Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Studie: Individualismus und Konsumdenken nehmen zu
Politik 3 Min. 24.01.2020

Studie: Individualismus und Konsumdenken nehmen zu

Die Uni Luxemburg hat festgestellt, dass sich das Wahlverhalten der Wähler in Luxemburg bei den Landeswahlen 2018 und den Europawahlen 2019 im Vergleich zu 2013 und 2014 stark verändert hat.

Studie: Individualismus und Konsumdenken nehmen zu

Die Uni Luxemburg hat festgestellt, dass sich das Wahlverhalten der Wähler in Luxemburg bei den Landeswahlen 2018 und den Europawahlen 2019 im Vergleich zu 2013 und 2014 stark verändert hat.
Foto: Guy Wolff
Politik 3 Min. 24.01.2020

Studie: Individualismus und Konsumdenken nehmen zu

Michèle GANTENBEIN
Michèle GANTENBEIN
Die Uni Luxemburg hat in mehreren Studien unter anderem das Wahlverhalten der Wähler in Luxemburg und ihre Einstellung zu verschiedenen gesellschaftlichen Themen untersucht. Die Ergebnisse wurden am Freitag im Kammerbüro vorgestellt.

Das Wahlverhalten bei den Landeswahlen 2018 und den Europawahlen 2019 hat sich im Vergleich zu den Wahlen 2013 und 2014 stark verändert. Zu diesem Schluss kommen die Forscher der Universität Luxemburg rund um Politikwissenschaftler Philippe Poirier in einer Studie, die am Freitag im Kammerbüro vorgestellt wurde. 

Die Wähler zeigten bei den Europawahlen 2019 ein ähnliches Verhalten wie bei den Landeswahlen. DP-, LSAP- und Grünen-Wähler haben systematisch DP, LSAP und Grüne gewählt. „Sie sind der Koalition treu geblieben“, so Poirier am Freitag auf LW-Nachfrage. 2013 und 2014 war das noch anders. “2014 haben viele DP-Wähler die CSV gewählt.“ 


14.10. Wahlen 2018 / Chamberwahlen / Wahlen Abgeordnetenkammer 2018 / Walen / Elections legislatives / Gemeinde Dippach/ Allgemeines Wahlgeschäft  Foto:Guy Jallay
Wählerstudie: Trümpfe, die stechen
Laut einer Studie der Uni Luxemburg ist den Wählern die politische Grundausrichtung der Parteien wichtiger als Wahlprogramme und Wahlslogans.

Die CSV-Kandidaten wurden 2019 hauptsächlich von CSV-Wählern gewählt und bekamen kaum Stimmen von anderen Wählern. Neu war auch, dass die Christlich-Sozialen 2019 erstmals seit 1974 in allen Gemeinden Verluste hinnehmen mussten. 

Der große Wahlgewinner 2019 war die DP mit einem Plus von 6,67 Prozent. Die Analyse der untersuchten Wahlzettel hat gezeigt, dass die DP ihren Sieg Charel Goerens zu verdanken hat. „Alle Wählergruppen haben Goerens systematisch eine Stimme gegeben“, erklärte Poirier. 

In Zusammenarbeit mit TNS Ilres hat die Uni nach den Europawahlen 2019 eine zweite Umfrage unter anderem über die europäischen Werte und das Wahlverhalten in Luxemburg durchgeführt. Die Umfrage hat ergeben, dass 44 Prozent der Wähler ihre Wahlentscheidung erst in der letzten Woche vor den Wahlen getroffen haben

Bei den Landeswahlen 2018 waren es 40 Prozent. 2013 lag der Prozentsatz bei 32 und 2019 bei 35 Prozent. Die Unentschiedenheit nimmt also zu, was bedeutet, dass Umfragen – selbst kurz vor den Wahlen – kaum noch verlässliche Aussagen über den Wahlausgang hergeben. 

Aus der Umfrage geht auch hervor, dass die Luxemburger und die anderen EU-Wähler in Luxemburg ein quasi identisches Wahlverhalten an den Tag gelegt haben. Sie haben in ähnlicher Proportion die Parteienfamilien gewählt, die auch die Luxemburger gewählt haben. Für Poirier ein Zeichen, dass die hier lebenden EU-Bürger ähnliche Ansichten teilen, „zumindest was die europäische Politik betrifft, und dass sie nicht unbedingt der politischen Kultur ihres Herkunftslandes verhaftet sind“. 

Die Menschen sind auf sich bezogen und ihren inneren Kreis und werden immer gleichgültiger gegenüber allen Formen von kollektiven Organismen.

Philippe Poirier

In den meisten europäischen Ländern ist die größte europäische Sorge auch die größte nationale Sorge. In Luxemburg ist das anders. Hier hält man die Zuwanderung für die größte europäische Herausforderung, während die Wohnungsproblematik als die größte nationale Herausforderung angesehen wird

Die Wähler sprechen sich alle für mehr europäische Integration in fast allen Politikbereichen aus – mit einer Ausnahme: Aus der Steuerpolitik der Länder soll die EU sich heraushalten, finden alle Befragten, unabhängig von der Wählergruppe und der Nationalität.

Individualismus und Konsum 

Eine dritte Studie zeigt, dass Individualismus und Konsumismus unabhängig vom sozialen und beruflichen Status zunehmen. „Die Menschen sind auf sich bezogen und ihren inneren Kreis und werden immer gleichgültiger gegenüber allen Formen von kollektiven Organismen“, sagt Poirier. 

Die zunehmende Individualisierung der Gesellschaft führt zu einem ökologischen Konservatismus, der nicht unbedingt sozial ist.

Philippe Poirier

Eine andere Feststellung: Obwohl sie sehr gleichgültig sind, haben die Menschen ein großes Vertrauen in die Institutionen und die Demokratie im Land. Allerdings sorgen sie sich um die Demokratie in anderen EU-Ländern wie Italien oder Frankreich und sind - trotz ihrem Wunsch nach mehr europäischer Integration - pessimistisch, was die Zukunft der EU betrifft.  

Obwohl Wirtschaftswachstum und Konsum den Menschen wichtig sind, pflegen sie einen konservativ-ökologischen Ansatz. Das ökologische Bewusstsein ist demnach vorhanden, allerdings beziehen die Menschen es vor allem auf ihr eigenes Leben und Wohlbefinden. „Die zunehmende Individualisierung der Gesellschaft führt zu einem ökologischen Konservatismus, der nicht unbedingt sozial ist“, so Poirier.


Lesen Sie mehr zu diesem Thema

Regierung im Aufwind
Die Regierung geht gestärkt aus den Europawahlen hervor: DP, LSAP und Grüne knacken zum ersten Mal zusammen die 50-Prozent-Marke. Eine Analyse.
Die DP gewinnt bei den Europawahlen mehr als sechs Prozent hinzu und trägt so maßgeblich zur Stärkung der Dreierkoalition bei.
Dagegen stimmen heißt Desintegration
Die Breitseite der Leserbriefe vom 11. April gegen das Ausländerwahlrecht kommt für mich nicht überraschend. Opposition und vor allem Regierung haben es bisher nicht geschafft, annähernd konkrete Zahlen über das potenzielle wahlberechtigte Ausländervolumen unter den bekannten Einschränkungen mitzuteilen.
Lust auf noch mehr Wort?
Lust auf noch mehr Wort?
7 Tage gratis testen
E-Mail-Adresse eingeben und alle Inhalte auf wort.lu lesen.
Fast fertig...
Um die Anmeldung abzuschließen, klicken Sie bitte auf den Link in der E-Mail, die wir Ihnen gerade gesendet haben.