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Sechs Fragen und Antworten zur Bischofssynode
Politik 2 Min. 06.10.2014 Aus unserem online-Archiv
Wozu der Papst eine Eheberaterin braucht

Sechs Fragen und Antworten zur Bischofssynode

Wozu der Papst eine Eheberaterin braucht

Sechs Fragen und Antworten zur Bischofssynode

AFP
Politik 2 Min. 06.10.2014 Aus unserem online-Archiv
Wozu der Papst eine Eheberaterin braucht

Sechs Fragen und Antworten zur Bischofssynode

Die grundsätzlichere Frage lautet: Wie soll die katholische Kirche damit umgehen, dass viele Katholiken große Teile der offiziellen Lehre über Familie, Ehe und Sexualität ignorieren oder ablehnen.

Worüber sprechen die Bischöfe?

Nicht nur über wiederverheiratete Geschiedene. Die grundsätzlichere Frage lautet: Wie soll die katholische Kirche damit umgehen, dass viele Katholiken große Teile der offiziellen Lehre über Familie, Ehe und Sexualität ignorieren oder ablehnen.

Außer wiederverheirateten Geschiedenen sind weitere Einzelthemen etwa gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften, Patchwork-Familien oder künstliche Empfängnisverhütung. Auf der Tagesordnung steht auch, wie Eltern ihren Kindern heute den Glauben in einem weitgehend entchristlichten Umfeld weitergegeben, oder wie Familien besser unterstützt werden können.

Wer nimmt an der Weltbischofssynode teil?

Teilnehmer sind von amtwegen 114 Vorsitzende von nationalen und regionalen Bischofskonferenzen, 13 Oberhäupter mit Rom verbundener orientalischer Kirchen, 25 ranghohe vatikanische Vertreter; weitere 26 kirchliche Vertreter hat der Papst zusätzlich eingeladen. Hinzu kommen Fachleute und sogenannte Gasthörer, unter ihnen 13 Ehepaare. Insgesamt werden rund 250 Personen erwartet.

Dürfen nach der Synode wiederverheiratete Geschiedene wieder zur Kommunion gehen?

Mit sofortigen Änderungen der kirchlichen Praxis nach der Synode ist nicht zu rechnen, selbst wenn sich eine Mehrheit der Bischöfe für Reformen aussprechen sollte. Denn die bevorstehende Außerordentliche Synode ist nur die erste Etappe. Im Herbst 2015 tagt eine Ordentliche Synode zum gleichen Thema, diesmal unter größerer Beteiligung der Ortsbischöfe. Erst danach würden etwaige Änderungen voraussichtlich in Kraft treten. Verbindliche Beschlüsse kann jedoch auch eine Ordentliche Synode nach derzeitigem Stand - anders als ein Konzil - nicht verabschieden. Das letzte Wort hat bislang der Papst.

Was hat die Synode mit der vatikanischen Umfrage zu Familie, Ehe und Sexualität zu tun?

Die Rückmeldungen auf den Fragenkatalog zu Ehe, Familie und Sexualität, den der Vatikan an alle Bischofskonferenzen versandt hat, bilden die Gesprächsgrundlage der Synode. Sie offenbarten eine große Kluft zwischen der Lebenswirklichkeit vieler Katholiken und der kirchlichen Morallehre. Diese spiegelt sich auch in dem Leitfaden für die zweiwöchigen Beratungen wieder, dem sogenannten Arbeitspapier - in einer für vatikanische Verhältnisse ungewöhnlichen Offenheit.

Welche Rolle spielen deutsche Kardinäle für die Synode?

Die drei anwesenden deutschen Kardinäle, Walter Kasper, Reinhard Marx und Gerhard Ludwig Müller dürften eine sehr wichtige Rolle spielen. Kasper hat in Abstimmung mit dem Papst einen Vorschlag für einen behutsame Änderung des kirchlichen Umgangs mit wiederverheirateten Geschiedenen vorgelegt.

Für die Gegner von Reformen wurde er dadurch zur bevorzugten Zielscheibe ihrer Kritik. Müller ist als Präfekt der vatikanischen Glaubenskongregation nach dem Papst der oberste Hüter der Glaubenslehre. Sein Urteil hat daher besonderes Gewicht. Er zählt zu den prominentesten Gegnern einer Wiederzulassung von wiederverheirateten Geschiedenen zur Kommunion. Marx schließlich gehört dem Kardinalsrat zur Kurienreform an und hat daher ebenfalls einen engen Draht zum Papst.

Was ist neu?

Franziskus will eine freie und offene Debatte. Deshalb wurde der Ablauf der bislang übliche Ablauf einer Synode verändert. Statt schriftliche Stellungnahmen zu verlesen, sollen die Teilnehmer nun frei vor der Synode sprechen. Die Redezeit ist allerdings auf jeweils vier Minuten begrenzt.


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