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Uhrenprozess: Becca weist Vorwürfe zurück
Politik 2 Min. 14.01.2021

Uhrenprozess: Becca weist Vorwürfe zurück

Der 58-jährige Flavio Becca muss sich derzeit vor Gericht wegen undurchsichtiger Käufe von Luxusuhren verantworten.

Uhrenprozess: Becca weist Vorwürfe zurück

Der 58-jährige Flavio Becca muss sich derzeit vor Gericht wegen undurchsichtiger Käufe von Luxusuhren verantworten.
Foto: Vincent Lescaut/LW-Archiv
Politik 2 Min. 14.01.2021

Uhrenprozess: Becca weist Vorwürfe zurück

Marc HOSCHEID
Marc HOSCHEID
Im Geldwäscheprozess gegen ihn hat der Unternehmer Flavio Becca den Kauf von über 800 Luxusuhren verteidigt, gleichzeitig aber auch Fehler eingeräumt.

Der dritte Verhandlungstag im Prozess gegen den Bauunternehmer Flavio Becca wegen Veruntreuung von Firmengeldern und Geldwäsche war der bislang kürzeste. Gerade einmal rund eine Stunde dauerte die Sitzung am Donnerstag, in deren Mittelpunkt der Angeklagte stand. Dieser musste sich nämlich den Fragen des Richters stellen. 

Zunächst erkundigte sich der Richter noch einmal über den genauen Grund, aus dem die 842 Luxusuhren im Wert von rund 18 Millionen Euro angeschafft wurden. Becca unterstrich, dass man zwischen den rund 300 Uhren, die von seiner Gesellschaft Promobe Finance SPF und dem Rest unterscheiden müsse. Promobe habe die Uhren als Invest angeschafft, er selbst als private Spekulationsobjekte. Auf die Bemerkung des Richters, dass einige der Uhren zwar schön seien, aber nicht wirklich als Spekulationsobjekt taugten, entgegnete Becca, dass man manchmal ein Paket von Uhren kaufen müsse, um eine ganz bestimmte zu erhalten. 

Keine Unordnung bei Kisten und Zertifikaten 

Auf die Frage des Richters, warum kein detailliertes Register der Uhren existiere, meinte Becca, dass es sehr wohl Rechnungen und Garantien gebe und er jede Uhr mit den darin enthaltenen Informationen identifizieren könne. Er wies zudem die Aussage des Zeugen vom Vortag zurück, im begehbaren Safe hätten die Kisten und Zertifikate auf dem Boden gelegen. Der Zeuge, ein Mitglied der Police judiciaire, sei erst anderthalb oder zwei Stunden nach Beginn der Hausdurchsuchung dazu gekommen. Die Zertifikate seien in Umschlägen und der Großteil der Kisten an einem anderen Ort aufbewahrt worden. Letzteres, um potenziellen Dieben den Weiterverkauf zu erschweren. 

Es sei auch nicht korrekt, dass sich jene rund 200 Uhren, die bei der Hausdurchsuchung nicht gefunden werden konnten und bei denen es sich um Geschenke für die Familie handelte, alle bei den Verwandten zu Hause befunden hätten, die meisten seien bei Banken aufbewahrt worden. Welches Familienmitglied zu welchem Anlass wie viele Uhren erhalten hatte, daran konnte sich Becca indes nicht mehr erinnern. 

Dass jene Uhren, die von Promobe gekauft wurden, nicht wie sonst üblich über das Konto „Associés“, sondern über diverse Ausgabenkonten der verschiedenen Firmen verbucht wurden, erklärte Becca mit dem höheren Wert dieser Uhren. Als der Richter wissen wollte, ob der Angeklagte je die von Promobe gekauften Uhren getragen habe, antwortete dieser: „Ich würde sagen eher nicht, ich trage keine teuren Uhren.“ 

„Wir investieren gerne in Dinge, die wir anfassen können“  

Der Richter wollte auch erfahren, warum Promobe entgegen dem eigentlichen Firmenzweck überhaupt Uhren kaufte und damit ein gewisses Risiko einging. Das sah Becca jedoch anders: „Wir hätten auch in Fortis-Aktien investieren können, dann wäre das Geld jetzt weg. Außerdem investieren wir gerne in Dinge, die wir anfassen können.“ 

„Warum haben Sie eigentlich keine Gesellschaft speziell für den Erwerb der Uhren gegründet? Das hätte Ihnen steuerliche Vorteile gebracht, außerdem haben Sie so viele Firmen, da wäre es auf eine mehr doch auch nicht mehr angekommen“, so die Einschätzung des Richters. „Darauf habe ich keine Antwort“, entgegnete Becca knapp. 


Lok , PK Flavio Becca und Michel Knepper , Ban de Gasperich , Quartier Cloche d`Or , Foto:Guy Jallay/Luxemburger Wort
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Über die Anschaffung der Uhren hinaus interessierte sich der Richter für die Art, wie Becca seine Firmen leitet. Dieser benehme sich weniger wie ein Unternehmensvorstand als vielmehr wie ein Patriarch. So seien beispielsweise Firmenautos für Privatfahrten genutzt und Jagd- als Unternehmenskosten abgesetzt worden. „Das ist so in den Köpfen der alten Unternehmerfamilien drin“, versuchte Becca seine Handlungen zu begründen. Hier habe er sicher Fehler begangen.  

 Am Dienstag wird der Prozess fortgesetzt. 

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