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SNE: "Finger weg von der Lehrer-Tâche"
Politik 3 Min. 17.12.2018 Aus unserem online-Archiv

SNE: "Finger weg von der Lehrer-Tâche"

Der Bildungsminister möchte, dass die Schulen Hausaufgabenkonzepte erstellen.

SNE: "Finger weg von der Lehrer-Tâche"

Der Bildungsminister möchte, dass die Schulen Hausaufgabenkonzepte erstellen.
Foto: Guy Wolff
Politik 3 Min. 17.12.2018 Aus unserem online-Archiv

SNE: "Finger weg von der Lehrer-Tâche"

Michèle GANTENBEIN
Michèle GANTENBEIN
Das Syndicat national des enseignants (SNE) hat sich das bildungspolitische Kapitel im Regierungsprogramm angeschaut und dort Dinge entdeckt, die ihr nicht so gut gefallen.

Das Regierungsprogramm biete reichlich Interpretationsspielraum, sagte der SNE-Vorsitzende Patrick Remakel am Montag bei einer Pressekonferenz zu den bildungspolitischen Ankündigungen der Regierung. Das hält die Gewerkschaft aber nicht davon ab, den Bildungsminister wissen zu lassen, was ihre Forderungen sind und womit sie in keinem Fall einverstanden ist.

Der SNE hofft zunächst einmal, dass der Bildungsminister sein Versprechen einhalten und Ruhe in den Schulen einkehren lassen wird. In den vergangenen Jahren seien zu viele Reformen zu schnell umgesetzt worden. Der Teufel liege bekanntlich im Detail, sprich in der Umsetzung der auf dem Papier geplanten Reformen. Maßnahmen, die sich in der Praxis als nicht tauglich erweisen würden, müssten nachgebessert oder zur Not rückgängig gemacht werden, so Remakel.


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Die angekündigte Schaffung eines Bildungstischs wird vom SNE mit Argwohn zur Kenntnis genommen. Die Gewerkschaft wehrt sich nicht gegen die Einbindung von Eltern, Schülern und anderen gesellschaftlichen Vertretern in bildungspolitische Diskussionen. Sie wehrt sich aber dagegen, dass der Bildungstisch - er setzt sich zusammen aus Eltern- und Schülervertretern, Schuldirektoren, Gewerkschaften, Vertretern des Bildungsministeriums, den nationalen Kompetenzzentren und dem Observatoire de la qualité scolaire, dem Médiateur scolaire sowie Vertretern aus Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft - über die Grundausbildung und die Rekrutierung von Lehrern entscheiden soll. Genährt wird das Misstrauen der SNE-Vertreter auch durch die Tatsache, dass die Lehrer bei der ersten Vorstellung des Bildungstischs Mitte Januar 2018 gar nicht vorgesehen waren.

Die Annäherung zwischen der Universität und dem Aus- und Fortbildungsinstitut IFEN erweckt beim SNE ebenso Skepsis wie die kostenlose Kinderbetreuung während der Schulwochen in den Maisons relais. Der SNE ist kategorisch gegen eine Auslagerung oder Teilauslagerung der Lehrerausbildung ins IFEN. Die Grundausbildung müsse eine universitäre Ausbildung bleiben, sagte Remakel. Mehr noch. Der SNE fordert eine Grundausbildung auf Master-Ebene "wie in allen anderen Ländern auch". Vorstellbar sei eine dreijährige pädagogische Grundausbildung gefolgt von einer Spezialisierung in einzelnen Fächern (Mathematik, Sprachen, Naturwissenschaften usw.) zusätzlich zu den von der Regierung im Programm angekündigten Spezialisierungen in Sonderpädagogik, Schulmanagement und Digitalisierung.

Die Regierung möchte die formale Bildung (Schule) und die non-formale Bildung (Maisons relais) näher zusammenbringen. Die Betreuung in den Maisons relais soll während den Schulwochen kostenlos sein und das Modell der Ganztagsschulen soll ausgebaut werden. Das alles lässt den SNE vermuten, dass der längerfristige Plan der Regierung darin bestehen könnte, flächendeckend Ganztagsschulen einzuführen, bei denen der formale und der non-formale Bereich miteinander verschmelzen.

Der SNE kündigte am Montag heftigsten Widerstand an, sollte das der Plan der Regierung sein. Die Entscheidung, wie eng und in welcher Form die Schulen und die außerschulischen Betreuungsstrukturen zusammenarbeiten, müsse den Schulen und Maisons relais vorbehalten sein und dürfe nicht von oben herab diktiert werden, so der SNE-Vorsitzende. Schulen und Maisons relais hätten zwei verschiedene Bildungsaufträge, so Remakel.

Weitere Forderungen

Der SNE möchte, dass das Referendariat grundsätzlich reformiert wird. Der Stage müsse einen Mehrwert darstellen. Die Kurse am IFEN müssten angepasst werden, um sicherzustellen, dass es sich nicht um Wiederholungskurse aus der Initialausbildung handelt.


Beim Start in die formale Bildung haben die Kinder noch mehr oder weniger gleich gute Chancen, doch danach geht die Schere schnell auf.
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Er wurde mit Spannung erwartet: Der nationale Bildungsbericht. Er ist der zweite seiner Art. Der erste wurde 1015 veröffentlicht. Ein zentrales Thema in beiden Berichten sind die Bildungsungleichheiten im Luxemburger Schulsystem.

Der SNE begrüßt die geplante Einführung von spezialisierten Lehrern (IEBS) im digitalen Bereich, möchte aber, dass diese IEBS wie die anderen auch in den Schulen angesiedelt werden statt im Bildungsministerium (Script) und kontingentunabhängig eingestellt werden. Der SNE möchte nicht, dass sich ihre Rolle darauf beschränkt, Lehrer in digitalen Dingen zu beraten. "Sie sollen in den Schulen mit den Kindern arbeiten", so Gilles Glesener vom SNE. 

Keine neuen Forderungen an Lehrer stellen

Angesichts des Lehrermangels wehrt die Gewerkschaft sich gegen die weitere Rekrutierung von Lehrern für administrative Aufgaben und ist auch wenig angetan von der Idee, dass die Schulen ein Hausaufgabenkonzept erstellen sollen. Lehrer dürften auf keinen Fall zur Hausaufgabenhilfe gezwungen werden. "Finger weg von der Lehrer-Tâche und Finger weg vom Stundenplan", so Gilles Glesener. 



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