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Türkische Gemeinschaft kritisiert "Geschichtsverdrehung"
Politik 05.05.2015 Aus unserem online-Archiv
Massaker an Armeniern

Türkische Gemeinschaft kritisiert "Geschichtsverdrehung"

Marsch für Armenier in Istanbul: Das Thema bleibt in der Türkei ein heißes Eisen.
Massaker an Armeniern

Türkische Gemeinschaft kritisiert "Geschichtsverdrehung"

Marsch für Armenier in Istanbul: Das Thema bleibt in der Türkei ein heißes Eisen.
AP
Politik 05.05.2015 Aus unserem online-Archiv
Massaker an Armeniern

Türkische Gemeinschaft kritisiert "Geschichtsverdrehung"

In einer ganzseitigen Anzeige im "Luxemburger Wort" wehrt sich die Türkei gegen den Begriff Genozid als Bezeichnung für das Massaker an den Armeniern.

(jag) - Die türkische Gemeinschaft in Luxemburg hat eine ganzseitige Anzeige im "Luxemburger Wort" geschaltet. Kernaussage: Das Massaker an rund 300.000 Armeniern im Jahre 1915 durch Soldaten des osmanischen Reiches dürfe nicht als Genozid bezeichnet werden. Die Türkei als Nachfolgestaat des osmanischen Reiches spricht offiziell von den "Ereignissen von 1915". Infolge eines Aufstandes der Armenier während des ersten Weltkriege sollten 300.000 Armenier deportiert werden. Nach türkischer Lesart gab es nie einen Befehl diese Menschen umzubringen, sie seien infolge des Bürgerkrieges oder aber an Hunger und Strapazen verstorben. In 22 Staaten spricht man offiziell von Genozid und ein Leugnen dieses Umstandes steht sogar unter Strafe. Andere Staaten halten sich zurück, weil letzte historische Fragen noch nicht geklärt sind.

Aufruf zur Versöhnung

Im nun veröffentlichten Brief macht die Türkei einen Aufruf zur Versöhnung. Die Flüchtlinge, die man nun aufnehme, seien die Enkel jener Menschen, die die Türkei in der Vergangenheit erobern wollten. Die Geschichte dürfe nicht zu politischen Zwecken missbraucht werden, die historischen Umstände dürften nicht auf ein einziges Wort reduziert werden. Anstatt alte Wunden aufzureißen, müsste man es jetzt den Historikern überlassen, die Geschehnisse von 1915 genau zu untersuchen. 

In einem weiteren Schreiben rufen die in Luxemburg lebenden Türken zu einer Protestdemonstration auf dem Clairefontaine-Platz auf. Hintergrund ist der Antrag der CSV-Koalition, mit dem Luxemburg die Geschehnisse offiziell als Genozid anerkennen soll. Am Mittwoch soll im Parlament über diese Resolution abgestimmt werden.




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