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Sekundarschulreform: Alles können, nichts müssen
Im Classique wird die Zahl der Prüfungsfächer auf der Abschlussklasse im kommenden Jahr auf sechs reduziert. Im Technique erfolgt die Reform erst ein Jahr später.

Sekundarschulreform: Alles können, nichts müssen

Foto: Chris Karaba
Im Classique wird die Zahl der Prüfungsfächer auf der Abschlussklasse im kommenden Jahr auf sechs reduziert. Im Technique erfolgt die Reform erst ein Jahr später.
Politik 2 Min. 06.07.2017

Sekundarschulreform: Alles können, nichts müssen

Michèle GANTENBEIN
Michèle GANTENBEIN
Wenn am Donnerstag der Gesetzentwurf 7074 vom Parlament verabschiedet wird, wird sich einer ganz groß freuen: Bildungsminister Claude Meisch. Ihm ist es gelungen, eine Sekundarschulreform auf den Weg zu bringen, gegen die niemand sich auflehnt. Das hat seine Gründe.

(mig) - Am Mittwoch war die Presse zu zwei Terminen über die Sekundarschulreform eingeladen. Um 10 Uhr erklärte die CSV den Journalisten, warum die von der Regierung als Meilenstein angekündigte Reform in ihren Augen nichts als eine Mini-Reform ist, bei der sich im Kern nichts ändert. Um 11 Uhr lud der medienerfahrene Bildungsminister die Pressevertreter zu einer Art Wiederholungsstunde über die einzelnen Reformpunkte ein, um das Wissen der Journalisten einen Tag vor der Abstimmung im Parlament etwas aufzufrischen.

„E grousse Moment fir mech“

Claude Meisch ist stolz auf seine Reform, weil sie ohne Streit über die Bühne ging und weil er fundamental davon überzeugt ist, dem Bildungssystem einen Modernisierungsschub verpasst zu haben. Meisch sprach von einem „grousse Moment fir mech selwer, mee awer och fir eise Bildungssystem, well mir weisen, dass de System sech reforméiere léisst an dass e Konsens méiglech ass“.

Tatsächlich hat sich seit vergangenem Oktober, seit also der Gesetzentwurf auf den Instanzenweg gebracht worden war, kein Widerstand geregt. Weder bei den Lehrerkomitees noch bei den Gewerkschaften. Bei Bildungsreformen ist das unüblich.

Erreichen konnte Meisch das nur, indem er darauf verzichtete, am bestehenden System etwas Grundlegendes zu ändern. Das Sektionensystem und der Sprachunterricht blei
ben unangetastet. Schulen können Neues auf den Weg bringen, z.B. neue Fächerkombinationen innerhalb der bestehenden Sektionen, müssen aber nicht.

Die Schulen können auch am bisherigen Sprachunterricht festhalten oder neue Varianten anbieten (z.B. Mathematik auf Deutsch, Französisch als Fremdsprache, Englisch als Unterrichtssprache). Ein anderer Baustein sind internationale (z.B. Differdingen) oder europäische Schulen.

Mit seiner Reform möchte Claude Meisch die Vielfalt unterstützen, „die bereits im Entstehen ist“, wie er immer wieder betont. Er wolle den Schulen nichts überstülpen. Das kommt bei den Schulen offenbar gut an.

CSV: „Kein Mut zur Veränderung“

Nicht so bei der politischen Opposition. Die CSV wird gegen den Gesetzentwurf stimmen. Sie hätte sich, besonders im Technique, ein flexibleres Sprachangebot gewünscht, das den Bedürfnissen der Schüler besser Rechnung trägt.

Die Christlich-Sozialen werfen dem Minister vor, sich vor einer Reform des Sprachunterrichts gedrückt zu haben, um sich keinen Ärger einzuhandeln. Die CSV vermisst auch den partizipativen Ansatz. Die Schulen seien nicht in den Reformprozess eingebunden worden, so die bildungspolitische Sprecherin Martine Hansen.

Übrigens wurde zum ersten Mal in der Geschichte der Luxemburger Sekundarschulreformen das „Collège des directeurs“ nicht um ein Gutachten gebeten. Doch auch das scheint niemanden zu stören. Offenbar überwiegt die Freude, dass der Minister auf grundlegende Änderungen verzichtet hat. Da sind die Verpflichtungen, die den Schulen in Sachen Schulentwicklung, Inklusion, Schülerhilfe und 
-orientierung, Nutzung digitaler Medien und Eltern- und Schülerteilhabe per Gesetz auferlegt werden, das kleinere Übel.


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