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Traumberuf Arzt
Leitartikel Politik 2 Min. 18.03.2015

Traumberuf Arzt

Leitartikel Politik 2 Min. 18.03.2015

Traumberuf Arzt

Pierre LEYERS
Pierre LEYERS
Die für Ende des Jahres angekündigte Entscheidung, ob an der Uni Luxemburg eine „Medical School“ entstehen soll, ist ein bildungspolitischer Entschluss mit weitreichenden sozialen und wirtschaftlichen Konsequenzen.


Für ein Land, das sich der Wissensgesellschaft verschrieben hat, ist die noch vor zwölf Jahren bei ihrer Gründung viel diskutierte Frage, ob das kleine Luxemburg eine eigene Universität brauche, definitiv beantwortet. Die Uni ist da, und auf ihrem neuen Campus in Belval wird sie noch mehr als zuvor als Ideenschmiede und Innovationsmotor zur Attraktivität des Standorts beitragen.

Die andere Frage, welche Universität Luxemburg braucht, ist allerdings so aktuell wie eh und je. Sie muss immer wieder neu beantwortet werden, weil sich die Luxemburger Gesellschaft – gemessen an früheren Geschwindigkeiten – rasend schnell verändert. Was wird gelehrt, in welche Richtung wird geforscht? Vor allem: Wer trifft diese Entscheidungen? Das humboldtsche Bildungsideal, das die akademische Freiheit über alle politischen und wirtschaftlichen Interessen stellt, ist im Zeitalter von Bologna-Prozess, Beschäftigungsfähigkeit und knallhartem Standortwettbewerb ein Auslaufmodell. Was zählt, ist das Kosten-Nutzen-Verhältnis einer Bildungseinrichtung. Dieses Verhältnis zu ermessen, ist Aufgabe der Politik.

So ist die für Ende des Jahres angekündigte Entscheidung, ob an der Uni Luxemburg eine „Medical School“ entstehen soll, vor allem ein bildungspolitischer Entschluss mit weitreichenden sozialen und wirtschaftlichen Konsequenzen.

Die blau-rot-grüne Regierung ist gut beraten, ergebnisoffen an diese schon im Koalitionsabkommen angedachte Schaffung einer Luxemburger Ärzteschmiede heranzugehen. Zwei nun vorliegende Studien sollen bei der Entscheidungsfindung helfen. Wie es Expertenmeinungen so an sich haben, kommen die beiden Studien zu recht unterschiedlichen Ergebnissen. Allein dies zeigt, wie komplex das Vorhaben ist. Die von der Uni selbst und der schweizerischen Agentur AAQ durchgeführte Machbarkeitsstudie kommt zu der enthusiastischen Schlussfolgerung, dass das Konzept einer „Luxembourg Medical School“ „innovativ und machbar“ sei. Der Kostenpunkt würde dieser Untersuchung zufolge bei etwa 35 Millionen Euro pro Jahr ab 2026 liegen.

Eine „Medical School“ wäre so etwas wie das Sahnehäubchen auf der immer wichtiger werdenden naturwissenschaftlichen Ausrichtung der Uni – gut möglich, dass der Wunsch nach diesem Prestigeobjekt die Ergebnisse der Studie etwas rosig färbte. Dieser Eindruck ergibt sich aus der anderen, weit vorsichtigeren Untersuchung, die das Beratungsunternehmen Deloitte durchgeführt hat, wobei der sozio-ökonomische Impakt im Vordergrund stand. Genau dieser Impakt lasse sich aber nicht voraussehen, stellen die Deloitte-Experten fest, die zudem den jährlichen Finanzbedarf mit 65 Millionen Euro fast doppelt so hoch einschätzen wie ihre Schweizer Kollegen. Eine auf 50 Studenten ausgelegte „Medical School“ würde somit pro Jahr eine Summe verschlingen, die halb so groß ist wie die der ganzen restlichen Uni und ihrer über 6000 Studierenden. Das wäre ein Missverhältnis, das der ganzen Universität schaden würde, sollte der Gürtel eines Tages noch enger als heute geschnallt werden.

Das gewichtigste Argument für eine nationale Ärzteschule – die immer strenger werdenden Zulassungsbeschränkungen im Ausland – zählt nicht mehr, da Quoten gegen die Regeln der EU verstoßen. Bald können weder im Ausland, noch in Luxemburg, Anwärter auf einen Studienplatz aufgrund ihrer Nationalität bevorzugt werden. Dies öffnet Perspektiven für eine weitere Piste – die der Kooperation und der Synergien mit den Universitäten in der Großregion.


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