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Stage: Unterstützung statt Schikane
Politik 2 Min. 12.07.2019

Stage: Unterstützung statt Schikane

Im Fondamental dauert das Referendariat fortan nur noch ein Jahr.

Stage: Unterstützung statt Schikane

Im Fondamental dauert das Referendariat fortan nur noch ein Jahr.
Foto: Pierre Matgé
Politik 2 Min. 12.07.2019

Stage: Unterstützung statt Schikane

Michèle GANTENBEIN
Michèle GANTENBEIN
Das Parlament hat die Neuregelung der Stage-Bedingungen im öffentlichen Dienst verabschiedet. Fortan dauert der Stage zwei statt drei Jahre. Im Schulwesen gehen die Änderungen noch weiter.

32 Abgeordnete (DP, LSAP, Déi Gréng, Déi Lénk) stimmten am Donnerstag für die neuen Stage-Bedingungen im öffentlichen Dienst. Kernpunkt ist die Kürzung des Stage von drei auf zwei Jahre. Richtig interessant ist das neue Gesetz vor allem für angehende Grundschul- und Sekundarschullehrer, da der Stage nicht nur verkürzt, sondern auch vereinfacht wird. Die Berufsanfänger haben weniger Aufgaben und weniger Druck, damit sie sich auf ihre eigentliche Arbeit – die Unterrichtsvorbereitung und den Unterricht – konzentrieren können, wie Berichterstatter Gilles Baum (DP) unterstrich.


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ADR-Sprecher Fernand Kartheiser war von den Änderungen nicht besonders begeistert. Er sah in der von vielen Rednern hochgelobten Kürzung und Vereinfachung eher ein Nivellement vers le bas, eine Reduzierung der Anforderungen auf ein absolutes Minimum, „und ich frage mich, ob das Schulwesen langfristig nicht mehr darunter leidet, als dass es den einen oder anderen motiviert, den Lehrerberuf zu ergreifen“, so Kartheiser. Die ADR sei nicht gegen eine Reform des Stage, fordere aber eine Reform, die eine hohe Schulqualität garantiere. Das sei mit dem neuen Gesetz nicht gewährleistet, so der ADR-Sprecher.

Martine Hansen: „Respektlos“

Die CSV hatte weniger Probleme mit dem neuen Gesetz als mit der Art und Weise, „wie hier mit dem Parlament verfahren wird“, so Fraktionschefin Martine Hansen. Eine sorgfältige parlamentarische Arbeit an dem komplexen Text sei aus zeitlichen Gründen unmöglich gewesen, ärgerte sich Hansen. Bildungsminister Claude Meisch musste sich auch den Vorwurf anhören, die Einladungen für die Vereidigung der Lehrer – sie findet heute statt – vor der Abstimmung des Gesetzes im Parlament verschickt zu haben, was die CSV-Sprecherin als respektlos gegenüber dem Parlament empfand.

Clement: „Handwerklich schludrig“

Auch die ADR und die Piraten kritisierten, „dass hier ein 150-seitiges Gesetz durchgepeitscht wird“ (Kartheiser) und forderten mehr Respekt für das Parlament. Sven Clement (Piraten) sprach von einer „Herkulesarbeit“ für den zuständigen parlamentarischen Ausschuss, von einer „Hetze von vorne bis hinten“ und von einem „handwerklich schludrigen Text“. Fehler seien in extremis verbessert worden (Sven Clement) und niemand wisse, wie viele Fehler das Gesetz in seiner endgültigen Fassung noch beinhalte (Martine Hansen).

Für die Vertreter der Regierungsparteien überwogen die Vorteile des neuen Stage-Gesetzes. Es erleichtere den jungen Lehrern den Berufseinstieg und reduziere den Stress und die Angst vor dem Scheitern, meinte Berichterstatter Gilles Baum (DP). Tess Burton (LSAP) nahm Bezug auf die Umfrage des SEW, wonach 50 Prozent der befragten Stagiaires den Beruf nicht mehr ergreifen würden, wenn sie die Entscheidung neu zu treffen hätten. Das sei frappierend und zeige, dass die jungen Lehrer mehr Unterstützung bräuchten. Mit den neuen gesetzlichen Bestimmungen und dem "Stage sur mesure" sei diese Unterstützung gewährleistet, so Burton.


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Dass es überhaupt zu Anpassungen beim Stage kam, sei vor allem das Verdienst der Lehrer und der Gewerkschaften, „die sich hartnäckig für Verbesserungen eingesetzt haben“, fand David Wagner (Déi Lénk).

Meisch: „Klarheit schaffen“

Bildungsminister Claude Meisch (DP) verteidigte sein Gesetz und das Timing. Er habe nach der Regierungsbildung umgehend mit den Verhandlungen über die Anpassungen begonnen. Sein Ziel sei gewesen, das Gesetz noch vor der Sommerpause zu verabschieden, damit die Neuerungen zur Rentrée in Kraft treten können „und damit Klarheit herrscht für all jene, die sich derzeit im Stage befinden“, so der Bildungsminister. 


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