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Schulöffnung: Gemischte Gefühle in der Bildungskommission
Politik 4 Min. 06.01.2021 Aus unserem online-Archiv

Schulöffnung: Gemischte Gefühle in der Bildungskommission

Das Homeschooling kann den Präsenzunterricht in der Schule nicht ersetzen.

Schulöffnung: Gemischte Gefühle in der Bildungskommission

Das Homeschooling kann den Präsenzunterricht in der Schule nicht ersetzen.
Foto: AFP
Politik 4 Min. 06.01.2021 Aus unserem online-Archiv

Schulöffnung: Gemischte Gefühle in der Bildungskommission

Michèle GANTENBEIN
Michèle GANTENBEIN
Die Mitglieder der parlamentarischen Bildungskommission sind sich uneins, ob die Rückkehr zum Präsenzunterricht eine gute Sache ist.

Am Montag kehren die Schüler nach zwei Wochen Ferien und einer Woche Homeschooling zum Präsenzunterricht zurück. Die grüne Fraktionspräsidentin Josée Lorsché spricht sich ganz klar für die Öffnung der Schulen aus. Homeschooling sei auf Dauer keine Lösung. „Kinder brauchen den direkten Kontakt zu ihren Mitschülern und zum Lehrer, um zu lernen und sich zu entwickeln“, sagte Lorsché am Mittwoch auf Nachfrage des „Luxemburger Wort“.


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Sie gab auch zu bedenken, dass die Eltern-Kind-Beziehung eine andere sei als die Lehrer-Schüler-Beziehung. Die Vermischung der Eltern- und Pädagogenrolle hält Lorsché für bedenklich. Durch das Homeschooling entstehe ein Lerndruck, der nicht von zu Hause ausgeübt werden dürfe, sondern in der Schule. Durch das Homeschooling werde der Lerndruck auf die Eltern übertragen, die dann wiederum ihre Elternrolle weniger gelassen ausleben könnten. 

Auch würden die Bildungsungleichheiten weiter verschärft, weil manche Eltern ihren Kindern keine oder nur eine geringfügige Unterstützung bieten können. Lorsché setzt große Hoffnungen in die Schnelltests und plädiert für ein regelmäßiges flächendeckendes Durchtesten der Schulbevölkerung

„Zu früh für Präsenzunterricht“ 

David Wagner (Déi Lénk) ist auch kein Anhänger des Homeschooling. Er sorgt sich vor allen Dingen um die Schüler, die zu Hause kaum Unterstützung erfahren. „Andererseits muss man auf das Homeschooling zurückzugreifen, wenn man sieht, dass es nicht anders geht“, sagte Wagner. 

Der linke Abgeordnete hält die Öffnung der Schulen zum jetzigen Zeitpunkt für zu früh und hätte es vorgezogen, sie noch eine oder zwei Wochen geschlossen zu lassen, „aber mit der nötigen Unterstützung für das Lernen zu Hause“. Er wirft der Regierung vor, zu basteln – wie zu Beginn der Pandemie, als sie es eben nicht besser wusste. 

Inzwischen aber habe die Regierung Zeit gehabt, Lehren aus der Anfangsphase zu ziehen, und sich Gedanken zu machen, „wie man das Homeschooling besser organisiert beziehungsweise die Lehrer und Schüler beim Homeschooling praktisch besser unterstützt“. Wagner kann in dem jetzigen Vorgehen keinen Plan und keine Kohärenz erkennen. 

So geht es auch CSV-Fraktionschefin Martine Hansen (CSV). Sie hält das Gesamtpaket an Lockerungen inklusive Schulöffnung für verfrüht. Im Prinzip kehren die Schulen in den Betriebsmodus von vor Weihnachten zurück. Unklar sei allerdings, welche Bestimmungen bei außerschulischen Aktivitäten (Jugendhäuser, Musikschule usw.) und in den Maisons relais gelten sollen. Bildungsminister Claude Meisch (DP) habe während der Kommissionssitzung diesbezüglich gesagt, das werde noch geprüft. 

Der Bildschirm ersetzt die Tafel, ansonsten beschränkt sich der Unterricht auf reinen Frontalunterricht.

CSV-Fraktionschefin Martine Hansen

Hansen beanstandete, dass sich keine Gedanken gemacht worden seien, die Schulen sicherer zu machen. „Luftfilter sind nach wie vor kein Thema und es wird auch kein zusätzliches Personal rekrutiert, um die Gruppen in den Maisons relais kleiner zu machen“, so Hansen. 

Wie David Wagner kritisiert auch Hansen, dass das Homeschooling nicht vorbereitet worden sei. Beim Fernunterricht setze man einzig auf das Instrument Teams. „Der Bildschirm ersetzt die Tafel, ansonsten beschränkt sich der Unterricht auf reinen Frontalunterricht“, so Hansen. 

Sven Clement (Piraten) hätte es vorgezogen, wenn man – ähnlich wie in anderen Ländern – die Schulen progressiv aufgemacht und zeitgleich die Schüler und Lehrer durchgetestet hätte. 

Sport: maximal zehn Personen 

Für Sven Clement blieb nach der Video-Ausschusssitzung mit dem Minister aber nach wie vor vieles unklar. Klar ist: Es werden CO2-Ampeln installiert, „damit die Lehrer wissen, wann sie lüften sollen“. Was den Sportunterricht betrifft, geht Clement davon aus, dass in der Schule die generellen Sportregeln gelten werden: maximal zehn Personen pro Gruppe und zwei Meter Distanz. 

Die Maßnahmen im Sportbereich werden übrigens jetzt zum ersten Mal im Covid-Gesetz geregelt. Clement zufolge könnte es sein, dass hier und da der Schwimmunterricht ausfällt, wenn der Platz in den Schwimmbädern nicht reicht. Laut dem Gesetzentwurf dürfen sich in einer 50 Meter langen Schwimmbahn maximal sechs Schwimmer befinden und in einer 25 Meter langen Schwimmbahn maximal drei. 

Die bildungspolitische Sprecherin der LSAP, Francine Closener, hält die Schulöffnung für richtig, „weil das Homeschooling immer nur eine Notlösung sein kann“. Allerdings müsse man die Entwicklung im Auge behalten, besonders mit Blick auf die neue und ansteckendere Virusvariante. 


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Closener zufolge gilt die Ankündigung des Bildungsministers vor den Ferien, eine Vermischung der Kinder in den Maisons relais künftig zu vermeiden, nicht mehr. Grund sei die Öffnung der Vereinsaktivitäten, bei denen die Kinder ja auch vermischt würden. 

Fred Keup (ADR) weiß aus eigener Erfahrung, wie schwierig die Zeit im Homeschooling für Familien ist, vor allem wenn man mehrere Kinder hat. Aus Vorsicht hätte man die Sekundarschulen noch eine Woche zu lassen können, findet Keup – nicht aber die Grundschulen. 

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