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Tiers payant für alle Patienten: Ärzte widersetzen sich seit Jahren
Politik 2 Min. 04.01.2018 Aus unserem online-Archiv

Tiers payant für alle Patienten: Ärzte widersetzen sich seit Jahren

Für Laboruntersuchungen, in der Apotheke und beim Krankengymnasten greift bereits der "Tiers payant" für alle Patienten. Für Besuche beim Allgemeinmediziner oder beim Facharzt allerdings nicht.

Tiers payant für alle Patienten: Ärzte widersetzen sich seit Jahren

Für Laboruntersuchungen, in der Apotheke und beim Krankengymnasten greift bereits der "Tiers payant" für alle Patienten. Für Besuche beim Allgemeinmediziner oder beim Facharzt allerdings nicht.
Foto: Shutterstock
Politik 2 Min. 04.01.2018 Aus unserem online-Archiv

Tiers payant für alle Patienten: Ärzte widersetzen sich seit Jahren

Bérengère BEFFORT
Bérengère BEFFORT
6.700 Bürger haben mittlerweile eine Petition für eine direkte Kostenübernahme bei Arztbesuchen unterzeichnet. Was die Patienten nun erreichen wollen, wird schon seit Jahren in der Gesundheitskasse diskutiert.

(BB) - Mehr als 6 700 Bürger fordern in einer Petition eine direkte Kostenübernahme der CNS bei Arztbesuchen. Dass der sogenannte „Tiers payant“ bei den Haus- und Zahnärzten verallgemeinert wird, stößt in der breiten Öffentlichkeit auf reges Interesse. Doch eigentlich ist das Thema nicht neu: Was die Versicherten nun politisch mit einer Anhörung im Parlament erreichen wollen, steht seit Jahren bei den Gesundheitsdienstleistern und der Krankenkasse zur Diskussion. Immer wieder hätten Ärzte mögliche Änderungen abgelehnt, heißt es.

„Ein breit angelegter Tiers payant sorgte bereits für Meinungsunterschiede mit der Ärzteschaft im Jahr 2010, und das anlässlich der Gesundheitsreform“, erinnert sich CNS-Präsident Paul Schmit. So kam es lediglich zu einer sozialen Variante für einkommensschwache Personen. Im Sande verliefen denn auch weitere Gespräche in den Jahren 2013 und 2014.

Wiederkehrende Einwände

Bislang schaffte ein allgemein gültiges Prinzip es also nicht bis zur gesetzlichen Verankerung. In den jeweiligen Verhandlungen wurde Paul Schmit mit vielen Einwänden konfrontiert: Die Mediziner befürchten einen hohen administrativen Aufwand; sie sorgen sich um ihre Behandlungsfreiheit; oder sie beschweren sich, dass zu viel Zeit zu verstreichen drohe, wenn die Honorare von der CNS und nicht sofort vom Patienten bezahlt werden.

Weiter sei auch die Frage aufgeworfen worden, welchen Stellenwert die medizinische Leistungen noch hätten, wenn sie für die Patienten „völlig kostenlos“ sind. So riskiere das Bewusstsein für die Ärztearbeit zu schwinden.

Viele Bedenken also, denen der CNS-Präsident sachliche Argumente entgegenhält. Mehr Bürokratie sei mit Informatikprogrammen in den Arztpraxen zu lösen. Die Gesundheitskasse verfüge ihrerseits über mehr Personalressourcen, um die Arztrechnungen schneller zu begleichen. In letzter Zeit erfolge die Kostenübernahme „in maximal zwei bis drei Wochen“, so Schmit. Bedenken über die therapeutische Freiheit der Ärzte und die allgemeine Anerkennung der Arbeit könnten dann im gemeinsamen Gespräch ausgeräumt werden.

"Wir können Lösungen finden"

„Ich denke, dass wir gemeinsame Lösungen finden können. Das setzt allerdings voraus, dass sich die Ärzte auf eine Diskussion einlassen und das Thema nicht dogmatisch angegangen wird“, meint Paul Schmit.

Die CNS kann den Ärzten nichts auferlegen. Sollte es zu einem allgemein gültigen Tiers payant kommen, muss dieser entweder in einer Konvention ausgehandelt oder per Gesetz von politischen Vertretern beschlossen werden. „Vielleicht könnten wir schrittweise vorgehen, und den Tiers payant für besonders höhere Rechnungen sowie im Spitalwesen greifen lassen“, schlägt Paul Schmit vor.

Dass sich die Ärzte darauf einlassen, wird jedenfalls kein leichtes Unterfangen sein.


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cc