Stehende Ovationen für Bettel und Macron
Es war der Höhepunkt der europäischen Bürgerkonsultationen dieses Jahres in Luxemburg. Der französische Präsident Emmanuel Macron kam nach Luxemburg, um mit Premierminister Xavier Bettel und Publikum in der Philharmonie über Europa zu diskutieren. Dort wo normalerweise Sinfonien ertönen, stellten sich die beiden hochrangigen Politiker den Fragen des Auditoriums. Wie bei allen Bürger-Politiker-Begegnungen, die das Label Bürgerkonsultation, „consultation citoyenne“, tragen, ging es um europapolitische Fragen.
Der Andrang war groß: 1 500 Menschen saßen im Publikum, 100 Schüler auf der Bühne und zusätzlich fanden noch 300 im Saal für Kammermusik Platz. Die Eintrittskarten für die Veranstaltung waren nach kürzester Zeit vergriffen. Und auch vor der Philharmonie gab es eine Menschenansammlung. Rund 150 Umweltaktivisten protestierten gegen die Nuklearpolitik des französischen Präsidenten.
Doch während draußen Aktivisten standen, war im Konzertsaal die Stimmung eine andere. Die Gäste - in feiner Abendgarderobe - begrüßten die beiden Politiker mit stehenden Ovationen. Mit einem selbstbewussten „Moien“ wandte sich Macron der euphorischen Menge zu. Doch die ersten Worte sprach der Staatsminister Xavier Bettel, der daran erinnerte, was die Europäische Union erreicht hat. „Ich habe in Griechenland studiert und bin mit einem belgischen Mann verheiratet. Es gab auch in Europa eine Zeit, in der ich für Letzteres im Gefängnis gesessen hätte.“ Diesen Ansatz griff der französische Präsident mehrmals in seinen Beiträgen auf: „Unser Europa ist nicht eine Errungenschaft, sondern ein ständiger Kampf.“
So wendeten sich die beiden Liberale und Freunde, insbesondere der Jugend zu. „Seid keine Schafe, tretet für eure Ansichten ein, aber zwingt sie keinem auf!“, forderte Bettel die Jugendlichen auf, die durch verschiedene Klassen des Lycée Aline Mayrisch, Lycée Classique de Diekirch, der Europaschule und des französischen Lycée Vauban verteten waren. In seinem Schlussstatement verwies Macron auf die Narben der Vergangenheit, die auch die Jugend mit sich trägt: „Vergesst nichts. Und traut euch!“
Worauf das jubelnde Publikum die beiden Politiker wieder mit stehenden Ovationen verabschiedete.
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Die Dialogveranstaltungen zwischen Bürgern und Volksvertretern begannen dieses Jahr auf Initiative des französischen Präsidenten. Jedes Land der Europäischen Union – abgesehen vom austretenden Vereinigten Königreich – organisiert solche Begegnungen. Emmanuel Macron hat im Laufe der letzten Monate zahlreiche EU-Länder besucht und an Dialogen mit ausländischen Staats- und Regierungschefs und ihren Wählern teilgenommen.
Gegen Ende des Jahres werden die europäischen Staats- und Regierungschefs über das Verfahren sprechen. Dazu verfasst jedes Teilnehmerland eine Zusammenfassung, die die Meinungen der Teilnehmer wiederspiegeln soll.
Die nächste Bürgerkonsultation findet am 12. September in Esch-Belval statt, mit dem Titel „Parlons d'Europe en local“.
