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SNE: "Wir befinden uns in einer Notsituation"
Politik 4 Min. 30.10.2020 Aus unserem online-Archiv

SNE: "Wir befinden uns in einer Notsituation"

Eine allgemeine Maskenpflicht in den Schulen lehnte Bildungsminister Claude Meisch (DP) bisher ab. Die Wiedereinführung eines A/B-Systems steht zum jetzigen Zeitpunkt nicht auf dem Programm. Ganz ausgeschlossen werden kann es allerdings nicht.

SNE: "Wir befinden uns in einer Notsituation"

Eine allgemeine Maskenpflicht in den Schulen lehnte Bildungsminister Claude Meisch (DP) bisher ab. Die Wiedereinführung eines A/B-Systems steht zum jetzigen Zeitpunkt nicht auf dem Programm. Ganz ausgeschlossen werden kann es allerdings nicht.
Foto: DPA
Politik 4 Min. 30.10.2020 Aus unserem online-Archiv

SNE: "Wir befinden uns in einer Notsituation"

Michèle GANTENBEIN
Michèle GANTENBEIN
Die Lehrergewerkschaft SNE hat sich mit Bildungsminister Meisch über die Lage in den Schulen ausgetauscht. Das SNE hat an der Vorgehensweise der Regierung einiges auszusetzen.

Die Infektionslage in den Schulen ist beunruhigend und die Gewerkschaften haben viele Fragen an den zuständigen Minister. Am Donnerstag tauschte sich das Syndicat national des enseignants (SNE) mit Bildungsminister Claude Meisch (DP) über Video aus. Dabei wurden zahlreiche Punkte angesprochen, die der Gewerkschaft auf dem Herzen liegen.


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Die Gewerkschaft klagt über Inkohärenz beim Informationsfluss und der Handhabung der Maßnahmen im Falle von Infektionen - unter den Regionaldirektionen, aber auch zwischen den Direktionen und der Santé. „Der Minister sagt, das Bildungsministerium und die Gesundheitsbehörde seien sich nicht immer in allem einig und er könne nicht versprechen, dass das in Zukunft besser wird“, sagt SNE-Präsident Patrick Remakel am Freitag auf Nachfrage des „Luxemburger Wort“. Die unterschiedlichen Sichtweisen beziehen sich offenbar auf die Quarantänemaßnahmen. Das Bildungsministerium schicke Personen, die Kontakt zu einem Infizierten hatten, anders als die Santé nicht systematisch in Quarantäne, sondern prüfe die Dinge genauer, zitiert Remakel den Minister.

CO2-Ampeln, Raumlüfter, Fiebermessgeräte

Das SNE hatte bereits vor einiger Zeit den Einsatz von zusätzlichen Hilfsmitteln wie  CO2-Ampeln, Fiebermessgeräte oder Raumluftreiniger gefordert - Maßnahmen, die auch im 13-Punkte-Katalog der CSV zu finden sind. Bislang aber gab es kein grünes Licht für diese zusätzlichen Maßnahmen, offenbar, weil die Santé sich dagegen wehre. Claude Meisch will diese und andere Maßnahmen in den Herbstferien von der Santé erneut prüfen lassen, so wie er es am Mittwoch im Parlament angekündigt hatte. Das SNE beruft sich hierbei auf eine Studie der Bundeswehruniversität München, die Beweise für die Effizienz von Raumluftreinigern liefere, so Remakel. „Wir werden dem Minister die Studie zukommen lassen.“ 

Das größte Problem, mit dem wir zu kämpfen haben, ist, dass wir nicht wissen, wie die Dinge zu handhaben sind und dass sie überall anders gehandhabt werden.

Patrick Remakel, SNE

Schule und Maison relais

Inkohärenz sieht der SNE auch beim Zusammenspiel zwischen Schule und Maison relais. „Im Prinzip soll ein Kind, das mit seiner Klasse isoliert ist, nicht in die Maison relais gehen“, sagt Remakel, „außer die Eltern finden keine andere Lösung. Gleichzeitig sagt der Minister, man könne die Maison relais nicht zwingen, die Kinder aufzunehmen.“ Hier fehle es an klaren Anweisungen seitens des Bildungsministeriums. „Das größte Problem, mit dem wir zu kämpfen haben, ist, dass wir nicht wissen, wie die Dinge zu handhaben sind und dass sie überall anders gehandhabt werden.“

Inkohärent findet das SNE auch, dass Kinder in den Maisons relais vermischt werden. Hier laute das Argument des Ministers, Maison relais seien vergleichbar mit Sportvereinen und Freizeitaktivitäten. Dort würden die Kinder sich auch vermischen. Das SNE findet dieses Argument befremdlich. Das mache die Trennung in den Schulen eigentlich obsolet, meint Remakel. 

Verwalten statt unterrichten

Der SNE fordert des Weiteren, dass in der aktuellen Notsituation diplomierte Lehrer, die administrative Posten besetzen, in den Unterricht zurückberufen werden sollten, um dem Lehrermangel entgegenzuwirken und Klassenzusammenlegungen zu verhindern. Remakel räumt ein, dass das nicht alle Probleme löse, „aber es wäre ein gutes und richtiges Signal an die Lehrer. Es geht um das blanke Überleben“. An normalen Unterricht sei im Falle von Klassenzusammenlegungen nicht zu denken. „Es geht dann eigentlich nur darum, die Kinder nicht unbeaufsichtigt zu lassen.“ 

Wir befinden uns in einer Notsituation und müssen alle Ressourcen mobilisieren, um die Lage im Griff zu behalten.

Patrick Remakel

Rekrutierung von Hilfspersonal

Das Parlament hat diese Woche ein Gesetz verabschiedet, dass die Rekrutierung von Schulpersonal ohne Praktikum vorsieht - für das SNE ein Unding. „Die Rekrutierug hätte im Sommer stattfinden müssen,“, sagt Remakel, der Claude Meisch vorwirft, die Situation falsch eingeschätzt und nicht rechtzeitig vorgesorgt zu haben. 


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Der SNE-Präsident kann auch nicht nachvollziehen, dass diplomierte Lehrer - in diesem Fall die IDS, die für den Schulentwicklungsplan zuständig sind - das Tracing in den Schulen machen. Das Tracing könne von administrativem Personal gemacht werden, findet Remakel, zum Beispiel von Mitarbeitern aus den Regionaldirektionen. Die Lehrer gehörten in den Unterricht. 

Personal aus den Regionaldirektionen mit dem Tracing zu beauftragen, komme aber für den Minister nicht in Frage. Warum, weiß der Gewerkschaftspräsident nicht. Verständnis dafür hat er keins. „Wir befinden uns in einer Notsituation und müssen alle Ressourcen mobilisieren, um die Lage im Griff zu behalten.“ Und: „Noch haben wir keine normalen Grippefälle, dennoch fehlt es uns bereits heute an Ersatzpersonal“, gibt der SNE-Präsident zu bedenken.   

Lehrer und Schüler häufiger testen

In den letzten Tagen wurde der Ruf auch immer lauter, Schüler und Lehrer systematisch zu testen, um Infektionsketten vorzubeugen. In dieser Frage habe der Minister auf die Santé verwiesen, für die die Schulen kein prioritärer Sektor seien. Darüber hinaus beklagt das SNE die langen Wartezeiten, um sich testen zu lassen. Es sei wichtig, Lehrer und Schüler im Testprogramm mit einer höheren Frequenz einzutragen.   

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