Schulabbruch 2014/15: 136 Aussteiger jeden Monat
(mig) - Laut Eurostat lag die Schulabbrecherquote 2015 in Luxemburg bei 9,3 Prozent (EU: elf Prozent). Damit hat Luxemburg das europäische Ziel, wonach bis 2020 der Anteil der Schulabbrecher auf unter zehn Prozent gesenkt werden soll, erfüllt. Das Luxemburger Bildungsministerium hat eine Quote von 13,5 Prozent ermittelt.
Grund für die Diskrepanz sind die unterschiedlichen Berechnungsmethoden. Die europäischen Zahlen basieren auf der „Enquête sur les forces de travail“. Das Bildungsministerium berechnet seine Quote mittels einer Kohortenanalyse – eine Kohorte entspricht einem Jahrgang – in die Zukunft. Daraus ergibt sich eine theoretische Schulabbruchquote.
Übereinstimmung herrscht einzig in der Feststellung, dass die Quote in Luxemburg seit 2010 gestiegen ist, laut Eurostat von 7,1 auf 9,3 Prozent, laut Ministerium von neun auf 13,5 Prozent. Im gleichen Zeitraum ist die Quote im EU-Durchschnitt von 14,1 auf elf Prozent gesunken.
Abbruch nach der Schulpflicht
Die meisten Schüler steigen im Alter von 16 oder 17 Jahren aus, wenn die Schulpflicht endet. Ein Drittel aller Schulabbrecher findet man in der Berufsausbildung (DAP und CCP). Auch bei 9e-Pratique-Schülern, bei Schülern so genannter IPDM-Klassen und bei den Technikern ist die Gefahr eines Abbruchs deutlich ausgeprägt.
Im Prinzip gilt: Je höher das Bildungsniveau, desto niedriger die Quote. Im Classique ist die Quote mit 3,3 Prozent am niedrigsten. Die Hälfte aller frühen Schulabgänger hat einen Schulrückstand von zwei oder drei Jahren.
Neuer Posten im Bildungsministerium
Die Gründe für den Schulabbruch sind vielfältig: schulischer Misserfolg, persönliche Probleme, falsche Orientierung, Mangel an Ausbildungsplätzen, besonders bei den CCP-Ausbildungen.
Gegen Letzteres will man laut Marc Barthelemy vom Bildungsministerium gezielter vorgehen, u. a. mit der Schaffung von Ausbildungsplätzen beim Staat. Des Weiteren ist ein „Observatoire du maintien scolaire“ in Planung.
2014/15 haben in Luxemburg 1.632 Schüler die Schule frühzeitig abgebrochen. Das sind 136 Schüler pro Monat. 400 von ihnen sind im Laufe des Jahres wieder ins Schulsystem zurückgekehrt, ein Drittel ins Luxemburger Schulsystem, die restlichen zwei Drittel haben sich in einer Schule im Ausland eingeschrieben.
Schulabbrecher ausfindig machen
Mit Hilfe der „Action locale pour jeunes“ (ALJ) versucht das Ministerium, Schulabbrecher zu kontaktieren, um mehr über die Gründe ihres Schulabbruchs zu erfahren, vor allem aber, um sie wieder in eine Ausbildung oder Beschäftigung zu bringen.
225 Schüler waren unauffindbar oder lehnten den Kontakt zur ALJ ab. Bleiben 1.007 Schulabbrecher, die von der ALJ ausfindig gemacht werden konnten. Die Mehrzahl (419 Schüler) gab an, auf der Suche nach einer Ausbildung oder einer Lehre zu sein.
209 Schulabbrecher (12,8 Prozent) gaben an, eine Beschäftigung zu haben. Ein Drittel strebte eine Karriere bei der Armee oder der Polizei an. Andere gaben an, sich von einer Erkrankung zu erholen oder sich um ihren Nachwuchs zu kümmern.
Knapp die Hälfte gingen einer „anderen“ Beschäftigung nach. 164 Schulabbrecher (zehn Prozent) gaben an, einen Job zu haben, 133 (acht Prozent) waren auf der Suche nach einem Job und 82 (fünf Prozent) befanden sich in einer Beschäftigungsmaßnahme. Für 235 der 1.007 Schulabbrecher (etwas mehr als jeder vierte) war es nicht der erste Schulabbruch.
Zahl der "Unauffindbaren" rückläufig
Die Zahl der „Unauffindbaren“ ist seit 2010 um mehr als die Hälfte zurückgegangen (siehe Grafik). Im gleichen Zeitraum ist die Zahl der identifizierten Schulabbrecher gestiegen. Beide Entwicklungen lassen sich z. T. aus der Tatsache erklären, „dass die Arbeit der ALJ sich verbessert hat und die Abbrecher jetzt genauer identifiziert werden können“, wie Gilles Hirt von der Statistikabteilung des Ministeriums erklärt.
Eine weitere Erklärung für den Rückgang der Zahl der „Unerfassbaren“ könnte sein, dass Schüler, die mehrfach abgebrochen und den Kontakt zur ALJ zunächst verweigert haben, ihn dann doch zugelassen haben.
Schulabbrecher sind meist männlich
Generell brechen mehr Jungen als Mädchen die Schule ab. 2015 waren 61 Prozent der Schulabbrecher Jungen. Etwas mehr als 50 Prozent der Aussteiger sind Luxemburger. Im Vergleich zu ihrem Anteil an der gesamten Schulbevölkerung aber (62 Prozent) machen sie einen geringen Teil der Abbrecher aus.
Deutlich ausgeprägter ist der Anteil bei den Portugiesen. Sie machen 22,5 Prozent der gesamten Schulbevölkerung, jedoch 28,8 Prozent aller Schulabbrecher aus. Ein ähnliches Bild ergibt sich beispielsweise bei den Kapverdiern und den Kosovaren. Sie machen nur 0,8 bzw. 0,5 Prozent der Schulbevölkerung, aber 1,7 bzw. 1,1 Prozent der Schulabbrecher aus.
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