Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Schulschließung: Opposition kritisiert Vorgehensweise des Ministers
Politik 5 Min. 05.02.2021

Schulschließung: Opposition kritisiert Vorgehensweise des Ministers

Die Opposition kritisiert, dass der Bildungsminister die Schulen ohne Vorwarnung schließt und die Lehrer, Schüler und Eltern organisatorisch unter Druck setzt.

Schulschließung: Opposition kritisiert Vorgehensweise des Ministers

Die Opposition kritisiert, dass der Bildungsminister die Schulen ohne Vorwarnung schließt und die Lehrer, Schüler und Eltern organisatorisch unter Druck setzt.
Foto: DPA
Politik 5 Min. 05.02.2021

Schulschließung: Opposition kritisiert Vorgehensweise des Ministers

Michèle GANTENBEIN
Michèle GANTENBEIN
Die überraschende Ankündigung der Schulschließung kommende Woche hat zahlreiche Reaktionen hervorgerufen.

Die überraschende Ankündigung zur Schließung der Schulen und Maisons relais hat zahlreiche Reaktionen hervorgerufen - bei den Lehrern und Familien, die sich in den sozialen Medien darüber austauschen, aber auch bei den Volksvertretern. Die Opposition ist ziemlich aufgebracht, nicht wegen der Schließung an sich, sondern vor allem wegen Claude Meischs Vorgehensweise in dieser Angelegenheit. Es ist nicht das erste Mal, dass er kurzfristig und ohne Vorwarnung Entscheidungen trifft, die Lehrer, Schüler und Eltern organisatorisch unter Druck setzen.


Die Infektionslage bei den Null- bis 19-Jährigen zwingt die Regierung zum Handeln. Ab Montag werden Grundschulen, Kompetenzzentren und Betreuungseinrichtungen für zwei Wochen geschlossen.
Schulen schließen ab Montag für zwei Wochen
Ab Montag schalten Grundschulen, Kompetenzzentren und Musikschulen für eine Woche auf Distanzunterricht. Das kündigte Bildungsminister Claude Meisch (DP) am Donnerstag an.

Die Piraten haben kurz nach der Pressekonferenz des Bildungsministers am Donnerstag eine Pressemitteilung herausgeschickt. Die Partei wundert sich, dass die Betroffenen über die Medien von der Schließung erfuhren und sie kritisiert, dass erneut niemand in die Entscheidungen eingebunden worden sei. Hauptkritikpunkt der Piraten aber ist, wie sie schreiben, der Mangel an Vorhersehbarkeit und Transparenz. Sie fordern den Minister auf, einen Stufenplan aufzustellen, der ein Minimum an Transparenz und Vorhersehbarkeit gewährleistet.

Déi Lénk: „Kommunikationstechnisch versagt“

Auch Déi Lénk bemängeln die Kommunikationspolitik des Bildungsministers und den Umstand, dass die Ankündigung in letzter Minute und ohne Vorwarnung herausging. „Die Lehrer, Eltern und Schüler müssen sich erneut kurzfristig umstellen“, bemängelt der Abgeordnete David Wagner am Freitag auf Nachfrage des „Luxemburger Wort“. 

Er kritisiert auch, dass das Ministerium keine Homeschooling-Richtlinien herausgegeben habe, um gezielt die Schüler zu unterstützen, die drohen, den Anschluss zu verlieren. „Die Lehrer werden im luftleeren Raum gelassen und machen, was sie können“, so Wagner.

Dass das Parlament im Vorfeld nicht über die Entscheidung informiert wurde, sei ein Skandal, sagt Wagner. Einen Tag vor der Ankündigung habe man in der parlamentarischen Bildungskommission mit Claude Meisch zu einem anderen Thema zusammengesessen. Da hätte der Minister die Parlamentarier über seine Pläne und Überlegungen ins Bild setzen müssen. 

Die Zahlen und die Entscheidung des Ministers belegen das Gegenteil dessen, was Claude Meisch immer behauptet hat.

CSV-Fraktionschefin Martine Hansen

Sowohl Déi Lénk als auch die CSV wollen eine Dringlichkeitssitzung des Bildungsausschusses - gegebenenfalls zusammen mit dem Gesundheitsausschuss - beantragen, um mehr über die Hintergründe der Entscheidung zu erfahren - insbesondere, was die Datenlage zu den Mutationen betrifft. „Wir wollen, dass die Regierung uns die aktuelle Situation genau erklärt und mit Daten belegt“, sagt CSV-Fraktionschefin Martine Hansen am Freitag auf Nachfrage des „Luxemburger Wort“.

Die Zunahme der Infektionen bei den Null- bis 19-Jährigen sei der Beweis, dass das Virus sich sehr wohl in den Schulen verbreite. „Die Zahlen und die Entscheidung des Ministers belegen das Gegenteil dessen, was Claude Meisch immer behauptet hat“, so Hansen. Er habe es verpasst, die Schulen sicherer zu machen, sagt die CSV-Fraktionschefin. 

Auswertung des A/B-Modells

Die oberen Sekundarschulklassen (4e, 3e und 2e) befinden sich seit dem 28. November im Alternativunterricht, um die Gesamtzahl der Schüler im Präsenzunterricht zu reduzieren. Hansen fordert eine Auswertung des A/B-Modells. Sollte sich herausstellen, dass das Virus sich in Klassen mit Alternativunterricht weniger verbreitet hat, sollte man dieses Modell gegebenenfalls auch in den unteren Klassen einführen. Die CSV spricht sich wie Déi Lénk auch dafür aus, schwachen Schülern gezielt zu helfen, zum Beispiel über Online-Nachhilfekurse

Am 28. Januar hatte das Bildungsministerium auf Nachfrage des „Luxemburger Wort“ eine Änderung der sanitären Maßnahmen in den Schulen noch ausgeschlossen. Zu diesem Zeitpunkt war allerdings bereits bekannt, dass das Virus schneller und aggressiver in den Schulen zirkuliert. Das Ministerium argumentierte, man wolle die Situation weiter genau beobachten, um präzise Erkenntnisse zu gewinnen, ob sich etwas an der Art der Virusverbreitung verändere und in welchen Altersgruppen das beispielsweise der Fall sei. 

Vergangene Woche sind viele Klassen unter Quarantäne gestellt worden, weil dort viele Fälle aufgetaucht sind. Das hat den Ausschlag gegeben, jetzt die Handbremse zu ziehen.

DP-Fraktionschef Gilles Baum

Nur eine Woche später zieht Claude Meisch die Reißleine und will die nächsten zwei Wochen nutzen, um sich ein genaueres Bild vor allem über die Varianten zu machen und das sanitäre Konzept an die neue Situation anzupassen. Martine Hansen kritisiert das Vorgehen des Ministers. „Claude Meisch hat einen Stufenplan für den Fall, dass Infektionen in den Schulen auftauchen. Er hat aber keinen Stufenplan, um zu verhindern, dass sich das Virus in den Schulen ausbreitet. Es gibt nichts Prophylaktisches.“ Er habe es verpasst, die Schulen sicherer zu machen.

DP: „Entscheidung war richtig“

DP-Fraktionschef Gilles Baum verteidigt den Minister. Es sei besorgniserregend, dass die Infektionen speziell bei den Null- bis 14-Jährigen innerhalb einer Woche explodiert seien - laut dem Covid-Bericht der Santé um 68 Prozent (Woche des 25. Januar). Die Zahlen hätten sich in der ersten Hälfte dieser Woche nicht verbessert, sagt Baum. „Vergangene Woche sind viele Klassen unter Quarantäne gestellt worden, weil dort viele Fälle aufgetaucht sind. Das hat den Ausschlag gegeben, jetzt die Handbremse zu ziehen“, so Baum. Es sei richtig, sich jetzt zwei Wochen Zeit zu nehmen, um die Sequenzierungen vorzunehmen und den Dingen auf den Grund zu gehen.

Die grüne Fraktionschefin Josée Lorsché zeigt Verständnis für die kurzfristige Entscheidung und begrüßt, dass die Schulschließung an eine Ferienwoche gekoppelt wird, „um erst einmal die große Welle zu stoppen“. Es sei dann aber auch wichtig, das Infektionsgeschehen bei Kindern grundlegend zu analysieren. Auch sie hätte sich gewünscht, dass der Minister seine Entscheidung eher kommuniziert hätte. In diesem Fall aber habe es sich wohl um eine Panikreaktion gehandelt, „weil die Infektionszahlen rezent explodiert sind“.  

„Niemand freut sich über die Schulschließung“, meinte Francine Closener (LSAP), aber es sei richtig gewesen, schnell zu reagieren. Claude Meisch ziehe einen Schullockdown nur in allerletzter Konsequenz in Erwägung. „Es muss also schlimm sein“, so Closener. Sie hoffe, in der Sitzung des Bildungsausschusses am Montag Genaueres zu erfahren, insbesondere auch, auf welche Handlungsszenarien man sich nach den Ferien einstellen müsse.



Folgen Sie uns auf Facebook, Twitter und Instagram und abonnieren Sie unseren Newsletter.


Lesen Sie mehr zu diesem Thema

Claude Meisch: "Habe die Kritik verstanden"
Viele Menschen werfen Bildungsminister Claude Meisch (DP) Intransparenz im Umgang mit dem Infektionsgeschehen in den Schulen vor. Der Minister verspricht mehr Transparenz und kündigt Anpassungen an.
Das Bildungsministerium denkt darüber nach, die Schüler der oberen Sekundarstufe teils im Präsenz- und teils im Fernunterricht zu unterrichten. Hintergrund ist die zunehmende Zahl an Neuinfektionen bei 16- bis 19-Jährigen in der gesamten Bevölkerung.