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Stellungnahme der katholischen Kirche zur Reform des Ehegesetzes: Für das größere Wohl des Kindes
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Stellungnahme der katholischen Kirche zur Reform des Ehegesetzes: Für das größere Wohl des Kindes

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Politik 7 Min. 14.06.2014

Stellungnahme der katholischen Kirche zur Reform des Ehegesetzes: Für das größere Wohl des Kindes

Am Mittwoch kommt im Parlament die Reform des Eherechts zur Abstimmung. Die größte Neuerung betrifft die so genannte Homo-Ehe und damit einhergehend die Möglichkeit der Volladoption für gleichgeschlechtliche Paare.  Am Freitag hat die katholische Kirche eine Stellungnahme veröffentlicht.

Stellungnahme

Die anstehende Reform des Ehegesetzes sieht vor, dass gleichgeschlechtliche Paare mit allen Rechten und Pflichten heiraten können und dass ihnen auch alle Adoptionsrechte zuerkannt werden. Die Kirche in Luxemburg ist eine konstituierte Gemeinschaft gläubiger Christen, von denen viele die Luxemburger Staatsangehörigkeit besitzen und alle Mitglieder der Luxemburger Gesellschaft sind. Deshalb möchte sie ihre Stellung in den sozialen und politischen Diskussionsprozess mit einbringen.

Während des Rückflugs von Rio de Janeiro nach Rom im Anschluss an den Weltjugendtag 2013 wurde Papst Franziskus eine Frage gestellt, die sich auf Homosexualität bezog. Der Papst antwortete: „Wenn einer Gay ist und den Herrn sucht und guten Willen hat – wer bin dann ich, ihn zu verurteilen? Der Katechismus der Katholischen Kirche erklärt das sehr schön, aber er sagt: Halt! Diese Menschen dürfen nicht an den Rand gedrängt werden, sie müssen in die Gesellschaft integriert werden." 1

Die Geschichte zeigt, dass die Kirche – wie die Gesellschaft – lernen musste, gleichgeschlechtlich veranlagte Menschen so, wie sie sind, anzunehmen; die bleibenden Diskussionen in Kirche und Gesellschaft zeigen, dass dieser Prozess weitergeht. In der „Vergebungsbitte der Kirche in Luxemburg im Rahmen des Jubiläums 2000“ anerkennt die Kirche die Spannung, die zwischen ihrer zu oft moralisierenden Verkündigung und der heutigen Einstellung der Menschen zur Sexualität besteht; sie bittet Gott und die Menschen die unter einer erdrückenden Verkündigung des Glaubens gelitten haben, um Vergebung. In Bezug auf Homosexuelle heißt es weiterhin: „Eine gesonderte Betrachtung auf dem Feld der Sexualmoral erfordert das Verhalten der Kirche und ihrer Vertreter gegenüber Menschen mit gleichgeschlechtlicher Orientierung: Ihnen gegenüber wollen sich Kirche und Christen heute verstärkt um eine differenzierte Einschätzung bemühen." 2

Die Anerkennung

Der Frage nach der Anerkennung und Stellung der homosexuellen Partnerschaften in der Gesellschaft und der damit verbundenen Rechte und Pflichten lässt sich jedoch nicht nur im Hinblick auf die Sorge um das Wohl des Einzelnen beantworten; in die Suche nach einer angemessenen Antwort muss sowohl das Gemeinwohl als auch die zentrale Frage, wie ein Mensch sich in der Generationenfolge situiert, beachtet werden.

Es ist Aufgabe des Staates, verschiedenen sozialen Entwicklungen in der Gesetzgebung Rechnung zu tragen und sie so zu regeln, dass sowohl die Rechte der betroffenen Personen als auch das Gemeinwohl gewahrt sind. Eine besondere Rolle kommt im Leben der einzelnen Menschen, in der Gesellschaft, im Staat und daher auch in der Gesetzgebung der Ehe zu. In ihren unterschiedlichen geschichtlichen Ausprägungen, die aus der kulturellen Aneignung der Komplementarität der Geschlechter hervorgehen, begründet sie die Familie, die die Grundlage der Gesellschaft ist. Eine Familie ist nicht nur eine Beziehung von zwei Menschen oder ein Vertrag zwischen beiden, sondern sie ist insbesondere der Ort, an dem Kinder aufwachsen können, die auch die Zukunft eines Landes sind. Deshalb sprechen die Kulturgeschichte und die Kirche von der Ehe als einer Institution. Sie bildet den grundlegenden Kern gesellschaftlichen Zusammenlebens, um den sich andere Formen bilden können.

Es braucht nicht viele Untersuchungen, um zu sehen, dass das Zusammenleben und insbesondere das Familienleben sich in den letzten Jahrzehnten stark verändert haben, dass es zudem vielen Paaren nicht gelingt, sich dauerhaft zu binden, dass Kinder bei nur einem Elternteil aufwachsen usw. Es handelt sich um eine komplexe, durch das Zusammenspiel vieler, insbesondere auch wirtschaftlicher Faktoren verursachte Entwicklung, die zum Teil positive, aber auch zahlreiche negative Folgen für die Stellung der einzelnen Personen, die Erziehung der Kinder und die gesellschaftliche Kohäsion hat. Diese Entwicklung stellt eine große Herausforderung an die unterschiedlichen Träger des gesellschaftlichen Lebens dar.

Dieser größeren Herausforderung wird in den Diskussionen über das Ehegesetz oftmals nicht genug Rechnung getragen. Zu einseitig wird wohl gegen oder für die Gleichstellung argumentiert. Die Argumentation gegen die Gleichstellung wird als homophob kritisiert, ohne dass das gesellschaftliche Grundgefüge zur Genüge mitbedacht wird. Man möchte „im Sinn eines individuellen Rechtes, individuelle Fälle, die durchaus dramatisch sein können, über den Rechtsweg regeln, ohne dabei mögliche Auswirkungen, schwerwiegende Änderungen bezüglich der Rolle der Eltern und der zwischenmenschlichen Beziehungen in der Gesellschaft in Betracht zu ziehen“. So heißt es in der Stellungnahme der Commission diocésaine pour la Pastorale Familiale zur Reform des Ehegesetzes.  3

Kraft und Sinn der Liebe

Trotz aller Schwierigkeiten glauben viele Menschen weiterhin an die Kraft und den Sinn der Liebe: Sie wollen füreinander Verantwortung übernehmen, sich dauerhaft aneinander binden und auch Kinder aufnehmen, Familie werden und bleiben. Sie und ihr Anliegen brauchen die Unterstützung und den Schutz des Staates. Die Ehe soll deshalb als dauerhafte, frei gewählte Lebensgemeinschaft von Mann und Frau, der auf das Wohl der Ehepartner und auf Nachkommenschaft ausgerichtet ist und das biokulturelle Grundgefüge gesellschaftlichen Lebens darstellt, ihre institutionelle Sonderstellung behalten. Ihr besonderer rechtlicher Stand und Schutz sollten unangetastet bleiben, unbeschadet dessen, dass der Staat auch gleichgeschlechtliche Paare, die dauerhaft füreinander liebende Verantwortung übernehmen wollen, unterstützen, eingliedern und schützen soll. Das ermöglicht die vor dem Standesbeamten geschlossene Lebenspartnerschaft (PACS).

Im Interesse des Kindes

Die Suche nach der Antwort auf die Frage, ob es einzelnen Homosexuellen oder homosexuellen Paaren gestattet sein soll, Kinder zu adoptieren, muss davon geleitet sein, das größere Wohl des Kindes zu schützen; es gibt in dem Sinn kein Recht auf Kinder. Dies hält die Commission diocésaine pour la pastorale familiale in ihrem bereits zitierten Dokument fest. 4

Die Kirche ist überzeugt, dass die Entwicklung der Kinder grundsätzlich mit geprägt sein soll von der Beziehung zu Vater und Mutter. Sie weiß, dass es viele Situationen gibt, in denen Kinder diese grundlegende Beziehung nicht erleben können; sie anerkennt auch, die echte Sorge homosexueller Menschen für das Wohl der Kinder und stellt ihre erzieherischen Fähigkeiten nicht in Frage. Indem sie all dies bedenkt, vertritt die Kirche die Ansicht, dass die Volladoption Ehepaaren vorbehalten sein sollte und dass der soziale Bezug des Kindes zu seinen biologischen Eltern, Vater und Mutter bestehen bleiben soll, wo dies immer nur möglich ist. Auf jeden Fall sind Adoptionsgesuche von Fall zu Fall im Sinne des größeren Wohles des Kindes zu entscheiden, und dies anhand konkreter Kriterien, die das gesamte Umfeld einschließen sollten.

Schließlich möchte die Kirche, die die Sorge aller gesellschaftlichen und politischen Akteure um das Gemeinwohl mitträgt, jedem Menschen respektvoll begegnen und ihm auf seinem Lebensweg den Glauben an den lebendigen Gott erschließen, der alle vorbehaltlos in seiner Liebe trägt.

Mitgeteilt vom erzbischöflichen Ordinariat

1. Pressekonferenz des Heiligen Vaters auf dem Rückflug aus Brasilien, 28. Juli 2013, http://w2.vatican.va/content/francesco/de/speeches/2013/july/documents/papa-francesco_20130728_gmg-conferenza-stampa.html.

2. Vergebungsbitte der Kirche in Luxemburg im Rahmen des Jubiläums 2000, Grundsatztext, 12.02.2000 / La Demande de Pardon de l’Église qui est au Luxembourg dans le cadre de l’année jubilaire 2000, Texte de base, 12.02.2000, in: Kirchlicher Anzeiger für die Erzdiözese Luxemburg 130 (2000), Lfg. 3, S. 47-53 (deutsche Fassung), S. 54-59 (französische Fassung) [Dok. Nr. 27].

3. Kinder in homosexuellen Ehen. Stellungnahme der Commission diocésaine pour la pastorale familiale, Nr. 2, http://www.cathol.lu/article2740.

4. Es kann auch auf den „Deuxième avis complémentaire séparé“ des Staatsrates (http://www.conseil-etat.public.lu/fr/avis/2014/05/48_972A/index.html) hingewiesen werden, der betont, dass die Fragen der Organisation und des Fortbestandes der Gesellschaft, die die Reform des Ehegesetzes aufwirft, fundamentalen Charakter haben. Diese Stellungnahme lehnt auch das Recht auf Kinder ab und stellt eine weitaus differenziertere Sicht der Adoption dar, als es die anstehende Reform des Ehegesetzes tut.