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Sexuelle Gewalt gegen Kinder: Aufklärung beste Waffe
Politik 3 Min. 15.07.2020

Sexuelle Gewalt gegen Kinder: Aufklärung beste Waffe

Sexuelle Gewalt gegen Kinder: Aufklärung beste Waffe

Foto: Pixabay
Politik 3 Min. 15.07.2020

Sexuelle Gewalt gegen Kinder: Aufklärung beste Waffe

Morgan KUNTZMANN
Morgan KUNTZMANN
ECPAT veröffentlicht ihren Bericht zur Wahrnehmung der sexuellen Ausbeutung von Kindern in der Luxemburger Gesellschaft. Prävention ist das A und O.

Wie die jüngst wiederkehrenden Skandale gezeigt haben, gibt es sexuelle Ausbeutung und Missbrauch von Kindern überall auf der Welt, Luxemburg nicht ausgeschlossen. Doch was weiß die luxemburgische Bevölkerung über das Problem der sexuellen Gewalt gegen Kinder? Wie wird die Ausbeutung von Kindern in der Prostitution oder die Notwendigkeit, die eigenen Kinder vor sexuellen Online-Straftätern zu schützen, beurteilt? 

Am Mittwoch hat der Kinderschutzverein ECPAT seinen Bericht über die Wahrnehmung der sexuellen Ausbeutung von Kindern in Luxemburg vorgestellt Ziel der Umfrage ist es, die Aufmerksamkeit auf die Notwendigkeit einer übergreifenden Kinderschutzpolitik in Luxemburg zu lenken. Nach 2011 und 2015, hat das Netzwerk im August 2019 eine neue nationale Untersuchung unter 1.113 Bewohner-Luxemburgs durchgeführt. 

Eine Erkenntnis: Die Digitalisierung hat seit 2015 rasant zugenommen. „Teilweise haben wir uns auch deshalb dafür entschieden diese Pressekonferenz online abzuhalten,“ so ECPAT-Direktor Thomas Kauffmann und fügte an, „Online kann man viele Menschen erreichen und dabei sowohl gutes aber auch böses bewirken.“ 

Online-Gefahr durch Grooming 

Dem Kinderschutznetzwerk ECPAT nach, hat die Covid-Krise dargelegt, in welchem Maße Kinder anfällig für diese Online-Straftaten sein können. Trotzdem werde die Gefahr, die vom Internet ausgeht, noch immer unterschätzt. „Viele Erwachsene wissen nicht, was ihre Kinder im Internet tun,“ so Direktor Kauffmann. Dabei sei nachgewiesen, dass durch das Aufkommen der sozialen Medien, die Bilderanzahl von Kindern in den letzten Jahren zugenommen hat. „Manche Kinder sind bereits mit 13 Jahren in den sozialen Netzwerken aktiv“, erklärte der Soziologe Tommy Klein, der die Untersuchung geleitet hat. Beispielsweise gibt es das Phänomen des „Grooming“. Auf Deutsch bedeutet das Wort sinngemäß Anbahnung. 


ARCHIV - 11.11.2019, Nordrhein-Westfalen, Alsdorf: Ein Haus wird von der Polizei mit Unterstützung des THW durchsucht. Hier wurde im Zusammenhang mit dem Missbrauchskomplex Bergisch Gladbach ein Verdächtiger festgenommenen und seine Wohnung durchsucht. Im Fall Bergisch Gladbach sind die Ermittler auf Spuren von mehr als 30 000 Verdächtigen gestoßen. Das hat NRW-Justizminister Biesenbach (CDU) am Montag in Düsseldorf mitgeteilt. In Foren und Messengerdiensten gingen die Pädo-Kriminellen ganz unverhohlen mit ihren Missbrauchstaten um, heizten sich an und gäben sich Tipps. Foto: Dagmar Meyer-Roeger/dmp press/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Missbrauchsskandal: Spuren von 30.000 Verdächtigen entdeckt
Ermittler gegen Kindesmissbrauch und Kinderpornografie sind in Deutschland auf eine neue Dimension gestoßen. Sie entdeckten Tarnnamen und Spuren von mehr als 30.000 Verdächtigen.

Damit bezeichnet man ein Phänomen, wo Erwachsene gezielt Minderjährige in Missbrauchsabsicht online kontaktieren. Viele Kinder wissen nicht, dass solche Anbahnungen von Erwachsenen an Kinder strafbar sind. „Neue Technologien sind großartige Werkzeuge, aber sie stellen auch eine schreckliche Gefahr für die Kinder dar“, erklärt Thomas Kauffmann. 

Ein Ansatz, der von der großen Mehrheit der Umfrageteilnehmer geteilt wird. Je nach den behandelten Themen glauben zwischen 82 und 97 Prozent, dass das Internet ernsthafte Risiken birgt. Die befragten Personen zögerten nicht, die Rolle von sozialen Netzwerken, Internet-Providern und Mobilfunkbetreibern im Falle von Grooming oder dem Besitz von Darstellungen über sexuellen Kindesmissbrauch hervorzuheben. 

Aufklärung dient der Prävention 

„Das probateste Mittel gegen jedwede sexuelle Gewalt gegenüber Kindern ist aufklären“, beschrieb am Mittwoch Kauffmann die Situation. Auch wenn das Thema für die Gesellschaft unangenehm sei, müsse man darüber reden, um der sexualisierten Gewalt gegenüber Kinder Einhalt zu gebieten. „Daher die Wichtigkeit unserer Aufklärungskampagnen“, erklärte er. Somit könne man das Problem gesamtgesellschaftlich gesehen angehen. 


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Vater von isolierter Familie soll Kinder missbraucht haben
Dem 67-jährigen Vater von neun Kindern wird Geldwäsche, Freiheitsentzug, Kindesmisshandlung und sexueller Missbrauch vorgeworfen.

„Die angesprochenen Thematiken, gehen uns alle an“, so der Direktor, „jeder ist für den Kampf gegen Kindesmissbrauch verantwortlich. Nicht nur Institutionen, wie die Polizei.“ Die um 50 Prozent gestiegene Benutzung der Bee Secure Stopline, bei der man Pedopornografie melden kann, sei ein Beweis dafür. „Dies kann einerseits damit zusammenhängen, dass die Menschen sich dieser Problematik eher bewusst sind, aber auch, dass das Angebot an Darstellungen von sexuellem Kindesmissbrauch gestiegen sei“, erklärte Soziologe Klein. 

Bedeutung der Wörter 

Wie wichtig die richtige Wortwahl bei einem solchen Thema ist, zeigte sich, als weitere Studienergebnisse der Umfrage vorgestellt wurden. Während man früher von Kinderpornografie sprach, solle man besser von Darstellungen von sexuellem Kindesmissbrauch reden, so der ECPAT-Verantwortliche. „Das Wort Kinderpornografie lässt den Eindruck entstehen, dass es sich um eine Unterart der Pornografie handelt. Nein, das sind aufgenommene sexuelle Misshandlungen von Kindern“, sagte Kauffmann und gab an, dass ECPAT-Luxemburg auch im französischen und luxemburgischen die Semantik voranbringen möchte. 

Dasselbe gilt für das, was früher als Kindersextourismus bezeichnet wurde. „Der Begriff sexuelle Ausbeutung von Kindern auf Reisen und im Tourismus ist viel passender“, so der Direktor. 

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