seit zehn Jahren, wurde nie bilanziert und soll dennoch verallgemeinert werden. 


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Gründe für die Vergleichsstudie 

Valorlux, unter anderem zuständig für die Haus-zu-Haus-Sammlung von Verpackungsabfällen im „bloe Sak“, hat auf eigene Initiative eine Vergleichsstudie in Auftrag gegeben. Hintergrund ist, wie Valorlux-Direktor Claude Turping auf Nachfrage erklärt, „dass das Sammeln in den Strukturen stets als Qualitätsrecycling bezeichnet wurde und andere Sammelsysteme wie die Holsammlung – also auch der bloe Sak – als qualitativ weniger gut angesehen wurden“. 

Die Valorlux wollte prüfen lassen, inwiefern dies den Tatsachen entsprach. Das Ergebnis der Studie: Die Sammlung von Verpackungsabfällen im Drive-In ist um das 16-Fache teurer als in der Holsammlung. Außerdem ist der gesammelte Abfall von geringerer Recyclingqualität (Recyclingquote von 22 Prozent gegenüber 84 Prozent beim bloe Sak). 

Die Umweltverwaltung ist seit Ende April 2020 im Besitz der Studie, nachdem die Valorlux sie zusammen mit ihrem Jahresbericht eingereicht hatte. Im Juni 2020 habe er den Direktor der Umweltverwaltung, Robert Schmit, in einem Gespräch auf die Studie hingewiesen, sagt Turping. Erfolgt sei nichts. Zu keinem Moment habe die Umweltverwaltung Fragen gestellt oder auf Fehler hingewiesen – selbst nicht im Dezember 2020, als sie die Valorlux um zusätzliche Erklärungen zu anderen Studien im Jahresbericht bat. 

Kritik an der Methodologie 

Nun kritisiert das Umweltministerium die Studie, beanstandet die Methodologie und die Kostenberechnung, wie Dieschbourg am Mittwoch bei einer Video-Pressekonferenz erklärte. Sie sei verwundert über den Alleingang der Valorlux. „Man hätte gemeinsam mit den anderen Akteuren eine Studie in Auftrag geben können“, meinte sie. 

Das Umweltministerium kritisiert die Studie, legt aber selbst keine Zahlen auf den Tisch.

Sven Clement, Piraten

Doch eine solche Studie war seitens der Umweltverwaltung offensichtlich nicht erwünscht. Es wäre die Aufgabe des Staates, das Projekt, das komplett mit Steuergeld finanziert wird, zu evaluieren und Zahlen vorzulegen, die eine Verallgemeinerung rechtfertigen. Das ist dann auch die fundamentale Kritik der Piraten. „Das Umweltministerium kritisiert die Studie, legt aber selbst keine Zahlen auf den Tisch“, so Sven Clement. „Wie sollen wir die Situation einschätzen können, ohne Zahlen?“ 

Statt eine Kosten-Nutzen-Analyse vorzulegen, führt das Umweltministerium Argumente ins Feld, die es von anderen Akteuren kaum akzeptieren würde: Workshops zur Vorbereitung des Abfallgesetzes hätten ergeben, dass die Teilnehmer solche Sammelstrukturen wünschen. Eine Umfrage, die 2011 vom Betreiber des Drive-In (CCN) durchgeführt wurde, habe bei den 140 Teilnehmern eine hohe Zufriedenheit mit dem Drive-In-Angebot ergeben. 


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Carole Dieschbourg berief sich am Mittwoch des Weiteren auf die Meetings und Gespräche des Beratergremiums, das seit 2013 zweimal jährlich tagt, und „dabei immer wieder auch über das Projekt Drive-In diskutiert“. Valorlux-Direktor Claude Turping nimmt seit 2016 an den Meetings teil, sagt aber, dass dort immer nur über die Quantität, jedoch nie über die Qualität, eine Evaluierung oder über die Finanzen gesprochen worden sei. 

Die Valorlux steht der Schaffung von Drive-In-Strukturen weiterhin sehr skeptisch gegenüber. „Das führt zu einer unnützen Multiplizierung von Sammelstellen und zu einer extremen Kostensteigerung – und das bei einer unzeitgemäßen Recyclingqualität“, so der Direktor. 

Im Vertrag zur Ausführung der SDK zwischen der Umweltverwaltung und „Oeko-Service Luxembourg“ (OSL) wird der Gesellschaft der Betrieb weiterer Drive-In-Supermarktstrukturen quasi vertraglich zugesichert. Darauf angesprochen meinte die Umweltministerin, dieser Punkt werde im SDK-Audit geprüft. Der CSV-Abgeordnete Paul Galles fordert, dass geklärt wird, „ob mit der Ausschreibung zur Ausführung der SDK und mit dem Vertrag alles mit rechten Dingen zugegangen ist und es nicht zu Wettbewerbsvorteilen zu Lasten anderer Firmen gekommen ist“, so Galles.

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