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SNE fordert Verbesserungen im Grundschulwesen
Politik 3 Min. 12.02.2020

SNE fordert Verbesserungen im Grundschulwesen

Die Lehrergewerkschaft SNE hat die Beschwerden der Grundschullehrer gesammelt und will jetzt für Remedur sorgen.

SNE fordert Verbesserungen im Grundschulwesen

Die Lehrergewerkschaft SNE hat die Beschwerden der Grundschullehrer gesammelt und will jetzt für Remedur sorgen.
Foto: Guy Wolff
Politik 3 Min. 12.02.2020

SNE fordert Verbesserungen im Grundschulwesen

Michèle GANTENBEIN
Michèle GANTENBEIN
Die Lehrergewerkschaft SNE hat sich bei ihren Mitgliedern umgehört, wo der Schuh drückt. Die Gewerkschaft hat die Kritikpunkte und Verbesserungsvorschläge in einem Lastenheft gebündelt und am Mittwoch vorgestellt.

Unter dem Motto "Meet & Move" hat das Syndicat national des enseignants (SNE), eine Unterorganisation der CGFP, im Herbst 2019 regionale Versammlungen in 30 Gemeinden organisiert und sich bei ihren Mitgliedern umgehört. Herausgekommen ist ein Lastenheft mit Verbesserungsvorschlägen und Forderungen für das Grundschulwesen, das die Gewerkschaft Bildungsminister Claude Meisch (DP) unterbreiten wird.  

Am meisten beschäftigen die Lehrer die Betreuung von Kindern mit sogenannten spezifischen Bedürfnissen, die Gesundheit der Kinder und die Zunahme des Gewaltphänomens an Schulen. "Die Politik muss endlich bereit sein, den Lehrern zuzuhören und ihnen Glauben zu schenken, wenn sie von bedenklichen Situationen im Schulalltag berichten”, forderte SNE-Präsident Patrick Remakel am Mittwoch bei der Vorstellung des Lastenheftes. Die Politik müsse den Mut aufbringen, die notwendigen Maßnahmen zu ergreifen, "auch wenn sie einen finanziellen Impakt haben", so Remakel. 

Die Gewerkschaft forderte in diesem Zusammenhang, eine Präventions- und Interventionsstruktur mit sozioedukativem und medizinischem Personal zu schaffen, die allein den Schulen untersteht und schnell und präventiv eingreifen kann.   

SNE-Präsident Patrick Remakel am Mittwoch bei der Vorstellung des Lastenheftes einige Forderungen.
SNE-Präsident Patrick Remakel am Mittwoch bei der Vorstellung des Lastenheftes einige Forderungen.
Foto: Guy Wolff

Es fehlt nach Ansicht der Gewerkschaft an IEBS - Lehrern, die mit förderbedürftigen Kindern arbeiten - und an qualifiziertem Personal in den ESEB (Equipes de soutien des élèves à besoins éducatifs particuliers ou spécifiques). Dabei handelt es sich um Teams, die auf der Ebene der Schuldirektionen angesiedelt sind und - bei Bedarf - den Lehrern in den Klassen zur Hand gehen. 

Es dauere viel zu lange, bis die Hilfskräfte in den Schulen ankommen. Schuld seien die langwierigen und schwerfälligen Prozeduren. Auch fehle es infolge des häufigen Personalwechsels an Stabilität in den ESEB. Das habe negative Auswirkungen auf die Entwicklung der Kinder, so der SNE-Präsident.

Die nationalen Kompetenzzentren müssen reaktiver werden und Schüler, die nicht beschult werden können, schneller und unbürokratischer aufnehmen, fand der SNE-Vorsitzende. Das SNE fordert darüber hinaus eine bessere Zusammenarbeit aller Akteure und weniger Bürokratie auf der Ebene der Commission d’inclusion.  

Attraktivität des Lehrberufs

Die Gewerkschaft sorgt sich um die Attraktivität des Lehrerberufs und fordert, dass der Lehrauftrag wieder im Mittelpunkt des Lehrerdaseins stehen sollte und die administrativen Aufgaben auf ein striktes Minimum reduziert werden. Das bedeutet auch: weniger Formalismus im Zusammenhang mit der Betreuung von Kindern mit Förderbedarf.


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Der SNE möchte, dass die Missionen der Regionaldirektionen neu definiert werden. Die Lehrer erleben die Direktionen als Kontrollorgan und fordern mehr Vertrauen und Hilfestellung. “Der Fokus muss auf der Zusammenarbeit mit den Lehrern liegen”, so Remakel.

Um den Lehrermangel in den Griff zu bekommen, muss die Uni mehr Lehramtsstudenten aufnehmen, lautet eine weitere Forderung der Gewerkschaft. Das impliziert, dass die Zulassungskriterien geändert werden, allerdings ohne Qualitätseinbußen beim künftigen Lehrpersonal. Alle Lehrer sollten auf Master-Niveau rekrutiert werden, so eine weitere Forderung des SNE.

Ein weiteres Problem ist das Lehrerkontingent. Die Gewerkschaft fordert, dass die Klassengrößen von durchschnittlich 16 auf 15 Kinder reduziert werden. Schulen in sozialen Brennpunkten bräuchten einen höheren Personalschlüssel.  Hier war es die Forderung, den "Indice social" anzuheben und einen Korrekturkoeffizienten einzuführen, um der Betreuung von förderbedürftigen Kindern Rechnung zu tragen.

Lehrer sollen wieder entscheiden

In Sachen Schülerorientierung verlangt die Gewerkschaft eine Rolle rückwärts. Die Orientierungsentscheidung müsse von den Pädagogen getroffen werden. Sollten Eltern nicht einverstanden sein, müssten die Schüler sich - wie vor der Reform - einer Prüfung unterziehen.



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