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Siebenpfeiffer-Preis für Can Dündar: „Das größte Journalistengefängnis der Welt"
Politik 12.11.2017 Aus unserem online-Archiv

Siebenpfeiffer-Preis für Can Dündar: „Das größte Journalistengefängnis der Welt"

Can Dündar und Jean Asselborn in Homburg.

Siebenpfeiffer-Preis für Can Dündar: „Das größte Journalistengefängnis der Welt"

Can Dündar und Jean Asselborn in Homburg.
Foto: MAE
Politik 12.11.2017 Aus unserem online-Archiv

Siebenpfeiffer-Preis für Can Dündar: „Das größte Journalistengefängnis der Welt"

Pol SCHOCK
Pol SCHOCK
Der türkische Journalist Can Dündar ist im saarländischen Homburg für seinen Einsatz für Demokratie und Meinungsfreiheit in der Türkei geehrt worden. Minister Jean Asselborn kritisierte die Türkei in seiner Laudatio stark.

(dpa/ps) - Der türkische Journalist Can Dündar (56) ist im saarländischen Homburg für seinen Einsatz für Demokratie und Meinungsfreiheit in der Türkei geehrt worden. „Europa hat bei all dem auch eine Verantwortung“, sagte Dündar am Sonntag, als er den Siebenpfeiffer-Preis 2017 erhielt. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan sei „nicht nur unser Problem, sondern das Problem des ganzen Europas.“ Er kritisierte die Europäische Union, weil sie wegen des Flüchtlingszustroms zu nachsichtig mit Erdogan sei: „Wir müssen nun zusammenstehen.“

Dündar war von 2013-2016 Chefredakteur der ältesten türkischen Zeitung, „Cumhuriyet“ (Die Republik). Er wurde im November 2015 verhaftet und beschuldigt, Staatsgeheimnisse verraten zu haben, einen Staatsstreich geplant zu haben sowie eine terroristische Organisation zu unterstützen. Nachdem er etwas überraschend nach drei Monaten freikam, konnte er sich nach Berlin ins Exil absetzen, wo er bis jetzt lebt.

Türkei: Zusammenbruch eines Rechtsstaates

Außenminister Jean Asselborn erinnerte in seiner Laudatio an die vielen weiteren  Journalisten, die in der Türkei bedroht werden oder im Gefängnis sitzen, wie etwa den „Welt”-Korrespondenten Deniz Yücel. „In keinem Land der Welt befinden sich derzeit mehr Journalisten im Gefängnis als in der Türkei”, sagte Asselborn. Die Türkei sei  „das größte Journalistengefängnis der Welt.“ Asselborn zeichnete ein schwarzes Bild der gegenwärtigen Lage in der Türkei:  Der Zusammenbruch des Rechtsstaates im „Ein-Personen-Regime“ werde sich unweigerlich fortsetzen. Doch auch die Lage in Polen und Ungarn rufe Bedenken hervor.

Der mit 10 000 Euro dotierte Siebenpfeiffer-Preis ist nach Philipp Jakob Siebenpfeiffer (1789-1845) benannt, einen der Initiatoren des Hambacher Festes, bei dem Menschen in der Pfalz 1832 für Freiheit und Demokratie demonstrierten. Der Intendant des Saarländischen Rundfunks, Thomas Kleist, bedauerte die Verschlechterung der Lage der Journalisten in der Türkei und anderen Ländern. Die Pressefreiheit als Grundpfeiler des modernen Staatswesens sei „keineswegs so selbstverständlich, wie wir manchmal meinen“.


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