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Übernahme der Religionslehrer: "Eine heikle Angelegenheit"
Politik 2 Min. 05.10.2016 Aus unserem online-Archiv

Übernahme der Religionslehrer: "Eine heikle Angelegenheit"

Auf dem Weg zum einheitlichen Werteunterricht im Fondamental hat das Bildungsministerium jetzt eine weitere Hürde genommen.

Übernahme der Religionslehrer: "Eine heikle Angelegenheit"

Auf dem Weg zum einheitlichen Werteunterricht im Fondamental hat das Bildungsministerium jetzt eine weitere Hürde genommen.
Foto: Shutterstock
Politik 2 Min. 05.10.2016 Aus unserem online-Archiv

Übernahme der Religionslehrer: "Eine heikle Angelegenheit"

Michèle GANTENBEIN
Michèle GANTENBEIN
Der Staat übernimmt 147 Religionslehrer, die im Zuge der Einführung des neuen Fachs "Leben und Gesellschaft" im Fondamental ihren Job verlieren. Der Gesetzentwurf wurde jetzt auf den Instanzenweg gebracht. Bildungsminister Claude Meisch ist sichtlich erleichtert, Lösungen gefunden zu haben.

(mig) - 220 Religionslehrer sind durch die Abschaffung des Religionsunterrichts gezwungen, neue berufliche Wege zu gehen. 147 haben sich beim Bildungsministerium gemeldet, um vom Staat übernommen zu werden. Die Lösungen liegen auf dem Tisch und der Gesetzentwurf ist auf dem Instanzenweg. Die Übernahme beginnt zur Rentrée 2017, wenn das neue Fach im Fondamental eingeführt wird.

101 Lehrer mit Sekundarschulabschluss

101 Personen haben einen Sekundarschulabschluss und haben Zugang zur "Réserve des suppléants", d. h. zur Gruppe der Lehrbeauftragten, unter der Bedingung, dass sie eine Weiterbildung absolvieren. Sie umfasst 120 Stunden (90 Stunden Theorie, 30 Stunden Praxis), kann aber maximal auf 60 Stunden gekürzt werden, wenn die Betroffenen über weiterführende Diplome (z. B. einen Bachelor in Religionspädagogik) verfügen oder entsprechende Weiterbildungszertifikate vorweisen können. Am Ende der Weiterbildung müssen die Teilnehmer sich einem Test unterziehen. Weil sie nicht neu rekrutiert, sondern übernommen werden (Meisch: "Sie haben es sich ja nicht ausgesucht"), sind die Religionslehrer vom dreijährigen Praktikum befreit. Dienstjahre und die bereits zugestandene Alters-Décharge werden angerechnet.

46 Lehrer ohne Sekundarschulabschluss

46 Personen haben keinen Sekundarschulabschluss und werden der "Réserve des auxiliaires éducatifs" zugeführt. Sie können wahlweise im Fondamental (aber nicht als Lehrkraft), in der Education différenciée, beim SNJ oder auch in den staatlichen Kinderheimen unterkommen. Auch außerschulische Aktivitäten in den Sekundarschulen kommen in Frage. Sie müssen ebenfalls eine 120-stündige Weiterbildung absolvieren, aber keinen abschließenden Test.

Bildungsminister Claude Meisch bezeichnete die Personalübernahme als das heikelste Dossier in der Angelegenheit "Werteunterricht". Ganz nach dem Motto "Pacta sunt servanda" habe man Wert darauf gelegt, dass niemand etwas verliert. Bei der beruflichen Neueinstufung habe man darauf geachtet, dass die Zugangsbestimmungen eingehalten werden. Anders formuliert: Niemand erhält Zugang zu einer Karriere, zu der er ohne die berufliche Laufbahn als Religionslehrer keinen Zugang gehabt hätte. "Wir haben hier die bestmöglichen beruflichen Perspektiven für alle Betroffenen geschaffen", sagte Meisch am Mittwoch bei einer Pressekonferenz im Bildungsministerium.

Übernahmeangebote drei Jahre gültig

Die Übernahme beginnt zur Rentrée 2017 und die Angebote sind drei Jahre lang gültig. Das heißt, Lehrer können sich in diesem Zeitraum jederzeit umentscheiden. "Wer eine Nespresso-Bar aufmachen möchte und feststellt, dass daraus nichts wird, kann sich in diesen drei Jahren jederzeit für eines unserer Angebote entscheiden", so Meisch.

Das neue Fach wird von den diplomierten Lehrern gehalten, außer sie geben es ab. Dann dürfen auch Lehrbeauftragte das Fach unterrichten, unter der Bedingung, dass sie eine 16-stündige Weiterbildung absolvieren. Darunter können also auch ehemalige Religionslehrer sein, die in die Gruppe der Lehrbeauftragten übernommen wurden.

Lehrerdiplom nachholen

Die Universität Luxemburg bietet Lehrbeauftragten mit Berufserfahrung und Religionslehrern mit einem Sekundarschulabschluss die Möglichkeit, das Lehrerdiplom in einer zweijährigen Ausbildung nachzuholen, unter der Bedingung, dass sie über fünf Jahre Berufserfahrung und eine 120-ständige Weiterbildung verfügen und dass sie die Zulassungsprüfung zur Uni schaffen.

Keine Reaktion

Laut Claude Meisch ist die Übernahme jetzt geklärt, bis auf einen Punkt. Die Lehrer mit einem Bachelor in Religionspädagogik fordern eine größere Anerkennung ihrer Ausbildung. Auf den Vorschlag des Bildungsministeriums, über mehrere Jahre von der jährlichen Weiterbildungspflicht (16 Stunden) befreit zu werden, habe die Vereinigung der Religionslehrer (Alerf) bis jetzt nicht reagiert, so der Bildungsminister. Je länger die Alerf warte, desto schwieriger werde es, noch Änderungen am Gesetzestext vorzunehmen.


 


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