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Secondaire-Reform: "Nichts über den Haufen werfen"
Bildungsminister Claude Meisch stellte am Donnerstag die großen Linien der Secondaire-Reform vor.

Secondaire-Reform: "Nichts über den Haufen werfen"

Foto: Chris Karaba
Bildungsminister Claude Meisch stellte am Donnerstag die großen Linien der Secondaire-Reform vor.
Politik 3 Min. 14.07.2016

Secondaire-Reform: "Nichts über den Haufen werfen"

Michèle GANTENBEIN
Michèle GANTENBEIN
Die Secondaire-Reform hält an Bewährtem fest, zusätzlich erhalten Schulen die Möglichkeit, ihre Angebote flexibler zu gestalten, um den verschiedenen Schülerprofilen besser Rechnung zu tragen und schneller auf gesellschaftliche Entwicklungen zu reagieren.

(mig) - Das Sekundarschulwesen erhält eine neue gesetzliche Basis. Es wird modernisiert und an die heutige Zeit angepasst. Im Kern geht es darum, den vielen verschiedenen Schülerprofilen - Schüler mit unterschiedlichem kulturellen, sozialen und sprachlichen Hintergrund - ein vielfältigeres Fächer- und Betreuungsangebot zu präsentieren, damit jeder sich gemäß seinem Potenzial entfalten kann. Niemand soll mehr aufgrund einer Teilschwäche nach unten orientiert werden. Talente sollen erkannt und gefördert, Schwächen mit Hilfe schulischer Unterstützung, so gut es geht, aufgearbeitet werden.

Im Zentrum steht das Festhalten an Altbewährtem gepaart mit größerer Flexibilität, u. a. was die Fächergestaltung innerhalb der Sektionen angeht. Die Schulen sollen der Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt, der Universitäten und der Forschung nicht mehr hinterherhinken, sondern die Flexibilität bekommen, die sie brauchen, um mit neuen Fächerangeboten und -kombinationen schnell auf gesellschaftliche Entwicklungen reagieren zu können, so Bildungsminister Claude Meisch am Donnerstag bei der Vorstellung der großen Reformschwerpunkte.

Die Reform umfasst sechs Schwerpunkte: Schulentwicklung (dynamische Schulen), Talentförderung, Schülerbetreuung und -unterstützung, Förderung von digitalen Kompetenzen (Digitalisierung der Bildung), Entwicklung von zeitgemäßen Schulprogrammen, Eltern- und Schülerteilhabe.

Was ändert sich konkret?

1. Oberstufe des Enseignement classique

Das Basisangebot der bestehenden Sektionen (A bis G) bleibt bestehen. Um der digitalen Entwicklung Rechnung zu tragen, wird eine neue Sektion (I: Informatik und Kommunikation) geschaffen. Geplant sind darüber hinaus drei Informatikschulen (im Norden, im Zentrum und im Süden), so genannte digitale Kompetenzzentren, wo Fachkräfte für den ICT-Sektor ausgebildet werden.

Fächerkombinationsmechanismus

  • Innerhalb der Sektionen wird die Möglichkeit geschaffen, neue Fächerkombinationen anzubieten. Die Möglichkeit, weiterhin die klassischen Fächer anzubieten, bleibt bestehen. Neu ist die Gliederung der Fächer in vier Bereiche: Sprachen und Mathematik, Spezialisierung, Allgemeinbildung, Wahlfächer.
  • Innerhalb dieser Bereiche, mit Ausnahme von Sprachen und Mathematik, können die Fächer durch Fächer anderer Sektionen des gleichen Bereichs getauscht werden. Im Bereich Wahlfächer kann jede Schule ihr ganz eigenes Angebot ausarbeiten, ohne Rücksicht auf nationale Programme. Drei von vier Bereichen unterliegen demnach einem nationalen gesetzlichen Rahmen, die Fächergestaltung des letzten Bereichs steht den Schulen frei. Laut dem Bildungsminister machen die "Freiheiten" der Schulen vier bis sechs Wochenstunden aus.
  • Die Wahlfächer erhalten den Koeffizienten 2 und sind versetzungsrelevant.

Abschlussklasse und -examen

  • Es bleibt bei einem nationalen Abschlussexamen für alle Schüler und es bleibt bei der bestehenden Anzahl an Fächern (10-11) auf Abschlussklassen. Allerdings wird die Zahl der Abschlussprüfungen auf acht (sechs schriftliche und zwei mündliche Examen) reduziert, die Zahl der geprüften Fächer auf sechs. Der Schüler kann die Fächer, in denen er geprüft werden möchte, zum Teil auswählen. Aus dem Bereich Sprachen und Mathematik muss er zwei Fächer auswählen, im Bereich Spezialisierung werden alle drei Fächer geprüft, im Bereich Allgemeinbildung wird ein Fach geprüft.
  • Die nicht geprüften Fächer haben weiterhin ihre Berechtigung. Wer im Jahresdurchschnitt eine Ungenügend aufweist, muss, je nach Notendurchschnitt, im Sommer eine Zusatzprüfung oder im September ein Nachexamen schreiben. Am Ende der Sekundarschulzeit werden nicht nur die Examensfächer zertifiziert, sondern alle Fächer (auch die Wahlfächer) ab der 2e.
  • Die Modernisierung der Sektionen wird Teil des obligatorischen Schulentwicklungsplans sein, der von allen Schulpartnern getragen und umgesetzt werden muss.
  • Die Änderungen in der Oberstufe sollen voraussichtlich zur Rentrée 2018 in Kraft treten.

2. Unterstufe des Enseignement technique

Im Technique findet man die größte Bandbreite an Schülerprofilen. Viele von ihnen haben mindestens eine Teilschwäche, aufgrund derer sie im aktuellen System häufig nach unten orientiert werden. Damit soll Schluss sein. Die Stärken sollen gestärkt und die Schwächen gezielt aufgearbeitet werden.

  • Zu diesem Zweck werden die Schüler auf 8e und 9e in den Sprachen und im Fach Mathematik in zwei Kategorien eingeteilt: niveau de base (ab einem Notendurchschnitt zwischen 30 und 35 Punkten) und niveau avancé (ab einem Notendurchschnitt von 40 Punkten).
  • Bei Grenzfällen schreitet der Klassenrat ein. Ein Schüler mit einem Jahresdurchschnitt zwischen 36 und 39 Punkten, kann gegebenenfalls nach oben (niveau avancé) orientiert werden. Diese Maßnahme gilt auch für Schüler mit einem Jahresdurchschnitt zwischen 26 und 29, die auf 30 angehoben werden können (niveau de base).
  • Des Weiteren soll großen Wert auf die Schülerbetreuung und -unterstützung, auch mit Blick auf ihre spätere Orientierung, gelegt werden. 



 


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