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Sekundarschule: Die Lycée-Reform kommt
Politik 2 Min. 20.01.2016

Sekundarschule: Die Lycée-Reform kommt

Mit seiner Lycée-Reform möchte Bildungsminister Claude Meisch erreichen, dass sich die Schullandschaft weiter diversifiziert.

Sekundarschule: Die Lycée-Reform kommt

Mit seiner Lycée-Reform möchte Bildungsminister Claude Meisch erreichen, dass sich die Schullandschaft weiter diversifiziert.
Foto: Gerry Huberty
Politik 2 Min. 20.01.2016

Sekundarschule: Die Lycée-Reform kommt

Mehr Freiraum bei der Gestaltung der Sektionen, neue Fächer, neues Abschlussexamen: Noch vor der Sommerpause will Bildungsminister Claude Meisch seine Sekundarschulreform auf den Instanzenweg bringen.

(mig) - Bildungsminister Claude Meisch stellte am Mittwoch bei einer Pressekonferenz seine Lycée-Reform vor. Die Reform basiert auf dem Gesetzentwurf von Meischs Vorgängerin Mady Delvaux, aber nur bedingt.

Meisch möchte eigenen Aussagen zufolge das Bildungssystem nicht auf den Kopf stellen. Bestehendes und Bewährtes soll beibehalten werden. Andererseits aber soll die Reform die Schulen dazu befähigen, sich weiterzuentwickeln, um besser auf die veränderten Bedingungen und auf die heterogene Schülerschaft reagieren zu können.

Kein Einheitsmodell

"Wir brauchen heute kein Einheitsmodell mehr, sondern eine Vielfalt an Schulangeboten, die den heutigen Herausforderungen gerecht werden", so der Minister.

Verschiedene Schulangebote für unterschiedliche Schüler, Stärkung der Schulgemeinschaft, Einbindung der Eltern, Schülerorientierung, Bekämpfung des Schulabbruchs, innovative Programme und Lernmaterialien, Stärkung der Lehrer als Experten des Lehrens und des Lernens, auf diese Herausforderungen gelte es Antworten zu geben, sagte Claude Meisch.

Innovation weiter fördern

Meisch tourt derzeit durch die Schulen des Landes, "nicht, um viel zu reden, sondern um zuzuhören", und natürlich auch, um den Puls zu fühlen, um zu sehen, wie seine Reformvorschläge bei den Lehrern ankommen.

Wir brauchen heute kein Einheitsmodell mehr, sondern eine Vielfalt an Schulangeboten

Dabei habe er festgestellt, dass die Schulen bereits heute auf vieles Antworten gefunden hätten. "Wir brauchen die Innovation nicht per Gesetz in die Schulen zu bringen, sie ist dort bereits vorhanden", sagte Meisch. Es gehe darum, sie weiter zu fördern.

Viele Schulen seien der Reform bereits ein oder zwei Schritte voraus. Die Politik müsse diesem Umstand Rechnung tragen und darauf achten, den Ansprüchen der Schulen nicht hinterherzuhinken. Auch dürfe man nicht riskieren, das in Frage zu stellen, "was in den Schulen bereits gewachsen ist".

Als Beispiel nannte Claude Meisch die Orientierung samt Tutorat. Die meisten Schulen hätten das Tutorat bereits eingeführt, jede auf ihre Art und ihrer Schülerschaft entsprechend.

Sektionen freier gestalten

Im klassischen Sekundarunterricht werden die bestehenden Sektionen beibehalten. Weil diese aber nicht zu jedem Schülertyp passen und weil die Ansprüche in der Berufswelt sich gewandelt haben, erhalten die Schulen mehr Freiraum bei der Gestaltung der Sektionen.

Innerhalb der Sektionen können neue Fächer definiert bzw. bestimmten Fächern eine stärkere Gewichtung (z.B. Informatik oder Medienwissenschaften) zugemessen werden.

Geplant ist auch eine Reform des Abschlussexamens, die sich darin ausdrückt, dass weniger Fächer geprüft werden. Neu ist auch eine Zertifizierung, über die Pflichtfächer hinaus, weiterer, erfolgreich bestandener Fächer.

Klassenwiederholung kein Tabuthema

"Klassenwiederholungen sollen nicht die Regel, dürfen aber auch kein Tabuthema sein", meinte Claude Meisch. Ziel soll es sein, schwache Schüler während des Schuljahres gezielt zu unterstützen und zu fördern. Sollte sich jedoch eine Klassenwiederholung als die beste Lösung herausstellen, müsse diese Maßnahme auch weiter möglich sein.

In der technischen Unterstufe liegt der Schwerpunkt auf der Orientierung der Schüler in die passende und gewünschte Berufsrichtung. Es sei wichtig, auf die Wünsche des Schülers einzugehen, andererseits aber auch einen realistischen Blick auf das Können und die damit verbundenen beruflichen Möglichkeiten zu werfen. 

Bildungsminister Claude Meisch wird noch vor der Sommerpause 2016 einen Gesetzestext auf den Instanzenweg bringen. Die Reform soll zur Rentrée 2017/18 in Kraft treten.


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