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Umfrage zur Sterbehilfe: Es fehlt an Informationen
Politik 2 Min. 20.01.2020

Umfrage zur Sterbehilfe: Es fehlt an Informationen

Die Sterbehilfe trifft bei der Bevölkerung auf breite Akzeptanz.

Umfrage zur Sterbehilfe: Es fehlt an Informationen

Die Sterbehilfe trifft bei der Bevölkerung auf breite Akzeptanz.
Foto: Shutterstock
Politik 2 Min. 20.01.2020

Umfrage zur Sterbehilfe: Es fehlt an Informationen

Michèle GANTENBEIN
Michèle GANTENBEIN
Zehn Jahre nach Inkrafttreten des Euthanasiegesetzes zog die nationale Aufsichts- und Bewertungskommission des Gesundheitsministeriums eine erste große Bilanz: Das Gesetz trifft auf eine breite Akzeptanz in der Bevölkerung, allerdings fühlen sich die Menschen nicht gut informiert.

Seit Inkrafttreten des Gesetzes im März 2009 wurden in Luxemburg 71 Fälle von Euthanasie registriert. "Alles war rechtens. Wir mussten keinen Fall an die Staatsanwaltschaft oder den Collège médical weiterleiten", sagte Lotty Prussen, Präsidentin der nationalen Aufsichts- und Bewertungskommission, am Montag bei einer Pressekonferenz. Die Kommission hat als Aufgabe, dafür zu sorgen, dass die Gesetzgebung zur Sterbehilfe und zur Beihilfe zum Suizid korrekt ausgeführt wird. 


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Zehn Jahre Euthanasiegesetz
Am 16. März 2009 traten die Gesetze zur Palliativpflege und zur Sterbehilfe in Kraft. Dem endgültigen Votum im Parlament ging eine sehr lange und sehr kontroverse Debatte voraus.

Die 71 Fälle machen 0,27 Prozent aller Sterbefälle in Luxemburg aus. Ein geringer Prozentsatz, in Belgien liegt die Quote bei zwei bis drei Prozent, in den Niederlanden sogar bei fünf bis sechs Prozent. In den meisten der 71 Fälle handelte es sich um Menschen über 60 Jahre und die häufigste Ursache war ein unheilbares Krebsleiden.

Die Umfrage, die von TNS Ilres bei 1.006 Bürgern ab 16 Jahre zwischen dem 21. Oktober und dem 8. November 2019 durchgeführt wurde, ergab ein großes Problem: Nur 43 Prozent der Befragten wissen, dass Sterbehilfe unter bestimmten Bedingungen in Luxemburg erlaubt ist. Es sind vor allem die älteren Befragten, die um das Gesetz wissen. Männer sind besser informiert als Frauen und Luxemburger besser als Ausländer.

Von den 57 Prozent, die nicht wissen, dass es ein Sterbehilfegesetz gibt, fühlen sich 81 Prozent nicht gut informiert. Selbst diejenigen, die wissen, dass es ein Sterbehilfegesetz gibt, geben laut Tommy Klein von TNS Ilres mehrheitlich an, sich nicht ausreichend über das Thema Euthanasie informiert fühlen. Insgesamt fühlen sich lediglich 36 Prozent gut beziehungsweise ausreichend informiert.

Der geringe Kenntnisstand sagt aber nichts über die Akzeptanz der Sterbehilfe aus. Unabhängig vom Kenntnisstand befürworten 85 Prozent der Befragten die Sterbehilfe. Durch die Sterbehilfe könne unnötiges Leiden vermieden werden und sie erlaube den Menschen, über ihr Lebensende frei zu bestimmen, so die häufigsten Begründungen.

Sterbehilfe für Minderjährige

Doch geht es um Sterbehilfe für Minderjährige, sind die Menschen gespalten. Auf die Frage, ob Sterbehilfe auch bei 16- bis 18-Jährigen erlaubt sein soll, antworten 51 Prozent mit Ja und 33 Prozent mit Nein. Die restlichen Befragten gaben an, die Frage nicht beantworten zu können.

Rolle des Arztes

Wenn die Menschen über den Tod reden, dann überwiegend im inneren Familien- und Freundeskreis. Der Arzt kommt während der informellen Diskussionsphase als Kontaktperson in dieser Frage an letzter Stelle. Allerdings würden 78 Prozent der Befragten begrüßen, wenn ein Arzt zur Verfügung stünde, um über das Thema Sterbehilfe und die Möglichkeiten zu sprechen. Die nationale Aufsichts- und Bewertungskommission sieht sich in ihrer Empfehlung bestätigt, eine entsprechende Beratungsstelle in Krankenhäusern und Altenheimen zu schaffen. Auch sprechen sich 75 Prozent der Befragten dafür aus, dass in jedem Krankenhaus ein Arzt zur Verfügung stehen müsse, um Sterbehilfe durchzuführen

 


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