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Solidarität in der Krise: Das Rote Kreuz passt sich Corona an
Politik 2 Min. 29.07.2020

Solidarität in der Krise: Das Rote Kreuz passt sich Corona an

Nico Dhamen (l.) und Anne Gruber sind ehrenamtliche Spendensammler des Luxemburger Roten Kreuzes.

Solidarität in der Krise: Das Rote Kreuz passt sich Corona an

Nico Dhamen (l.) und Anne Gruber sind ehrenamtliche Spendensammler des Luxemburger Roten Kreuzes.
Foto: Gerry Huberty
Politik 2 Min. 29.07.2020

Solidarität in der Krise: Das Rote Kreuz passt sich Corona an

Morgan KUNTZMANN
Morgan KUNTZMANN
Die "Croix Rouge" kommt trotz Corona bei Geld- und Blutspenden auf das Vorjahresniveau, während für internationale Projekte Geldmittel fehlen.

„In einer Krisensituation zu helfen, ist die Daseinsberechtigung unserer Organisation“, so begann am Mittwoch Michel Simonis die Vorstellung des Aktualitätsberichtes von 2019. Damit ging der Direktor der Hilfsgesellschaft auf den historischen Ursprung der Organisation und auf die Anpassungen ein, die gemacht werden mussten, um der Corona-Krise entgegenzutreten. „Alle unsere laufenden Aktivitäten konnten trotz Corona aufrechterhalten werden“, fügte er an. 

Im Gesundheitsbereich hat sich das Rehazentrum in Colpach zu einer landesweiten Anlaufstelle im Bereich Rehabilitation entwickelt. Letztes Jahr wurde das Rehazentrum eröffnet und nahm bereits mehr als 700 Patienten auf. Doch auch während der Corona-Krise konnte die „Croix-Rouge“ mithilfe ihrer breiten Aufstellung ihre Aufgabe wahrnehmen. „Wir springen überall dort ein, wo der Staat nicht helfen kann“, so Simonis.


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Dementsprechend hat das Luxemburger Rote Kreuz die Gesundheitsbehörden durch die Eröffnung von Sekundär-Zentren für Corona-Patienten unterstützt, die keine Akutversorgung benötigten. Im Rehazenter Colpach wurden beispielsweise 80 Betten zur Verfügung gestellt. „Unsere Teams sind in den letzten Monaten vollständig im Einsatz gewesen. Sie mussten sich dabei an die aktuelle Situation anpassen und entsprechende Aufgaben übernehmen, wie z. B. die Verteilung von Ausrüstungen an das Pflegepersonal, beziehungsweise die Öffnung der Maisons relais für deren Kinder auf dem Höhepunkt der Krise“, so der stellvertretende Direktor Marc Crochet. 

Wohnraum für Bedürftige 

Obwohl das Rote Kreuz in mehreren Bereichen aktiv ist, versuche man immer die akutesten Probleme der Gesellschaft anzugehen. In Luxemburg sei dies der allseits bekannte Wohnraummangel. „2019 haben unsere Teams diejenigen unterstützt die Schwierigkeiten haben, eine menschenwürdige Wohnung zu finden, seien das Senioren, Alleinerziehende, junge Menschen ohne Zugang zum REVIS oder Personen, die internationalen Schutz genießen“, so Michel Simonis. 

Darüber hinaus kümmert sich das Rote Kreuz seit Beginn der Krise um obdachlose Menschen, die positiv auf Covid-19 getestet wurden, und bietet diesen ein Dach über dem Kopf und „damit auch Würde an“, erklärt Crochet. Der Wohnraummangel mache sich aber auch bei der Bekämpfung der Pandemie bemerkbar. 


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Im Allgemeinen zeigte sich Marc Crochet optimistisch: „Viele Initiativen wie die Verteilung von Masken an gefährdete Menschen waren dank der starken Mobilisierung von Einzelpersonen und Unternehmen möglich. Diese Welle der Solidarität, die wir erleben durften, war unglaublich.“ 

Auch bei der Spendensituation zeigte sich Crochet zufrieden. Obwohl mehrere Spendenveranstaltungen coronabedingt ausgefallen sind, konnten durch gezielte Spendenaufrufe die Verluste fast ausgeglichen werden. Auch bei Blutspenden zieht sich der Trend der letzten Jahre fort. „Mithilfe der Blutspenden sind wir national gesehen autark. Wir müssen keine Blutkonserven importieren.“ 

Internationale Aktivität 

Jedoch bereitet die Internationale Hilfe der Organisation Kopfzerbrechen. Die Geldmittel fehlen. Rémi Fabbri, Direktor der Internationalen Hilfe des Luxemburger Roten Kreuzes, unterstrich: „Wir führen Sensibilisierungskampagnen zu Gesundheitsfragen in Entwicklungsländern durch. Wir setzen die Verteilung lebenswichtiger Güter fort, insbesondere auf dem afrikanischen Kontinent. Aber das alles reicht bei weitem nicht aus, um alle dringlichen Bedürfnisse zu befriedigen.“ 350.000 Euro fehlen in diesem Bereich. Deshalb werde man ab Herbst eine Sensibilisierungskampagne starten, um auf die durch Corona verursachten Probleme in Entwicklungsländern aufmerksam zu machen. 

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