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Studie vor Wahl: Europäer gespalten bei Haltung zur EU
Politik 2 Min. 03.04.2019

Studie vor Wahl: Europäer gespalten bei Haltung zur EU

Laut der Bertelsmann-Studie sei die "EU-Bevölkerung tief gespalten, weil die Menschen den Zustand der Gesellschaft und ihre eigene Position darin völlig unterschiedlich wahrnehmen."

Studie vor Wahl: Europäer gespalten bei Haltung zur EU

Laut der Bertelsmann-Studie sei die "EU-Bevölkerung tief gespalten, weil die Menschen den Zustand der Gesellschaft und ihre eigene Position darin völlig unterschiedlich wahrnehmen."
Foto: Rebecca Brown/PA Wire/dpa
Politik 2 Min. 03.04.2019

Studie vor Wahl: Europäer gespalten bei Haltung zur EU

Wie stehen die Bürger vor der Europawahl im Mai zur EU? Und was ist ihnen wichtig? Eine Umfrage unter 11.700 Europäern sieht eine Kluft.

(dpa/SC) - Rund sieben Wochen vor der Europawahl stehen sich die europäischen Bürger einer Studie zufolge bei ihrer Haltung zur EU in zwei Lagern gegenüber. In Europa gebe es eine Kluft zwischen denjenigen, die den Zustand der Gesellschaft und ihre eigene ökonomische Lage zuversichtlich sehen und denen, die diese mit Sorge betrachten, heißt es in einer repräsentativen Befragung der Bertelsmann Stiftung. 

Unsere Daten zeigen, dass die EU-Bevölkerung tief gespalten ist, weil die Menschen den Zustand der Gesellschaft und ihre eigene Position darin völlig unterschiedlich wahrnehmen.  

Diese unterschiedlichen Einstellungen könnten direkte Auswirkungen auf die Wahl des Europa-Parlaments im Mai haben, wie die Autoren der „Eupinions“-Untersuchung schreiben.


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Denn die Zuversichtlichen und Verunsicherten hätten auch deutlich verschiedene Meinungen über die EU-Politik und zudem unterschiedliche parteipolitische Präferenzen. Konkret bedeute das: Verunsicherte Bürger äußerten tendenziell häufiger Sympathien für rechtspopulistische oder rechtsextreme Parteien wie Rassemblement National in Frankreich, AfD in Deutschland oder Lega in Italien. Sie seien eher unzufrieden mit den Weichenstellungen auf EU-Ebene, kritisierten die EU-Arbeitsweise und meinten, dass Brüssel und Straßburg Bürgeranliegen vernachlässigten.

Die zuversichtlich Eingestellten neigen dagegen laut Umfrage unter gut 11.700 Bürgern eher zu Parteien der Mitte und zu pro-europäischen Parteien. Sie stellen der EU ein positiveres Zeugnis aus und sind über die Europapolitik auch besser informiert.

Die Deutschen heben sich dabei an einigen Punkten ab: So machen sich EU-weit 51 Prozent Sorgen um den Zustand der Gesellschaft, 35 Prozent um die eigene wirtschaftliche Situation. In Deutschland sind das „nur“ 38 Prozent mit Blick auf die Gesellschaft und 27 Prozent hinsichtlich der eigenen Wirtschaftslage.  Unter den großen EU-Ländern gehörten die Deutschen also zu den Optimisten, die „noch relativ unbeeindruckt von Krisenausläufern der Globalisierung oder populistischen Strömungen“ seien, betonte Mitautorin Isabell Hoffmann.

Luxemburgs anderes Nachbarland, Frankreich, liegt in der Frage nach den Sorgen um die Gesellschaft genau auf dem EU-Schnitt (51%), um die wirtschaftliche Situation sorgen sich die Franzosen allerdings viel stärker: Rund 62 Prozent sind besorgt um die Wirtschaft, im Vergleich zu nur 35 Prozent im EU-Schnitt. 

Etwa zwei Drittel der EU-Bürger wollen an den Wahlen im Mai teilnehmen.
Etwa zwei Drittel der EU-Bürger wollen an den Wahlen im Mai teilnehmen.
Foto: Guy Jallay

Was erwarten sich EU-Bürger von der Politik? Im EU-Schnitt stehen "Bürgerrechte schützen" (17%), "Terrorismus bekämpfen" (16%) und "Klimawandel aufhalten" (15%) klar an der Spitze der wichtigsten Aufgaben, um die sich die Europäische Union in den nächsten Jahren kümmern sollte.


Members of the European Parliament take part in a voting session during a plenary session at the European Parliament on March 26, 2019 in Strasbourg, eastern France. - The European Parliament on Tuesday adopted controversial copyright reforms championed by news publishers and the music business, delivering a blow to the tech giants that lobbied furiously against it. (Photo by FREDERICK FLORIN / AFP)
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In der Länderunterteilung zeigt sich, dass Deutschland einen stärkeren Wert auf Umweltbelange legt:  Jeder Fünfte (21 Prozent) in Deutschland den Einsatz gegen den Klimawandel als wichtigste Herausforderung für die EU. In Deutschland wüssten die Bürger außerdem vergleichsweise gut Bescheid über die Spitzenkandidaten sowie die Arbeit und Funktionsweisen der EU, schilderte Hoffmann. In Frankreich nimmt allerdings der Kampf gegen die Ungleichheit mit 14 Prozent den wichtigesten Stellenwert, direkt hinter "Terrorismus bekämpfen" (18%).

Für die Studie waren im Dezember 2018 rund 11.700 EU-Bürger befragt worden. Auch für die größten Mitgliedstaaten Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien, Polen und die Niederlande ist die Umfrage den Angaben zufolge repräsentativ. Eine Gemeinsamkeit verbinde die Lager aber doch: In beiden wollen etwa zwei Drittel der Bürger im Mai ihre Stimme abgeben.


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