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Sozialalmanach 2017 von Caritas: "So kommen die Leute nicht aus der Armut raus"
Politik 2 Min. 04.04.2017 Aus unserem online-Archiv

Sozialalmanach 2017 von Caritas: "So kommen die Leute nicht aus der Armut raus"

Der Sozialalmanach von Caritas untersucht jährlich die soziale und wirtschaftliche Lage. Schwerpunkt der neuesten Auflage ist die demografische Entwicklung und ihre sozialen Folgen.

Sozialalmanach 2017 von Caritas: "So kommen die Leute nicht aus der Armut raus"

Der Sozialalmanach von Caritas untersucht jährlich die soziale und wirtschaftliche Lage. Schwerpunkt der neuesten Auflage ist die demografische Entwicklung und ihre sozialen Folgen.
Foto: Guy Jallay
Politik 2 Min. 04.04.2017 Aus unserem online-Archiv

Sozialalmanach 2017 von Caritas: "So kommen die Leute nicht aus der Armut raus"

Bérengère BEFFORT
Bérengère BEFFORT
Luxemburgs Wirtschaft wächst rasant, so auch seine Bevölkerung. Doch wo führt das hin? In mehrdimensionalen, sozial engagierten Überlegungen befasst sich Caritas im neuen Sozialalmanach mit der Zukunft des Landes.

(BB) - "Wir müssen reden", sagt Robert Urbé. 1,1 Millionen Einwohner im Jahr 2060 hatte die Regierung unlängst in Aussicht gestellt. Den jüngsten Studien von Statistikern zufolge, könnten die Bevölkerung doch knapp unter der Marke von einer Million bleiben. "Doch das ändert nichts an der Sache", seufzt Urbé, "die Regierung hat bei der Altersrente und beim Budget mit hohen Wachstumszahlen gerechnet, das Thema kann man nicht außen vor lassen".

In ihrem neuen Sozialalmanach 2017 greift Caritas das Thema der demografischen und wirtschaftlichen Entwicklung auf. Neben detailliert, dokumentierten Analysen liefert die Hilfsorganisation zahlreiche Denkanstöße und weist auf soziale Herausforderungen hin. In den Wirtschaftstheorien von Rifkin oder auch in der Wohnungspolitik drohe das Soziale zu kurz zu kommen.

Strukturwandel und Schwächen

"Die Regierung hat bereits eine Gelegenheit verpasst, die Weichen für mehr soziale Gerechtigkeit richtig zu stellen. Das war bei der Steuerreform", moniert Urbé. Man hätte viel mehr für Menschen mit kleinen Einkommen tun müssen. Nun werde eine bessere Zukunft mit einer dritten industriellen Revolution an die Wand gemalt, doch in der Sache würde die soziale Komponente unzureichend berücksichtigt.

"Was passiert, wenn die Menschen von zu Hause arbeiten können und immer erreichbar sein müssen? Wie trifft man Entscheidungen, wenn sich die Mitarbeiter nicht sehen? Antworten auf diese Aspekte sucht man in der Rifkin-Studie vergebens", so der Caritas-Sprecher weiter.

Weil es nicht genüge hohe Wachstumsquoten zu versprechen, weil der soziale Zusammenhalt mehr verlange als nur ein paar Randbemerkungen, will die Hilfsorganisation mit ihrer elften Auflage des Sozialalamanachs einen Denkprozess in der Gesellschaft anregen.

Hohe Erwartungen

In drei thematischen Unterteilungen und mit einem Dutzend Gastbeiträgen beleuchtet das Werk von Caritas die Auswirkungen der Digitalisierung, die Folgen des Wirtschafts- und Bevölkerungswachstums und die notwendigen Impulse für einen sozialen Zusammenhalt. Im ersten Teil geht die Hilfsorganisation auf die politische Erklärung von Premier Xavier Bettel im Jahr 2016 ein und skizziert die Erwartungen an die kommende Rede am 26. April.

"Die Regierung hat vieles angekündigt. Es dauert allerdings lange, bis dass etwas passiert", befindet Urbé. Vorliegende Maßnahmen seien ihrerseits unzureichend. So zum Beispiel bei der Reform des RMG.  Der Caritas-Sprecher bedauert: "Das übergreifende Ziel, bis 2020 zusätzliche 6.000 Menschen aus der Armut zu bekommen, werden wir hiermit nicht schaffen". Weitere Anregungen führt Caritas auch beim Ausbau von sozialen Wohnungen an.

"Wenn Luxemburg weiter wachsen soll und wird, dann müssen wir in aller Deutlichkeit sagen, wie wir verfahren sollen", so jedenfalls der Aufruf von Robert Urbé.

Der Sozialalmanach 2017 ist bei Caritas sowie in Buchhandlungen erhältlich.



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