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Suizidprävention bleibt ausbaufähig
Politik 2 Min. 02.02.2021

Suizidprävention bleibt ausbaufähig

Vor allem Jugendliche hegen oft Suizidgedanken und wissen nicht, an wen sie sich wenden sollen, um Hilfe zu erhalten.

Suizidprävention bleibt ausbaufähig

Vor allem Jugendliche hegen oft Suizidgedanken und wissen nicht, an wen sie sich wenden sollen, um Hilfe zu erhalten.
Foto: Pierre Matgé/LW-Archiv
Politik 2 Min. 02.02.2021

Suizidprävention bleibt ausbaufähig

Marc HOSCHEID
Marc HOSCHEID
Eine Analyse des ersten nationalen Suizidpräventionsplans ergibt Nachholbedarf in den Bereichen Koordinierung und Diagnostik. Es gibt aber auch positive Entwicklungen.

Die Zahlen entwickeln sich in die richtige Richtung, das belegt die Evaluierung des ersten nationalen Suizidpräventionsplans. Haben sich im Jahr 2014 noch 85 Menschen das Leben genommen, waren es 2018 noch 58, was in etwa zehn Personen pro 100.000 Einwohnern entspricht. Trotzdem besteht in den Bereichen Koordinierung und Diagnostik noch einiges an Nachholbedarf, wie aus der Analyse von Véronique Louazel, Mitarbeiterin des Analyseunternehmens „Itinere Conseil“ hervorgeht, die am Dienstag präsentiert wurde. 

Der nationale Suizidpräventionsplan deckt den Zeitraum zwischen 2015 und 2019 ab. Die Daten lagen bereits im März 2020 vor, ihre Analyse geriet jedoch wegen der Corona-Pandemie in Verzug. Die 33 im Plan definierten Maßnahmen wurden entlang von fünf Achsen und vier spezifischen Fokusthemen analysiert wurden. Bei den prioritär beleuchteten Themenfeldern handelte es sich um „die Jungen“, „die Alten“, „Gesundheit am Arbeitsplatz sowie „mentale Gesundheit“. 

Fast jeder siebte Jugendliche mit Selbstmordgedanken 

Von den 33 avisierten Maßnahmen wurden 19 begonnen oder beendet. Bei den Aktivitäten, die noch nicht in Angriff genommen wurden, liegt dies in erster Linie am herrschenden Personalmangel. Ein weiterer Grund ist die Tatsache, dass manche Maßnahmen von Dienststellen umgesetzt werden sollten, die überhaupt nicht über die dafür nötigen budgetären Mittel verfügten. Laut der „Health Behaviour in School-aged Children (HBSC)-Studie“ aus dem Jahr 2014 haben damals 7,7 Prozent der Zwölf- bis 18-Jährigen angegeben, bereits einen Selbstmordversuch begangen zu haben. 

Ein Hauptkritikpunkt von Louazel ist, dass es an einer übergeordneten Strategie beim Kampf gegen Suizid fehle. Deswegen wird die Schaffung eines interministeriellen Komitees angeregt. Auch bei der Ersthilfe bestehe noch Luft nach oben. Es sei noch immer so, dass die meisten Personen zuerst Hilfe bei Allgemeinmedizinern suchten, weswegen diese, genau wie beispielsweise Krankenpfleger oder Mitarbeiter mobiler Pflegedienste, stärker im Bereich Früherkennung sensibilisiert werden müssten. Hier gehe zu viel Zeit verloren. 

Firmen und Schulen mit höchstem Risiko

Louazel fordert eine Enttabuisierung der Themen Depression und Suizid, vor allem durch breit angelegte Sensibilisierungskampagnen. Darüber hinaus sollen Arbeitnehmer und Jugendliche aber auch ältere Personen angesprochen werden. Bei Unternehmen und Schulen handele es sich um die Umgebungen mit dem höchsten Risiko für die mentale Gesundheit. 

Es gibt aber auch positive Entwicklungen. So wird hervorgehoben, dass es Fortschritte bei der Erfassung medizinischer Daten gebe. Außerdem leiste das Informations- und Präventionszentrum wertvolle Arbeit bei der Beratung nicht auf mentale Krankheiten spezialisierter Akteure. 

Medizinische Datenerfassung als „Arbeitsbasis“ 

Auch Gesundheitsministerin Paulette Lenert (LSAP) nahm an der Pressekonferenz teil. Die Resultate der Evaluierung bezeichnete sie als „gute Basis, um die mentale Gesundheit zu positionieren“. Dies mit Blick auf den angestrebten nationalen Gesundheitsplan, der einem integrierenden Ansatz folgen und alle Medizinbereiche gleichermaßen gewichten soll. 


Radicalisation chez les jeunes - Photo : Pierre Matgé
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 Lenert unterstrich die Bedeutung der Datenerfassung, bei der es sich um die „Arbeitsbasis“ einer zielgerichteten Politik handele. „Der Fokus muss auch auf die Prävention und Früherkennung bei den Älteren gelegt werden“, definierte sie eine der Prioritäten der kommenden Jahre.

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