Syfel-Vizepräsident Marc Linden

"Was Minister Kersch behauptet, ist eine Frechheit"

Der Vizepräsident des SYFEL wehrt sich gegen das geplante Gesetz von Innenminister Dan Kersch.
Der Vizepräsident des SYFEL wehrt sich gegen das geplante Gesetz von Innenminister Dan Kersch.
Archivfoto: Serge Waldbillig

(mz) - Der Dachverband der Kirchenfabriken (SYFEL) ist alles andere als begeistert über den Gesetzesentwurf von Innenminister Dan Kersch.

Der Text sei eine "Sauerei", so SYFEL-Vizepräsident Marc Linden im RTL-Interview. Die Kirchenfabriken würden versuchen, gegen das Fonds-Gesetz vorzugehen, so Linden im Radiointerview. In einer internen Umfrage hätten sich bereits 2/3 gegen Abschaffung der Kirchenfabriken ausgesprochen. Und auch juristisch würde der SYFEL versuchen, gegen das Gesetz vorzugehen.

Dem Luxemburger Wort gegenüber präzisiert Linden: "Die Umfrage, die wir gestartet haben, wurde Kirchenfabriksintern durchgeführt, eine richtige Petition würde ich jetzt aber auch nicht mehr ausschließen. Und auch die juristischen Schritte werden momentan geplant. Die wollen wir auf jeden Fall durchziehen."

Was fehlt, ist ein Dialog

Tritt das Gesetz in Kraft, dürfen Kommunen sich nicht mehr an der Finanzierung von Kirchen beteiligen und die Vermögenswerte der 285 Kirchenfabriken gehen in einen gemeinsamen Fonds über. Der SYFEL fühlt sich von diesen Entscheidungen überrumpelt. Die Kirchenfabriken würden vor vollendete Tatsachen gestellt werden, einen Dialog mit dem Minister hätte es nie gegeben - dabei hätte der SYFEL das Gespräch mit ihm gesucht: "Wir haben zwei Mal versucht, uns mit Herrn Kersch zusammenzusetzen. Das erste Mal hat er gar nicht auf unsere Anfrage reagiert und das zweite Mal kam nur eine schriftliche Absage", sagt Linden. "Der Minister würde nur mit dem Bischof und nicht mit dem SYFEL verhandeln", habe Kersch mitteilen lassen.

"Dass der Minister jetzt behauptet, Leute, die sich in der Vergangenheit nie geäußert hätten, würden sich jetzt plötzlich zu Wort melden, ist einfach eine Frechheit", so Linden weiter.  Der SYFEL hätte schon lange das Gespräch gesucht.

Das Bistum habe bereits 2012 eine Arbeitsgruppe gegründet, die sich mit der Modernisierung der Kirchenfabriken beschäftigte. Die Vorschläge dieser Arbeitsgruppe seien aber einfach in den Tiefen einer Schublade verschwunden und nie wieder aufgetaucht. Was mit den Vorschlägen passiert ist oder warum sie verschwunden sind, kann der SYFEL-Vizepräsident nicht sagen.

So oder so sei das neue Kirchengesetz schlichtweg verfassungswidrig. "Es geht gegen die Autonomie der einzelnen Gemeinden. Wenn eine Gemeinde eine Kirche, die auf ihrem Territorium steht, subventionieren will, dann ist das auch ihr gutes Recht."

Kirche ist mehr als Religion

Linden kann nicht nur die Verhandlungs-, sondern auch die Sichtweise von Innenminister Kersch nicht nachvollziehen. "Die Kirchen sollen dahin kommen, wo sie hingehören, nämlich zur Kirche", hatte Kersch am Freitag gesagt. Eine Kirche würde aber mehr darstellen als Glaube, so Linden: "Kirchen stehen auf lokalem Plan auch für Kultur, Geschichte und Tradition."

Kersch versuche, die Kirche in die Ecke zu drängen. "Der Minister vergisst dabei , dass die Kirche bis jetzt zusammen mit den Gemeinden nicht nur für eine Handvoll Katholiken gearbeitet hat. Wenn der lokale Musikverein ein Konzert in der Kirche spielt, ist dieses Konzert nicht nur für eine Gruppe Katholiken, sondern für die Allgemeinheit", so Linden.

Er findet die Sichtweise des Ministers in der Hinsicht "fürchterlich beschränkt". Was sich Linden in dieser Debatte wünschen würde? "Vor allem mehr Zeit." So könnten Bistum, Kirchenfabrik und die Gemeinden gemeinsam nach Lösungen suchen. Ob er die Zeit bekommt, ist allerdings fraglich - Kersch will sein Gesetz nämlich bis zum 1. Januar 2017 durchsetzen.