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So sieht die finanzielle Situation des Kierchefong aus
Politik 4 Min. 23.11.2022
Trennung von Kirche und Staat

So sieht die finanzielle Situation des Kierchefong aus

Seit 2018 hat der Fonds drei Millionen Euro in die Instandhaltung und Restaurierung von Kirchen und 89 Millionen Euro in Immobilienprojekte investiert.
Trennung von Kirche und Staat

So sieht die finanzielle Situation des Kierchefong aus

Seit 2018 hat der Fonds drei Millionen Euro in die Instandhaltung und Restaurierung von Kirchen und 89 Millionen Euro in Immobilienprojekte investiert.
Foto: John Lamberty
Politik 4 Min. 23.11.2022
Trennung von Kirche und Staat

So sieht die finanzielle Situation des Kierchefong aus

Michèle GANTENBEIN
Michèle GANTENBEIN
Acht Millionen Euro muss der Kirchenfonds jährlich aufbringen, um seine Kosten zu decken - mit den gestiegenen Energiekosten künftig eher mehr.

Wie sieht es nach der Trennung von Kirche und Staat finanziell beim 2018 gegründeten Kierchefong aus? Mittelmäßig, lautet die Antwort. Die Buchhaltung der 102 Kirchenfabriken, die im Fonds zusammengeschlossen sind, musste umgestellt werden. Das hat eine Weile gedauert. 2021 ist das erste Jahr, das komplett nach der firmenüblichen kaufmännischen Buchführung erfasst wurde.


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Jede Kirchenfabrik führt autonom ihre eigene Buchhaltung. Zusammengenommen schließen die 102 Kirchenfabriken das Jahr 2021 mit einem Defizit von 875.000 Euro ab - im Schnitt also etwa 8.500 Euro Defizit pro Kirchenfabrik. „Das Ergebnis ist besser als 2020, allerdings rechnen wir für dieses und nächstes Jahr wegen der hohen Energiekosten mit einem noch höheren Defizit“, so die Präsidentin des Kirchenfonds-Verwaltungsrats, Marianne Bausch-Koenig am Mittwoch bei einer Pressekonferenz. 

Kirchen lassen sich eben prinzipiell nicht gut heizen. 1,4 Millionen Euro für Energie waren es insgesamt vergangenes Jahr. Für dieses Jahr rechnet Philip Mauel, Geschäftsführer des Kirchenfonds, mit zwei Millionen Euro und einer zusätzlichen Million Euro für 2023. Man versuche einerseits die Kosten durch weniger heizen zu drosseln, andererseits aber auch Geld aufzutreiben, um die Kosten zu stemmen, so die Präsidentin.

Das Ergebnis ist besser als 2020, allerdings rechnen wir für dieses und nächstes Jahr wegen der hohen Energiekosten mit einem noch höheren Defizit.

Marianne Bausch-Koenig, Präsidentin des Kirchenfonds

Der Fonds verfügt über Liquiditäten in Höhe von 63 Millionen Euro. Diese stammen quasi zur Hälfte (28 Millionen Euro) aus dem Verkauf von Immobilien und werden in neue Immobilienprojekte reinvestiert, wie Generalökonom Marc Wagener erklärte. Die Differenz, also 35 Millionen Euro, stehen den Kirchenfabriken zur Verfügung. Das Vermögen aber ist sehr ungleich verteilt, da nicht alle Kirchenfabriken über Immobilien verfügen, über die sie Einkünfte generieren können. Laut der Präsidentin sind 23 von 33 Pfarreien defizitär, darunter einige hochdefizitär. Zehn Pfarreien gehe es finanziell sehr gut.

Reiche und arme Kirchenfabriken

Ein Ziel des Fonds ist es, die großen Unterschiede auszugleichen, zum einen über Kooperationen zwischen den Kirchenfabriken. Andererseits wird über einen Solidaritätsmechanismus nachgedacht, bei dem die „reichen“ Kirchenfabriken den „armen“ unterstützen. Am Dienstag habe man diesen Gedanken bei einer Sitzung mit den Freiwilligen ein erstes Mal diskutiert, so die Präsidentin. 

 Wir können keine Geschäfte machen mit Kirchen, die wir nicht mehr benutzen.

Generalvikar Leo Wagener

Sie bezeichnete den Fonds als Service-Organisation, deren Aufgabe es sei, das kulturelle Erbe, also die Kirchen, zu verwalten. Dazu gehört zum Beispiel, dass die Kirchen geheizt, sauber gehalten und instandgesetzt werden. Das kostet Geld und dieses Geld generiert der Kirchenfonds in erster Linie über Spenden, Kollekten, aber auch über die Vermietung von Immobilien.

In Luxemburg gibt es 490 Kirchen und Kapellen. 146 gehören dem Fonds, 344 den Gemeinden. Seit 2018 wurden 21 Kirchen entweiht, darunter zahlreiche Kirchen, die schon längere Zeit nicht mehr genutzt wurden, sowie Kirchen die zur Ausübung des religiösen Glaubens nicht mehr notwendig waren, wie Leo Wagener erklärte. Entscheidet der Fonds, Kirchen aufzugeben, muss er sie für einen symbolischen Euro an die Gemeinde abgeben. Der Fonds selbst ist nicht befugt, entweihte Kirchen einem anderen Zweck zuzufügen und über diesen Weg Einnahmen zu generieren. „Wir können keine Geschäfte machen mit Kirchen, die wir nicht mehr benutzen“, so Generalvikar Leo Wagener.

Private Wohneinheiten für Sozialzwecke

Der Fonds besitzt 1.400 Hektar an Wald- und Feldflächen, die jährlich Einkünfte in Höhe von 300.000 Euro erwirtschaften. Hinzu kommen zehn Hektar Bauland - überwiegend im ländlichen Raum, mit dem wichtige Einnahmen generiert werden. „Ziel ist es, über weitere Immobilienprojekte diese Einnahmen zu steigern“, so Marc Wagener. 

Minister Kox hat gesagt, er sehe die erschwinglichen Wohnungen eher in öffentlicher Hand. Diese Politik ist gelungen.

Leo Wagener

Der Fonds besitzt 208 Wohneinheiten, die auf dem privaten Markt vermietet werden, aber nicht an Privatpersonen, wie Philip Mauel erklärt, sondern an Vereinigungen, „die die Immobilien für soziale Projekte mieten“. 48 Wohnungen sind Teil des staatlich subventionierten Wohnungsbauprogramms und werden zu erschwinglichen Preisen vermietet. Seit die Bedingungen geändert haben (40 Jahre Laufzeit, geringe Gewinnmargen), hat der Fonds sich gegen die Teilnahme an dem Förderprogramm entschieden, „weil es sich für uns nicht lohnt“, so die Präsidentin.

Aktuell befinden sich 19 Immobilienprojekte in Planung - überwiegend im Norden des Landes. Zehn Projekte mit 57 Einheiten stehen kurz vor Baubeginn und vier Projekte mit 15 Wohneinheiten befinden sich aktuell im Bau. Keines ist Teil des staatlichen Förderprogramms. „Minister Kox hat gesagt, er sehe die erschwinglichen Wohnungen eher in öffentlicher Hand. Diese Politik ist gelungen“, so Leo Wagener abschließend.

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