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Staatslabor: „Wir streben Exzellenz an“
Prof. Friedrich Mühlschlegel strebt Exzellenz an.

Staatslabor: „Wir streben Exzellenz an“

Foto: Lex Kleren
Prof. Friedrich Mühlschlegel strebt Exzellenz an.
Politik 5 Min. 13.02.2018

Staatslabor: „Wir streben Exzellenz an“

Das Staatslabor genießt in der Öffentlichkeit nicht den besten Ruf. Notorisch unterbesetzt sorgen vor allem die langen Wartezeiten auf pathologische Resultate für Unmut. Direktor Prof. Friedrich Mühlschlegel erklärt im LW-Gespräch den Stand der Dinge.

Von Annette Welsch

Ist es denn nun Krebs oder nicht? Einige Wochen in Angst leben und wichtige Behandlungszeit verlieren, empfinden Patienten und Ärzte als skandalös. Zuletzt riskierte das Laboratoire national de santé (LNS), sein Monopol auf diese Untersuchungen zu verlieren.

Privatlabore hatten es angefochten und das Verwaltungsgericht gab ihnen Recht: Wenn 45 Prozent der Analysen, wie Ende 2016 noch der Fall, an Labore ins Ausland geschickt werden müssen, kann man gerade so gut den in Luxemburg ansässigen Privatlaboren die Arbeit überlassen, war der Tenor des Urteils. Die Politik entschied dennoch, dem LNS die Monopolstellung für die Pathologie und die Genetik im vergangene Woche verabschiedeten Krankenhausgesetz weiterhin zu garantieren.

Wir wollen das ganze Spektrum anbieten, weil vieles ineinandergreift.

Das war nicht zuletzt der Tatsache geschuldet, dass die Externalisierung der Untersuchungen Ende 2107 auf 14 Prozent gesunken war. „Gerade in der Pathologie ist in diesem Jahr unglaublich viel passiert, sie hat sich unter einer neuen Chefin und einem neuen Abteilungsleiter neu strukturiert und es wurde viel rekrutiert“, sagt Prof. Friedrich Mühlschlegel im Gespräch mit dem „Luxemburger Wort“. „Die Auslagerung der Proben wurde dramatisch reduziert, unsere Pathologen sind für Ärzte erreichbarer und ihre Partizipation in den multidisziplinären Teams der Tumorbehandlung in den Krankenhäusern ist beeindruckend.“

Es ist jetzt genau ein Jahr her, dass Mühlschlegel die Direktion im LNS übernahm. Geerbt hat er eine Institution, die in den letzten Jahren viel Entwicklung erfuhr: Aus dem Staatsbetrieb wurde 2012 ein établissement public, es folgten der Umzug in das neue Gebäude in Düdelingen sowie neue Aktivitäten, wie die Gerichtsmedizin, die Genetik oder auch der Regierungsbeschluss, eine „Opferambulanz“ einzurichten oder – ganz rezent – Antibiotikaresistenzen zu bekämpfen. Übernommen hat Mühlschlegel auch den Strategieplan 2016-2018, der noch unter der Ägide von Prof. Philippe Hartemann entstand, dem Interimsdirektor ab Februar 2016.

Wartezeiten sollen noch weiter verkürzt werden

Die Zahl der ins Ausland geschickten Analysen ist aber nur eine Sache, die Wartezeiten zu verkürzen eine andere. Ärzte beklagen sich bei Krebsdiagnosen zwar nicht mehr über mehrere Wochen Unklarheit, sondern nur noch über ein bis zwei Wochen, aber optimal ist das noch nicht.

„Es gibt Untersuchungen, wie immunhistochemische oder von Knochen, die prozessbedingt länger Zeit brauchen. Wenn man alle Analysen, die wir machen, zusammen nimmt, sind wir im Mittelwert bei einer Bearbeitungszeit, die voll im internationalen Standard liegt“, sagt Mühlschlegel. „Natürlich wollen wir noch besser werden, in allen einzelnen Gruppen internationale Normen erreichen und bei bestimmten Diagnosen auf wenige Tage hinunter kommen. Wir rekrutieren ja auch weiter, unser Stellenplan ist noch nicht erfüllt.“

Mühlschlegel will Ruhe in den Betrieb bringen.
Mühlschlegel will Ruhe in den Betrieb bringen.
Foto: Lex Kleren

Es sei jetzt aber auch wesentlich einfacher an einen Ort zu rekrutieren, der attraktiv ist. Dass Prof. Mittelborn, der seit einem Jahr die Pathologie-Abteilung leitet, einen vom Nationalen Forschungsfonds mit 2,6 Millionen Euro dotierten Pearl Chair zum Aufbau der ersten diagnostischen Neuropathologie zuerkannt bekam beispielsweise, sei denn auch so ein „Anziehungspunkt“.

Monopol garantiert, das ganze Spektrum anbieten zu können

Dass das LNS sein Monopol für die Pathologie behält und die Genetik aufbauen kann, freut ihn natürlich. Selbstverständlich bleibt die Frage, wie bei jedem Monopol, ob freier Wettbewerb oder die Konzentration auf einzelne Aktivitäten nicht die Qualität erhöht. Das lässt Mühlschlegel nicht gelten. Ganz im Gegenteil sei das Monopol eine essenzielle Stütze für die Zukunftsvision des LNS, die er so beschreibt: „Wir wollen Exzellenz in der klinischen Versorgung garantieren und Strukturen schaffen, die der Bevölkerung den Zugang zum ganzen Spektrum der benötigten Leistungen bieten.“

Wolle man Qualität, Innovation und Patientensicherheit gewährleisten, braucht man einen solchen ganzheitlichen Ansatz, argumentiert Mühlschlegel, denn vieles greife ineinander. „Man kann es nicht wie einen Kuchen aufteilen nach dem Motto: Wir nehmen uns einen Teil der Tests und die anderen, manuellen und aufwendigen lassen wir weg oder weitere damit verbundene Zusatzangebote machen wir aber nicht. Sowohl das Einfache als auch das Schwierige anzubieten und auch aufwendige Angebote wie die Telepathologie zum Beispiel zu machen, gehört einfach dazu. Außerdem entwickelt sich die Technik so rasant, dass es nicht mehr reicht, sich nur auf einen Test zu konzentrieren.“

Natürlich wollen wir bei den Wartezeiten noch besser werden.

Essenziell wichtig sei auch die Möglichkeit, Synergien zu schaffen mit Technologien, die für mehrere Disziplinen eine Rolle spielen. Als Beispiel nennt er die neue Sequenzierplattform für DNA-Analysen, die sowohl für die Pathologie als auch die Genetik verwendbar ist. So könne man nun Neues im Land etablieren – Stichwort pränatale Diagnostik.

„Früher wurde Fruchtwasser punktiert, um eventuelle Behinderungen festzustellen, heute gibt es Screeningtests vom Blut, die bislang ins Ausland geschickt werden mussten. Solche Synergien zwischen den Disziplinen zu erreichen, ist die Philosophie – und die ist gut für unsere Effizienz und Dynamik“, zeigt sich Mühlschlegel überzeugt.

Dem LNS eine ruhige Führungsstruktur geben

Es ist viel passiert in diesem, seinem ersten Jahr am LNS. Und wie geht es nun weiter? „Wir denken natürlich schon über den nächsten strategischen Plan nach. Da geht es darum, die Synergien zwischen der Genetik, der Pathologie und den diagnostischen Zentren voll zum Einsatz zu bringen. Unsere aktive Rolle, als Zentrum vom Nationalen Antibiotikaplan mit den Spitälern Hand in Hand zu arbeiten, ist von großer Wichtigkeit. Die Resistenz von Keimen ist ein Thema mit globaler Bedeutung. Wir werden der sogenannten Opferambulanz, für die wir noch einen anderen Namen brauchen, den letzten Schliff geben.“

Ziel ist auch, alle Abteilungen des LNS zu akkreditieren. Die Division der gynäkologischen Zytologie, Unterabteilung der Pathologie, die für die Krebsabstriche bei Frauen verantwortlich zeichnet, hat den Prozess schon hinter sich und arbeitet bereits auf höchstem Niveau. Ansonsten geht es Mühlschlegel darum, Ruhe in seinen Betrieb zu bekommen und Vertrauensarbeit zu leisten.

„Wenn ich mit anderen Leuten rede, merke ich, welch schlechtes Image das Staatslabor eigentlich hat. Es soll ein ganz schrecklicher Ort zum Arbeiten sein“, sagt er und schmunzelt. Und dann wieder ernst: „Das LNS war über Jahre in einer schwierigen Situation und musste viel Wechsel verkraften. Es braucht in erster Linie eine ruhige Führungsstruktur, die eine Vision hat – auch innerhalb der einzelnen Abteilungen. Das kann man nicht über Nacht leisten, das sind Prozesse.“


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