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So ist der Gemütszustand der Bürger nach einem Jahr Corona
Politik 5 Min. 23.03.2021

So ist der Gemütszustand der Bürger nach einem Jahr Corona

Der Bevölkerung geht es nicht gut. Drei Viertel der Befragten geben an, dass sie die Situation belastet.

So ist der Gemütszustand der Bürger nach einem Jahr Corona

Der Bevölkerung geht es nicht gut. Drei Viertel der Befragten geben an, dass sie die Situation belastet.
Foto: Chris Karaba
Politik 5 Min. 23.03.2021

So ist der Gemütszustand der Bürger nach einem Jahr Corona

Michèle GANTENBEIN
Michèle GANTENBEIN
Im Auftrag von "Luxemburger Wort" und RTL wurden 516 Bürger gefragt, wie es ihnen geht, wie es um ihre Impfbereitschaft steht und was sie von den Covid-Maßnahmen halten.

Zwischen dem 17. und dem 19. März wurden 516 in Luxemburg lebende Luxemburger und Ausländer vom Meinungsforschungsinstitut TNS Ilres im Auftrag von „Luxemburger Wort“ und RTL um ihre Meinung gebeten. Die Themen: Sind Sie bereit, sich impfen zu lassen? Was halten Sie von den Covid-Maßnahmen und der Arbeit der Regierung? Und: Wie fühlen Sie sich?

Impfbereitschaft

Zwei Drittel der Befragten geben an, sich impfen lassen zu wollen. Allerdings ist nur knapp die Hälfte der Befragten (46 Prozent) sich in dieser Frage ganz sicher. Die anderen 20 Prozent sagen sich eher bereit, schwanken also noch. Zehn Prozent sprechen sich klar gegen eine Impfung aus, zehn Prozent wissen es noch nicht. Wichtig auch: Fünf Prozent der Befragten geben an, dass sie bereits geimpft sind oder einen Impftermin haben.

In der Luxemburger Bevölkerung herrscht eine hohe Impfbereitschaft, wie eine Umfrage unter 516 Einwohnern ergab.
In der Luxemburger Bevölkerung herrscht eine hohe Impfbereitschaft, wie eine Umfrage unter 516 Einwohnern ergab.
Foto: Anouk Antony

Die Impfbereitschaft schwankt je nach Alter und Geschlecht. Bei den Frauen ist die Impfbereitschaft geringer ausgeprägt als bei den Männern, besonders in der Kategorie derer, die sich in dieser Frage ganz sicher sind. Von den befragten Männern geben 52 Prozent an, sich ganz sicher impfen lassen zu wollen. Bei den Frauen liegt dieser Anteil nur bei 39 Prozent. Wichtig ist in diesem Zusammenhang zu erwähnen, dass von den befragten Männern vier Prozent bereits geimpft sind oder einen Impftermin haben. Bei den befragten Frauen sind es sogar neun Prozent. 

Die Impfbereitschaft steigt mit dem Alter. Bei den 18-bis 34-Jährigen liegt der Anteil derer, die sich ganz sicher impfen lassen wollen, bei 32 Prozent. Bei den 35- bis 54-Jährigen steigt der Anteil auf 43 Prozent. Von den über 55-Jährigen sind 60 Prozent ganz sicher bereit, sich impfen zu lassen. Wichtig erneut: Elf Prozent der befragten über 55-Jährigen sind bereits geimpft oder stehen kurz davor. Bei den jüngeren Altersgruppen liegt dieser Anteil bei drei Prozent.

Rolle des Impfstoffprodukts

Luxemburg verwendet derzeit drei Impfstoffe: Biontech/Pfizer, Moderna und Astrazeneca. Zum Zeitpunkt der Umfrage stand Astrazeneca in der Kritik und die Verabreichung wurde zeitweise ausgesetzt. Inwiefern das die Entscheidung der Bürger, sich impfen zu lassen, beeinflusst, darüber lässt sich nur mutmaßen. 

Auf jeden Fall sagen 67 Prozent der 516 Befragten, dass die Art des Vakzins eine wichtige Rolle in der Impfentscheidung spiele - für 38 Prozent ist sie sogar sehr wichtig. Die Bedeutung der Impfstoffart steigt mit dem Alter. Besonders bei denen, die dazu tendieren, sich impfen zu lassen, sich aber noch nicht ganz sicher sind, spielt der Impfstoff eine große Rolle (80 Prozent).

Luxemburg impft zu langsam

54 Prozent der Befragten sind mit der bisherigen Arbeit der Regierung in Sachen Impfkampagne zufrieden. Interessant: Die Ausländer (61 Prozent) sind weitaus zufriedener als die Luxemburger (48 Prozent). 44 Prozent der Luxemburger sind nicht zufrieden, bei den Ausländern sind es 24 Prozent. Die Unzufriedenheit hat vor allem mit dem Umstand zu tun, dass es den Menschen nicht schnell genug geht. Nur 25 Prozent finden, dass in Luxemburg schnell genug geimpft wird.

Der emotionale Zustand der Bevölkerung

Die Pandemie, die Ungewissheit und die Einschränkungen im Alltag hinterlassen Spuren bei den Menschen. Ganz allgemein kann man aus der Umfrage herauslesen, dass der allgemeine psychische Zustand nicht gut ist. Die Menschen sind emotional angeschlagen und fühlen sich belastet. Das sagen 76 Prozent der Befragten. Bei den 18- bis 34-Jährigen liegt der Anteil sogar bei 82 Prozent, bei den 35- bis 54-Jährigen sind es 76 Prozent, am wenigsten belastet fühlen sich die über 55-Jährigen (71 Prozent).

In der Erhebung mussten die Teilnehmer aus jeweils vier Gemütszuständen den aussuchen, der am ehesten auf sie zutrifft. Das Ergebnis für die 18-bis 34-Jährigen: Sie sind im Vergleich zu den anderen Altersgruppen ungeduldiger, sie langweilen sich und sind müde. Bei den über 55-Jährigen überwiegt die Hoffnung und sie sind entspannter. Die Altersgruppe dazwischen ist ebenfalls ungeduldig und müde. Aber was alle gemeinsam haben: Sie bewahren Ruhe. 

Die Regierung kommt in der Umfrage recht gut davon. 77 Prozent sind mit der Arbeit der vergangenen drei Monate zufrieden, wobei die Zufriedenheit bei den Ausländern (84 Prozent) weitaus größer ist als bei den Luxemburgern (72 Prozent). Ähnlich verhält es sich mit dem Vertrauen der Menschen in die Regierung. Acht von zehn Befragten sind zuversichtlich, dass es der Regierung gelingen wird, das Land aus der Krise zu führen. Die Luxemburger (72 Prozent) sind da weniger zuversichtlich als die Ausländer (90 Prozent).


Was die Restriktionen und Maßnahmen betrifft, ist die Bevölkerung geteilter Meinung. Die Hälfte der Befragten (52 Prozent) halten sie für angemessen, die anderen für nicht angemessen: Ein Viertel (23 Prozent) hält die Maßnahmen für überzogen, während 20 Prozent sich noch strengere Maßnahmen wünschen.  

Auch hier unterscheiden sich die Luxemburger von den Ausländern. Die Luxemburger sind stärker als die Ausländer der Ansicht, dass die Maßnahmen überzogen (30 Prozent) oder nicht streng genug sind (23 Prozent). Nur 41 Prozent der Luxemburger finden die Maßnahmen angemessen (Ausländer: 64 Prozent). Die Ausländer sind demnach viel zufriedener mit den Maßnahmen als die Luxemburger. 

Streitthema Horesca-Schließung

Drei Maßnahmen stoßen bei der Bevölkerung auf breite Akzeptanz, sind demnach indiskutabel: Die Maskenpflicht im öffentlichen Transport und in den Geschäften, die Öffnung der Geschäfte und die Begrenzung von Menschenansammlungen auf 100 Personen. 

Gut angenommen wird auch das Large Scale Testing, die Maskenpflicht in den Schulen und die Einschränkung der individuellen Freiheiten (zwischen 72 und 76 Prozent), wobei die jungen Menschen am wenigsten von den Freiheitsbeschränkungen überzeugt sind. 

Mit der Ausgangssperre sind nur noch 55 Prozent einverstanden, wobei die Maßnahme bei den Ausländern auf eine recht hohe Akzeptanz stößt (63 Prozent). Bei den Luxemburgern schwindet die Akzeptanz und liegt nur noch bei 48 Prozent. Im November lag die Zustimmung für das „Couvre-feu“ noch bei 62 Prozent.

Am wenigsten Zustimmung findet die Schließung im Horesca-Bereich. 54 Prozent der Befragten sind mit dieser Maßnahme nicht einverstanden, zwölf Prozent sind weder dafür noch dagegen. Nur 34 Prozent finden diese Maßnahme angemessen. Es ist vor allem die aktive Bevölkerung, die sich dagegen ausspricht.  

Lesen Sie auch den Leitartikel zur Meinungsumfrage: „Corona-Krise befeuert Teilnahmslosigkeit“

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