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SEW: "Bildungssystem ist in einer ernsten Krise"
Politik 2 Min. 11.09.2019

SEW: "Bildungssystem ist in einer ernsten Krise"

Laut einer Umfrage des SEW/OGBL sind viele Lehrer unzufrieden mit den Reformen der vergangenen Jahre.

SEW: "Bildungssystem ist in einer ernsten Krise"

Laut einer Umfrage des SEW/OGBL sind viele Lehrer unzufrieden mit den Reformen der vergangenen Jahre.
Foto: Pierre Matgé
Politik 2 Min. 11.09.2019

SEW: "Bildungssystem ist in einer ernsten Krise"

Michèle GANTENBEIN
Michèle GANTENBEIN
Der SEW hat eine Umfrage bei den Sekundarschullehrern gemacht. Die Ergebnisse sind deckungsgleich mit denen aus dem Fondamental. Die Lehrer erleben ihren Job als belastend und raten jungen Menschen davon ab.

Die Umfrage, die die Lehrergewerkschaft SEW/OGBL bei 370 Sekundarschullehrern gemacht hat, kommt in etwa zu den gleichen Ergebnissen wie die bei den Grundschullehrern, nur dass die Ergebnisse im Fondamental noch einen Tick niederschmetternder sind als im Secondaire. Mit 370 Teilnehmern ist die Umfrage nicht repräsentativ, der SEW vertritt aber die Meinung, dass es reiche, um allgemeine Schlussfolgerungen aus den Ergebnissen ziehen zu können.  


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Laut der Umfrage fühlen sich 80 Prozent der Lehrer im Secondaire beruflich nicht anerkannt (Fondamental: 90 Prozent), 70 Prozent nicht respektiert (Fondamental: 85 Prozent), 62 Prozent sind beruflich unzufrieden (Fondamental: 85 Prozent), 85 Prozent erleben den Lehrerjob als belastend oder sehr belastend (Fondamental: 88 Prozent). Fast alle (97 Prozent) gaben an, den Beruf gerne auszuüben, aber 43 Prozent würden ihn heute nicht mehr ergreifen (Fondamental: 61 Prozent) und 57 Prozent raten jungen Menschen vom Beruf ab (Fondamental: 76 Prozent). 

Ein Grund für die noch größere Unzufriedenheit im Fondamental liegt nach Ansicht von SEW-Vizepräsident Jules Barthel darin begründet, "dass die vielen nicht gelungenen Reformen der vergangenen Jahre im Fondamental voll zum negativen Tragen kommen und wir im Secondaire diese Schüler erst nach und nach bekommen", so Barthel bei der Rentrée-Pressekonferenz des SEW am Mittwoch.

Die Lehrer konnten auch Verbesserungsvorschläge machen. So sollten die neuen Technologien sinnvoll und punktuell als ein pädagogisches Mittel unter vielen eingesetzt werden. Zudem rieten die Lehrer von einer massiven Nutzung von iPads in der Unterstufe ab, weil die Schüler in dem Alter noch nicht über den nötigen Reifegrad für eine intensive Nutzung dieses Instruments verfügten. Beanstandet wurde auch die hohe Schülerzahl pro Klasse und der Wunsch geäußert, die Zahl auf 20 Schüler pro Klasse zu begrenzen. 

Was den Lehrern aber auch zusetzt, ist laut dem SEW die fehlenden Mittel für die Umsetzung der Reformmaßnahmen. "Der Minister führt Neuerungen ein, zum Beispiel im Bereich neue Technologien, und macht Werbung dafür, aber es fehlt sowohl an Personal als auch an Infrastrukturen, um diese Dinge korrekt umzusetzen", so Jules Barthel. Auch für die geplante Einführung der I-Sektion in allen Schulen des Landes im kommenden Jahr sieht der SEW angesichts des Informatikermangels schwarz.

Kinder ohne Stressresistenz

SEW-Präsident Patrick Arendt beklagte die Kürzung der Zahl der Unterrichtsstunden (Kontingent) in den vergangenen zehn Jahren. Diese Maßnahme habe dazu geführt, dass kein Spielraum mehr bleibt, um in Krisensituationen unmittelbar zu reagieren. "Und davon haben wir immer mehr", so Arendt, "Kinder, die nicht im Klassenverband funktionieren, Kinder ohne Stressresistenz und die kein Nein akzeptieren“. Von den Spezialisten, die in der Klasse intervenieren sollen, seien nicht genügend verfügbar, so noch der SEW-Vorsitzende. 

Zur Bekämpfung des Lehrermangels werden seit vergangenem Jahr Quereinsteiger rekrutiert, die vom Aus- und Weiterbildungsinstitut IFEN ausgebildet werden. "Wir brauchen sie", sagte Arendt, langfristig aber sei das keine Lösung. "Es muss alles dafür getan werden, dass wieder genügend Lehrer ausgebildet werden." 


 




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