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Syprolux: Nein zum Gratis-Transport
Politik 2 Min. 25.11.2018 Aus unserem online-Archiv

Syprolux: Nein zum Gratis-Transport

Der kostenlose öffentliche Transport könnte zum Personalabbau auch von Zugbegleitern führen, befürchtet die Eisenbahnergewerkschaft.

Syprolux: Nein zum Gratis-Transport

Der kostenlose öffentliche Transport könnte zum Personalabbau auch von Zugbegleitern führen, befürchtet die Eisenbahnergewerkschaft.
Foto: Chris Karaba
Politik 2 Min. 25.11.2018 Aus unserem online-Archiv

Syprolux: Nein zum Gratis-Transport

Annette WELSCH
Annette WELSCH
Mit 64 Kandidaten geht die Syprolux mit dem Slogan "E Schrëtt an d'Zukunft" in die Sozialwahlen. Bei ihrem Kongress stellte die Eisenbahnergewerkschaft am Wochenende Kandidaten und Programm vor.

"Packt Euren Gratis-Transport ein - wir wollen ihn nicht!" Mit dieser klaren Botschaft richtet sich die Eisenbahnergewerkschaft FCPT/Syprolux an die Politik, die derzeit noch in Klausur sitzt und das Koalitionsprogramm aushandelt. "Der gratis öffentliche Transport klingt gut, ist aber ein vergiftetes Geschenk und Augenwischerei", sagte Syprolux-Präsidentin Mylène Bianchy am Freitagabend, als der Kongress eröffnet wurde. Das klinge, als würden der Bevölkerung 30 Millionen Euro pro Jahr geschenkt werden, schlussendlich müsse aber der Steuerzahler dafür aufkommen, stellte Bianchy klar.

Wir werden einen Stellenabbau nicht mitmachen.

Sie befürchtet, dass nach dem Motto "Was nichts kostet, ist auch nichts" die Wertschätzung sinken und der Vandalismus steigen wird. Die Zahlen würden das auch beweisen. "Wir haben derzeit noch einen guten und sicheren öffentlichen Transport, aber fünf bis acht Prozent der Kunden haben es fertiggebracht, dass der Vandalismus um 38,5 Prozent gestiegen ist. Sprecht doch erst mit den Leuten, deren Alltag es ist und die etwas davon verstehen", forderte sie von der Politik.

Syprolux-Präsidentin Milène Bianchy richtete deutliche Worte an die Politik.
Syprolux-Präsidentin Milène Bianchy richtete deutliche Worte an die Politik.
Foto: Pierre Matgé

Bianchy drückte aber auch die Sorge aus, dass es zu Personalabbau kommen könnte. Schlussendlich würden sich so auch für den Kunden der Bahn und der Busse negative Auswirkungen ergeben - Sicherheit und Qualität der Dienstleistung würden leiden. "Unserer Meinung nach werden Zugbegleiter und andere Sparten, wie Schalterpersonal und Kontrolleure unter Druck geraten, wenn keine Fahrkarten mehr nötig sind. Aber wir werden einen Stellenabbau nicht mitmachen."


Ausbau Bahnhof Luxemburg + Passerelle, Gare, CFL, Bus, Zug, Traffic, Verkehr, Mobilität, Foto: Lex Kleren/Luxemburger Wort
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Der Fokus liegt auf den Arbeitsbedingungen

Die Syprolux-Präsidentin stellte am Freitagabend zusammen mit FCPT-Präsident Paul Gries die Kandidaten und die Hauptforderungen vor, mit denen die Eisenbahnergewerkschaft FCPT/Syprolux in die Sozialwahlen im März 2019 ziehen wird. 64 Kandidaten mit einem Durchschnittsalter von 43 Jahren, darunter 62,5 Prozent neue Kandidaten und elf Prozent Frauen, sind aufgestellt. "E Schrëtt an d'Zukunft" lautet der Wahlslogan. Der Kongress am Samstag hielt dann in einer Resolution die Forderungen fest, mit denen man bei den Wahlen zur Personalvertretung und für die Arbeitnehmerkammer punkten möchte.

Der Fokus der Forderungen liegt auf den Arbeitsbedingungen, die vor allem durch die Schichtpläne geprägt sind. "Nicht ohne uns: Hört auf uns als Personalvertreter, denn wir arbeiten jeden Tag im Betrieb und kennen ihn", sagte Bianchy in Richtung Direktion. Im Einzelnen beinhaltet die Resolution folgende Punkte:

  • In puncto Wohlbefinden des Personals fordert FCPT/Syprolux eine eigene Kantine sowie eine Kindertagesstätte, die rund um die Uhr 24/24 Stunden und sieben Tage die Woche geöffnet ist, da viele Bedienstete zu zweit und oft in Schichten arbeiten.
  • Damit Wohlbefinden und Gesundheit erhalten bleiben, sollen die Personalvertreter ständig eingebunden sein, wenn die Arbeitszeiten und die Schicht-und Dienstpläne ausgearbeitet beziehungsweise abgeändert werden. Die Schichtdauer bei Bereitschaftsdiensten müsse dringend definiert werden.  
  • Den EisenbahnerInnen sollen optimale Laufbahnentwicklungen und Perspektiven auch zur weiteren Berufsorientierung ermöglicht werden. Vor allem soll bei der Umsetzung der Reform im öffentlichen Dienst darauf geachtet werden, dass die alten Karrieren nicht zu kurz kommen.
  • Verschiedene Dienstzweige leiden an chronischem Personalmangel, teils weil die Nachfolge nicht rechtzeitig bedacht wird und es müsste bei der Postenbesetzung mehr Transparenz herrschen.
  • Es braucht eine tiefe Analyse der Aus- und Weiterbildung bei der CFL. Profile müssten definiert werden, die in Zukunft gebraucht werden und dann entsprechend ausgebildet werden. Die Neugründung einer  "Léierbuud" würde Abhilfe schaffen.
  •  FCPT/Syprolux spricht sich mit aller Deutlichkeit gegen den gratis öffentlichen Transport aus - Qualität und Sicherheit geht nur mit motiviertem und gut ausgebildetem Personal, das eben seinen Preis hat.

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