Umfrage zur Familien- und Bildungspolitik

Zahlen, Zuspruch und Hurra

(BB) - "Wir wollen keine Politik ins Blinde machen", sagt DP-Fraktionschef Eugène Berger. Als Regierungspartei sind die Liberalen für die Ressorts Bildung und Familienpolitik zuständig. In der Verantwortung sitzen Minister Claude Meisch sowie Ministerin und Parteipräsidentin Corinne Cahen. Nun will die DP also wissen, wie die Maßnahmen ihrer Spitzenleute bei den Wählern ankommen. Dafür wurde eine Umfrage bei TNS in Auftrag gegeben. Das Ergebnis zeigt die Partei gerne: Die Zustimmungswerte liegen im Schnitt bei über 70 Prozent.

Ach wirklich?

Bei der eigentlichen Fragestellung überkommen den Leser dennoch Zweifel. Will die DP es wirklich wissen?

"Wie bewerten Sie kostenlose Schulbücher?", lautet eine Frage. Und wie ist mit der kostenlosen Kinderbetreuung? Und wie befinden sie einen flexiblen und besser bezahlten Elternurlaub? Viel Kritik verhallt hier nicht.

Viele Details geben die Fragen auch nicht her. Die Antworten sind ihrerseits vorgegeben und beziehen sich auf vier Gefühlsebenen: Zwischen "ganz gut" und "ganz schlecht". Für Finesse und längere Überlegungen ist kein Platz vorgesehen.

"Wir wollten nicht eine präzise Maßnahme ausführlich befragen lassen, sondern ein Gesamtbild erhalten, was den Leuten wichtig ist", erklärt Eugène Berger auf Nachfrage hin. Nähere Details könnten vielleicht Anlass für eine spätere Umfrage sein. Es gehe darum zu sehen, inwiefern neue Maßnahmen die Erwartungen der Bevölkerung erfüllen und was noch fortgesetzt werden könne.

Nun könnte man einwenden: Was hat eine Partei denn davon, wenn sie durch die Fragestellung nur bestätigt wird? Kann sie wirklich Konsequenzen daraus ziehen oder ist es reine Kommunikation nach außen hin?

Dennoch interessante Ansätze

Interessant wird die Umfrage auf den zweiten Blick. Weil es doch eine Graduierung gibt, wenn die Antworten nebeneinander gestellt werden. Ein Beispiel: Die befragten Wähler befürworten zu 87 Prozent kostenlose Schulbücher, bei kostenlosen Tablets und der digitalen Bildung sind es hingegen 56 Prozent positive Äußerungen. Das zeigt: Nicht alle Geschenke des Regierung werden per se für gut und nützlich befunden.

Oder auch dieses Beispiel: 59 Prozent der Befragten befinden die mehrsprachige Frühförderung für gut. "Und das obschon das Thema in der öffentlichen Debatte zuletzt stark diskutiert wurde", gibt Charles Margue, Studiendirektor von TNS zu bedenken.

Auf eine anschließende Frage hin, was noch passieren müsste, um den Alltag der Familien zu erleichtern, sprechen sich auch 79 Prozent für eine stärkere Mehrsprachigkeit auf Luxemburgisch, Französisch und Deutsch aus. Das zeigt also: Mit dem neuen Regierungsprojekt für eine kostenlose Betreuung auf Französisch und Luxemburgisch in den Kitas geben sich viele Wähler längst nicht zufrieden.

Die Minister Claude Meisch und Corinne Cahen könnten fürs letzte Amtsjahr vor den Landeswahlen also doch noch einiges aus dieser Umfrage erfahren.