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Uhrenprozess: Beccas Geldflüsse im Fokus
Politik 3 Min. 13.01.2021

Uhrenprozess: Beccas Geldflüsse im Fokus

Der Prozess gegen den 58-jährigen Baupromotor Flavio Becca wird vor der 12. Strafkammer des hauptstädtischen Bezirksgerichts verhandelt.

Uhrenprozess: Beccas Geldflüsse im Fokus

Der Prozess gegen den 58-jährigen Baupromotor Flavio Becca wird vor der 12. Strafkammer des hauptstädtischen Bezirksgerichts verhandelt.
Foto: Chris Karaba
Politik 3 Min. 13.01.2021

Uhrenprozess: Beccas Geldflüsse im Fokus

Marc HOSCHEID
Marc HOSCHEID
Im Geldwäscheprozess gegen Flavio Becca ging es am zweiten Verhandlungstag vor allem um das undurchsichtige Firmengeflecht des Baupromotors.

Auch der zweite Tag des Prozesses gegen den Bauunternehmer Flavio Becca wegen der Veruntreuung von Firmengeldern und Geldwäsche brachte kein Licht ins Dunkel. Zumindest nicht mit Blick auf die Frage nach Art und Grund der Anschaffung von 842 Luxusuhren im Wert von rund 18 Millionen Euro. Die Befragung des zweiten Zeugen gewährte aber zumindest einige spannende Einblicke in das Firmengeflecht des Flavio Becca. 

Im Zentrum dieses Dschungels an Unternehmen steht die Firma Promobe Finance SPF. Seit dem 22. Dezember 2010 existiert noch ein Ableger von Promobe Finance in Hongkong. Die Wahl sei auf die Sonderverwaltungszone in Südostasien gefallen, weil diese über einen guten Ruf in Sachen Vermögensverwaltung verfüge und man das Kapital der Beccas an einem Ort habe bündeln wollen. 

Ungewöhnliche Verbuchungen

So gehen auch jene Gelder, die in den Ankauf der Luxusuhren investiert wurden, zulasten von Promobe Finance Hongkong. Interessant ist vor allem wie dies passiert. Laut dem Zeugen habe der Buchhalter von Becca ausgesagt, dass für die Vorgehensweise entscheidend gewesen sei, ob es sich bei der Anschaffung um eine private oder eine geschäftliche Investition gehandelt habe. Wenn eine der insgesamt 19 Gesellschaften, die sich in Beccas Besitz befinden und von denen es bei 13 im Laufe der Ermittlungen zu Durchsuchungen kam, die Uhr im privaten Auftrag des Firmenchefs gekauft hat, wurde das Geld über das Konto mit dem Namen „Associés“ über Promobe Finance SPF nach Hongkong weitergeleitet. 

Wenn es sich um eine geschäftliche Transaktion im Sinne der jeweiligen Firma handelte, wurden diverse Ausgabenkonten genutzt, beispielsweise das mit dem Namen „Autres valeurs mobilières“. Dies zur Verwunderung des Staatsanwaltes, der es als eher ungewöhnlich bezeichnete, dass Gegenstände auf diese Weise verbucht würden. Auch der Zeuge meinte, dass es sich dabei normalerweise eher um Wertpapiere handele. 

Unklare Unterscheidung zwischen privat und geschäftlich 

Eine Ausnahme stellten mehrere Uhren dar, die zwischen 2007 und 2009 von den Firmen Grossfeld I und II für etwa sieben Millionen Euro in Italien gekauft wurden. Diese wurden direkt von Promobe Finance SPF für den Einkaufspreis abgekauft. Das Geld ging auch anschließend nicht nach Hongkong. Ungeklärt blieb die Frage, warum diese sieben Millionen Euro so verbucht wurden, als ob es sich dabei um Schulden gegenüber Flavio Becca handele, wenn sie sich doch im Besitz von Promobe Finance SPF befänden. 

Problematisch an dem ganzen System ist zudem, dass laut dem Polizeibeamten der Buchhalter von Becca nicht nachvollziehbar erklären konnte, welche Kriterien er für die Unterscheidung von privaten und geschäftlichen Anschaffungen anwendete. Im Jahr 2010 beliefen sich die Verbindlichkeiten gegenüber Promobe Finance Hongkong jedenfalls insgesamt auf 52 Millionen Euro. 

Uhren liegen in Schubladen, Kisten und Zertifikate auf dem Boden 

Mit Blick auf die 842 Uhren, um die es in dem Prozess geht, präzisierte der Zeuge, dass es sich dabei ausschließlich um jene Modelle handele, die bei den zehn größten Händlern erworben wurden. Aus den Rechnungen geht jedoch hervor, dass insgesamt bei 74 Händlern Uhren gekauft wurden. Es sei also anzunehmen, dass noch deutlich mehr Uhren gekauft wurden. 


Lok , PK Flavio Becca und Michel Knepper , Ban de Gasperich , Quartier Cloche d`Or , Foto:Guy Jallay/Luxemburger Wort
Flavio Becca: Uhrenprozess hat begonnen
Im Geldwäscheprozess gegen Flavio Becca dreht sich am ersten Verhandlungstag alles um die Art der Anschaffung von über 800 Luxusuhren.

Am Tag der Hausdurchsuchungen hatte sich der Zeuge im Haus von Flavio Becca aufgehalten. Dort wurden 643 Uhren beschlagnahmt, 16 Uhren im Haus eines Geschäftspartners und 14 im Haus des Vaters. In dem hoch gesicherten Raum im Keller des Gebäudes, in dem die Uhren aufbewahrt wurden, habe keine erkennbare Ordnung geherrscht. Während einige der Uhren in Schubladen aufbewahrt wurden, hätten andere einfach auf Regalen gelegen. Ein Teil der Kisten und Zertifikate habe überdies in einer Ecke auf dem Boden gelegen. 

Der Prozess wird am Donnerstag fortgesetzt.

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Palais de Justice , Flavio Becca und sein Rechsbeistand , Cite Judiciaire , Prozess wegen Luxusuhren , Foto:Guy Jallay/Luxemburger Wort