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SEW-Umfrage: Wie geht es Luxemburgs Lehrern?
743 Grundschullehrer haben an einer Umfrage des SEW/OGBL teilgenommen und Angaben zu ihrem Befinden und ihrem beruflichen Alltag gemacht.

SEW-Umfrage: Wie geht es Luxemburgs Lehrern?

Foto: Pierre Matgé
743 Grundschullehrer haben an einer Umfrage des SEW/OGBL teilgenommen und Angaben zu ihrem Befinden und ihrem beruflichen Alltag gemacht.
Politik 2 Min. 13.06.2019

SEW-Umfrage: Wie geht es Luxemburgs Lehrern?

Michèle GANTENBEIN
Michèle GANTENBEIN
Wie empfinden Grundschullehrer den Berufsalltag, seit der Fondamental vor zehn Jahren grundlegend verändert wurde? Am Donnerstag hat die Lehrergewerkschaft SEW/OGBL die Ergebnisse ihre Umfrage bekannt gegeben.

Der SEW/OGBL gehört zu den großen Kritikern der Luxemburger Bildungspolitik. Die Beschwerdeliste ist lang: schwierige Arbeitsbedingungen, zu viel Bürokratie, zu wenig Hilfe in den Klassen, zu viele externe Experten, die coachen statt zu helfen. Die Gewerkschaft wurde in den vergangenen Jahren nicht müde, immer wieder darauf hinzuweisen, wo aus ihrer Sicht der Schuh in den Schulen drückt. Nun hat sie eine Umfrage bei den Lehrern gestartet, um den Puls zu fühlen, und die Ergebnisse am Donnerstag bei einer Pressekonferenz bekanntgegeben. Das Ziel, so SEW-Präsident Patrick Arendt, sei nicht zu jammern, sondern Verbesserungen herbeizuführen.


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Von geschätzten 6.500 Lehrern, Chargés und Referendaren sind 743 Antworten eingegangen, was rund elf Prozent der gesamten Lehrerschaft ausmacht. Von den Teilnehmern sind 80 Prozent Frauen und 20 Prozent Männer. Die meisten Teilnehmer stammen aus Schulen, die der Regionaldirektion Petingen unterstehen. Petingen ist eine der Regionaldirektionen, die am schlechtesten bewertet wurde. Auch Esch/Alzette kommt in der Bewertung nicht besonders gut weg. Den Lehrern mangelt es an Respekt und Unterstützung. 

Zwar fühlen sich nur wenige im Job überfordert, doch der Großteil der Befragten gibt an, beruflich stark gefordert zu sein. 97 Prozent der Lehrer sagen, dass sie gerne unterrichten. Allerdings sagen gleichzeitig zwei Drittel der Befragten, dass sie den Job unter den aktuellen Bedingungen nicht mehr wählen würden. Drei Viertel der Teilnehmer würden jungen Menschen sogar vom Beruf abraten.  "Das zeigt, dass hier ein großes Problem besteht", kommentiert Patrick Arendt dieses Ergebnis. Die Befragten (80 Prozent) finden auch, dass der Lehrerberuf von der Gesellschaft, den Medien und der Politik gar nicht oder nur geringfügig respektiert wird.

Die Umfrage beinhaltet auch eine Kommentarfunktion. Diese wurde Arendt zufolge häufig genutzt, zum Beispiel, um den gesundheitlichen Zustand zu beschreiben. 75 Prozent geben an, dass der Beruf negative gesundheitliche Auswirkungen auf sie habe. Die am häufigsten genannten Krankheitserscheinungen seien Stresssymptome, Schlafstörungen, Burn-out und ein permanentes Gefühl von Überforderung, so der SEW-Vorsitzende. Die Folge davon seien immer mehr Krankschreibungen und immer mehr Lehrer, die in Teilzeit flüchten.

Bei der Frage, was sich zum Schlechten verändert habe, werden laut dem SEW Dinge genannt wie zu viel bürokratischer Aufwand, das Gefühl von Kontrolle, die nach wie vor eher unverständlichen Bewertungs-Bilans, die Erwartungshaltung, dass man als Lehrer ständig erreichbar sein müsse sowie  dass die Eltern ein zu großes Mitspracherecht hätten und die Direktionen im Falle von Konflikten zunächst Partei für die Eltern ergreifen würden. Zudem tue die permanente Fremdbetreuung in den Maisons relais den Kindern nicht gut und erschwere den Unterricht, besonders nachmittags.

Regionaldirektionen abschaffen

Die Regionaldirektionen werden als wenig hilfreich bis hin zu überflüssig empfunden. Ein Drittel der Befragten sagen, dass die Einführung der Regionaldirektionen ihre Arbeit eher behindert als verbessert, was vor allem mit dem bürokratischem Aufwand zu tun hat, der seit der Einführung der Direktionen offenbar zugenommen hat. "Wir fordern die Abschaffung der Regionaldirektionen", sagt Patrick Arendt, womit er meint, dass die Direktionen sich auf ihre pädagogische Rolle beschränken sollten, statt den Lehrern mit administrativem Aufwand das Leben schwer zu machen. 

Der SEW hofft auf einen konstruktiven Dialog mit dem Bildungsministerium über die Ergebnisse der Umfrage. Das Ministerium habe Interesse bekundet, ein Termin mit Minister Claude Meisch sei bereits angefragt.




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