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Springprozession in der Chamber
Die Petitionäre wollen, dass am Pfingstdienstag für die Springprozession schulfrei ist.

Springprozession in der Chamber

Foto: Pierre Matgé
Die Petitionäre wollen, dass am Pfingstdienstag für die Springprozession schulfrei ist.
Politik 2 Min. 24.07.2018

Springprozession in der Chamber

Danielle SCHUMACHER
Danielle SCHUMACHER
Die Springprozession soll als immaterielles Kulturerbe geschützt und gefördert werden. Unterschiedliche Meinungen gab es im Parlament in der Frage, ob der Pfingstdienstag in Zukunft ein schulfreier Tag sein soll.

Jos Scheuer hatte im Nu die erforderlichen Unterschriften für seine Petition zusammen. Am Dienstag kam es daher zu einer öffentlichen Anhörung im Parlament zum Thema Springprozession. Dabei herrschte in der Sache Einigkeit. Der Autor der Eingabe, die Mitglieder des Kultur- und des Bildungsausschusses und die Regierung wollen, dass die Echternacher Springprozession als immaterielles Weltkulturerbe geschützt und gefördert wird. 

In der Frage, ob der Pfingstdienstag generell ein schulfreier Tag sein soll, gingen die Meinungen allerdings auseinander. Und genau diese Frage hatte den ehemaligen Bürgermeister von Echternach, Jos Scheuer, zu seiner Petition bewogen. Sein Ziel: "Inviter le Gouvernement - à valoriser d'une façon générale le Patrimoine mondial matériel et immatériel UNESCO du Luxembourg - à instituer définitivement le mardi de Pentecôte comme journée libre scolaire générale dans l'intérêt de la mise en évidence de l'ensemble du patrimoine et en particulier de la sauvegarde de la procession dansante comme patrimoine mondial immatériel."

Die Petitionäre: Marc Diederich, Alex Langini, Jos Scheuer, Yves Wengler und Jos Schmit (v.l.n.r.) Sie sammelten 7.581 Unterschriften in sechs Wochen.
Die Petitionäre: Marc Diederich, Alex Langini, Jos Scheuer, Yves Wengler und Jos Schmit (v.l.n.r.) Sie sammelten 7.581 Unterschriften in sechs Wochen.
Foto: Guy Jallay

Auslöser war die Tatsache, dass 2019 die Pfingstferien eine Woche vor dem Pfingstfest stattfinden. Damit ist der Pfingstdienstag kein schulfreier Tag. Auch wenn die Schüler die Möglichkeit haben, sich vom Unterricht befreien zu lassen, um an der Prozession teilzunehmen, so befürchten die Organisatoren dennoch, dass weniger  Pilger nach Echternach kommen werden. Die als Unesco-Weltkulturerbe eingestufte Prozession könnte daher abgewertet werden, so Scheuer und seine Mitstreiter. In Echternach selbst gilt ein generelles Schulfrei.  

Am Dienstag trug Jos Scheuer das Anliegen mit großer Leidenschaft vor. Der langjährige Bürgermeister von Echternach stellte von vornherein klar, dass es ihm vor allem um den kulturellen Aspekt geht, auch wenn die Springprozession an sich eine religiöse Tradition darstellt. Wenn der Pfingstdienstag nicht mehr automatisch schulfrei ist, dann werde vor dem Kulturerbe eine Barriere aufgebaut und dies sei nicht konform mit der Unesco-Konvention, betonte der frühere LSAP-Abgeordnete.

Der Bürgermeister von Echternach, Yves Wengler, erinnerte aber auch daran, dass die Springprozession für den Tourismus in seiner Gemeinde einen sehr hohen Stellenwert hat.

Tag des kulturellen Erbes

Bildungsminister Claude Meisch machte schließlich einen Vorschlag zur Güte: Der Pfingstdienstag soll zwar nicht grundsätzlich zum schulfreien Tag werden. Allerdings soll ab 2019 in den Grund- und in den Sekundarschulen ein Tag für das kulturelle Erbe und die luxemburgischen Traditionen eingeführt werden. In dem Rahmen können sich die Lehrer dann auch mit der Springprozession beschäftigen bzw. zusammen mit ihren Schülern daran teilnehmen.

Jahr für Jahr nehmen etwa 12.000 Pilger an der Springprozession teil, darunter ungefähr 2.400 Jugendliche. 2010 wurde die Springprozession von der Unesco zum immateriellen Weltkulturerbe erklärt. Bereits 2005 hatte das Parlament für eine entsprechende Konvention gestimmt. 


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Echternacher Springprozession - Photo : Pierre Matgé