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"Schwierig, aber beherrschbar"
Politik 2 Min. 07.01.2022
Die Lage in den Krankenhäusern

"Schwierig, aber beherrschbar"

Stand Freitag mussten 22 Patienten auf der Intensivstation behandelt werden. Insgesamt lagen 72 Covid-Patienten im Krankenhaus.
Die Lage in den Krankenhäusern

"Schwierig, aber beherrschbar"

Stand Freitag mussten 22 Patienten auf der Intensivstation behandelt werden. Insgesamt lagen 72 Covid-Patienten im Krankenhaus.
Foto: AFP
Politik 2 Min. 07.01.2022
Die Lage in den Krankenhäusern

"Schwierig, aber beherrschbar"

Danielle SCHUMACHER
Danielle SCHUMACHER
Die Zahl der Neuinfektionen steigt wegen der Omikron-Variante zwar rasant. Doch in den Kliniken bleibt die Lage stabil.

Die Situation in den Kliniken ist zwar unverändert schwierig, aber beherrschbar. Zu diesem Fazit kamen die Vertreter der vier großen Krankenhäuser am Freitag bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Gesundheitsministerin Paulette Lenert (LSAP).


TC,Dr. Gerard Schockmel. Hopitaux Kirchberg. Foto: Gerry Huberty/Luxemburger Wort
"Impfpflicht ist alternativlos"
Der Wissenschaftler nimmt kein Blatt vor den Mund, wenn es um die, in seinen Augen notwendige, Immunisierung der Menschen geht.

Es sind weniger die aktuell sehr hohen Fallzahlen an sich, die Thérèse Staub, Christophe Werer (beide CHL), Marc Berna (Hôpitaux Robert Schuman), Tom Manderscheid (Centre hospitalier du Nord) und Romain Schockmel (Centre hospitalier Emile Mayrisch) Sorgen bereiten. Noch bleibt die Zahl der Infizierten, die stationär im Krankenhaus behandelt oder gar intensivmedizinisch betreut werden müssen, nämlich stabil. Stand Freitag, mussten 72 Patienten hospitalisiert werden, davon 22 auf einer Intensivstation.

Zusammen mit Romain Schockmel (CHEM), Marc Berna (HRS), Jean-Paul Freichel (Gesundheitsministerium), Thérèse Staub und Christophe Werer (beide CHL) informierte Gesundheitsministerin Lenert (2. v.r.) am Freitag über die Lage in den Krankenhäusern (v.l.n.r.).
Zusammen mit Romain Schockmel (CHEM), Marc Berna (HRS), Jean-Paul Freichel (Gesundheitsministerium), Thérèse Staub und Christophe Werer (beide CHL) informierte Gesundheitsministerin Lenert (2. v.r.) am Freitag über die Lage in den Krankenhäusern (v.l.n.r.).
Foto: Gerry Huberty

Zuversichtlich stimmt die Ärzte auch, dass bislang noch kaum Operationen abgesagt werden mussten, obwohl bereits im Dezember die dritte Stufe des „Plan de monté en charge“ ausgerufen worden war.

Die Mediziner befürchten eher, dass immer mehr Mitarbeiter ausfallen könnten, weil sie sich infiziert haben, und die Situation deshalb irgendwann nicht mehr zu stemmen ist. Allein im CHL wurden nach Aussagen von Dr. Staub in den vergangenen Tagen 53 Mitarbeiter positiv auf Corona getestet. Hinzu kommt natürlich die enorme Belastung, mit der alle Mitarbeiter seit dem Beginn der Pandemie zu kämpfen haben. 

Veränderte Situation

Während seit dem Beginn der Pandemie stets die Belegung der Intensivstationen der Gradmesser war, so könnte sich dies wegen der rasanten Verbreitung der Omikron-Variante nun ändern. Es zeichnet sich nämlich ab, dass die Variante zwar wesentlich virulenter ist, dass sie aber weniger ganz schwere Krankheitsverläufe verursacht. Die extrem hohen Fallzahlen könnten allerdings zu einer Überlastung der Normalstationen führen.

Für verlässliche Aussagen sei es im Moment aber noch zu früh, warnen die Mediziner. Denn erst Anfang dieser Woche wurden die ersten Omikron-Patienten eingeliefert, so Dr. Staub, Chefin der Abteilung für Infektionskrankheiten des CHL.

Einer von drei Intensivpatienten verlässt uns nicht lebend.  

Christophe Werer, Chef der Intensivstation des CHL

Sollte es zu einer Überlastung der Normalstationen kommen, könnten beispielsweise separate „Covid-Auffangstationen“ Abhilfe schaffen, so die übereinstimmende Meinung der Mediziner. Denn oft seien Patienten nach einer überstandenen Covid-Erkrankung zwar nicht mehr so krank, dass sie weiter hospitalisiert werden müssten, aber sie seien auch noch nicht soweit genesen, dass sie nach Hause könnten. Gesundheitsministerin Lenert verwies darauf, dass man im Ministerium an einer Lösung arbeitet. 

Impfen, impfen, impfen

Einig waren sie sich auch in der Einschätzung, dass langfristig einzig und allein die Impfung aus der Pandemie herausführen wird und dass die Impfung kurz und mittelfristig der beste Schutz gegen schwere Krankheitsverläufe darstellt.


Premierminister Xavier Bettel will, dass im Parlament in Kürze eine Konsultierungsdebatte zur Impfpflicht geführt wird.
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Die angekündigte Debatte zur Impfpflicht ist überfällig. Doch der Zeitpunkt ist ungünstig - und offenbart eine fehlende Weitsicht.

Christophe Werer, Chef der Intensivstation im CHL, untermauerte die Aussage mit Zahlen aus der Praxis: 80 Prozent der Intensiv-Patienten sind nicht geimpft und unter den Geimpften hatten die meisten Vorerkrankungen oder lagen nicht primär wegen der Covid-Erkrankung auf der Intensivstation. Nicht geimpfte Patienten auf der Intensivstation seien im Schnitt auch zehn bis 15 Jahre jünger. Und die Sterblichkeitsrate sei sehr hoch: „Einer von drei Intensivpatienten verlässt uns nicht lebend.“  

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Coronavirus - Hôpital Kirchberg - COVID-19 - Notaufnahme Urgences  - Foto: Pierre Matgé/Luxemburger Wort