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JIF fordert soziale Fortschritte
Politik 3 Min. 15.02.2022 Aus unserem online-Archiv
Plattform zum Weltfrauentag

JIF fordert soziale Fortschritte

Am 8. März findet zum dritten Mal ein nationaler Frauenstreik statt.
Plattform zum Weltfrauentag

JIF fordert soziale Fortschritte

Am 8. März findet zum dritten Mal ein nationaler Frauenstreik statt.
Foto: Gerry Huberty
Politik 3 Min. 15.02.2022 Aus unserem online-Archiv
Plattform zum Weltfrauentag

JIF fordert soziale Fortschritte

Annette WELSCH
Annette WELSCH
Die Plattform JIF ist empört, dass ihr Protestmarsch nicht wie gewohnt vom Bahnhof zur Oberstadt führen soll. Doch die Organisatorinnen haben noch ganz andere Sorgen.

Zum dritten Mal ruft die Plattform JIF (Journée Internationale des Femmes), der über 20 Organisationen, Vereinigungen, Parteien und Gewerkschaften angehören, für den Internationalen Frauentag am 8. März zum Fraestreik auf, mit dem auf weiterhin bestehende Missstände bei der reellen Gleichstellung hingewiesen werden soll.


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„In den Bereichen Lohn, Gesundheit, Wohnen und Bekämpfung der Gewalt gegen Frauen gibt es quasi keine sozialen Fortschritte“, sagte Michelle Cloos von OGBL Equality, als die Forderungen der Plattform vorgestellt wurden. 

Line Wies von Déi Lénk betonte, dass die Gesundheitskrise die Arbeitslast der Frauen erhöht habe, vor allem die der unbezahlten Arbeit, wie der Kinderbetreuung und dem Homeschooling. Auch seien in den für die Krisenbekämpfung essenziellen Gesundheitsberufen vorwiegend Frauen anzutreffen. Die Politik trage dem aber keine Rechnung. Und: „Selbst im Jahr 2022 ist die Lohngleichheit zwischen Männern und Frauen immer noch nicht erreicht. Wir müssen hier auf der Ebene der Lohntransparenz ansetzen.“

Sektorielle Lohnunterschiede

Vergleiche man das Gesamtjahresgehalt in Luxemburg, verdienen Frauen immer noch 7,2 Prozent weniger als Männer. „In manchen Sektoren sind es 30 Prozent“, sagt Wies. „Der Statec könnte für jeden Sektor die Gehälterunterschiede herausfinden.“

Darüber hinaus arbeiten sie öfter in Teilzeit, häufen Karriereunterbrechungen an und sind in ihrer Karriere blockiert. Daher verfügen sie über ein geringeres Einkommen, können weniger sparen, haben eine kleinere Rente und sind einem höheren Risiko ausgesetzt, in prekäre Verhältnisse und wirtschaftliche Abhängigkeit zu geraten.


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Die Präsidentin der Femmes socialistes, Maxime Miltgen, ging auf den Wohnungsmangel ein, der einen großen Impakt vor allem auf Frauen habe. „Das Recht auf Wohnen muss verfassungsrechtlich verankert werden“, forderte sie. „Es müsste auch verboten werden, Alleinerziehende in der Pandemie aus der Wohnung zu schmeißen. Sie und auch Opfer häuslicher Gewalt müssten finanziell unterstützt werden, um auf dem normalen Wohnungsmarkt eine Bleibe zu finden.“ Es bräuchte ein zeitliches Verbot eines zweiten oder dritten Erwerbs von Land oder Wohnungen und eine Deckelung der Mieten.

Die Plattform JIF ist auch der Ansicht, beide Elternteile müssten die ersten Monate nach der Geburt eines Kindes gemeinsam erleben können. „Die Betreuung eines Neugeborenen in den ersten Lebensmonaten kann nicht von einem Elternteil allein bewältigt werden, insbesondere wenn dieser gerade erst entbunden hat“, meinte Yasmine Chlouti. Der zehntägige Vaterschaftsurlaub müsse durch einen dreimonatigen Vollzeit-Geburtsurlaub für beide Elternteile ersetzt werden.

Die Betreuung eines Neugeborenen in den ersten Lebensmonaten kann nicht von einem Elternteil allein bewältigt werden. 

Yasmine Chlouti

Ein starkes Anliegen ist Chlouti die Verhinderung und Bestrafung von Gewalt gegen Frauen. Dafür müsse eine Definition und Klassifikation des Femizids strafrechtlich verankert werden und es müssten eigene Statistiken darüber geführt werden, wie viele Frauen aufgrund ihres weiblichen Geschlechts umgebracht werden. Die psychische Gewalt müsste explizit anerkannt und eine Helpline für Opfer sexueller Gewalt eingerichtet werden. „Bewährungsstrafen für Vergewaltiger und bei sexuellen Gewalttaten gehören abgeschafft.“

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