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Trennung Kirche und Staat: Heftige Kritik der Kirchenfabriken
Politik 2 Min. 06.02.2015

Trennung Kirche und Staat: Heftige Kritik der Kirchenfabriken

Politik 2 Min. 06.02.2015

Trennung Kirche und Staat: Heftige Kritik der Kirchenfabriken

Das Syndikat der Kirchenfabriken Syfel kritisiert in seiner Stellungnahme die Konvention zwischen der Regierung und den Glaubensgemeinschaften scharf.

(DS) - Der Syfel-Verwaltungsrat wird „sich mit allen geeigneten Mitteln de jure und de facto gegen diese Abschaffung der Kirchenfabriken zur Wehr setzen und fordert sowohl die Regierung als auch die Erzdiözese auf, ihre Position zu überdenken“, so die geharnischte Kritik des Syndicat des fabriques d'église du Luxembourg (Syfel) in seiner Stellungnahme zur Vereinbarung zwischen der Regierung und den Religionsgemeinschaften vom 19. Januar. Der Syfel vertritt 251 der 285 Kirchenfabriken.

Die Konvention sieht vor, dass die Kirchenfabriken ihre Autonomie verlieren und ihr Vermögen in einen Fonds übertragen wird, der vom Erzbistum verwaltet wird. Welches Statut dieser Fonds haben soll, ist allerdings noch nicht gewusst. Im Klartext bedeutet dies, dass die Kirchenfabriken abgeschafft werden.

Weitere Verhandlungen

Das wollen die Verantwortlichen des Syfel allerdings so nicht hinnehmen. Deshalb fordern sie die Regierung und das Erzbistum auf, „gemeinsam mit dem Syfel, dem Syvicol und den Gemeinden (unter Wahrung der Gemeindeautonomie) eine durchaus notwendige, aber auch eine dem katholischen Glauben, der Pastorale, der Geschichte, der Kunst und Kultur verpflichtende Reform der Kirchenfabriken auszuarbeiten“. Der Syfel hatte sich seit seiner Gründung für eine Reform der Kirchenfabriken eingesetzt.

In der Stellungnahme weist der Verwaltungsrat erneut darauf hin, dass weder die Kirchenfabriken noch deren Dachverband Syfel an den Verhandlungen beteiligt waren. Die Verhandlungen seien „nicht transparent“ gewesen und unter Zeitdruck geführt worden. So kommen die Verantwortlichen des Syfel denn auch zum Schluss, dass „die Kirchenfabriken keine Vertragsparteien des Übereinkommens sind und daher nicht daran gebunden werden können, so dass der Vertrag ihnen nicht entgegengesetzt werden kann und, gemäß Artikel 2, nicht einmal in Kraft ist“.

Unlösbare finanzielle Lage

Das Syndikat weist zudem darauf hin, dass wegen der in der Konvention vorgesehenen Abänderung des Dekrets von 1809, der als rechtliche Grundlage der Kirchenfabriken gilt, „eine nicht unerhebliche Anzahl von Kirchenfabriken in eine unlösbare finanzielle Lage“ gerät.

Zudem sind die Vertreter der Kirchenfabriken der Meinung, dass der neue Fonds kaum in der Lage sein wird, sämtliche Aufgaben, die bislang von den Kirchenfabriken gelistet wurden, in Eigenregie zu übernehmen. Kritik setzt es auch an der „zentralistischen Struktur“ des Fonds. Der Syfel zeigt sich auch überzeugt, dass „es dem Fonds alleine nicht möglich sein wird, einen ausreichenden Teil der Kirchengebäude der Erzdiözese zu erhalten“.

Der Syfel bedauert ferner, dass "neben dem kirchlichen, weder dem kulturellen noch (kunst-) historischen Erbe, welches die Kirchenfabriken gemeinsam mit den Zivilgemeinden und mit unzähligen Gläubigen finanziert, gehegt, gepflegt und verwaltet haben, Rechnung getragen wird."

In den Augen des Syfel enthält die Konvention darüber hinaus „unzählige juristische Fehler und praktische Unklarheiten“, so dass eine Umsetzung in der Praxis praktisch unmöglich sei.


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