Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Schluss mit dem Large Scale Testing ab September
Politik 1 6 Min. 11.08.2021
Covid-Situation

Schluss mit dem Large Scale Testing ab September

Auch Hausärzte impfen jetzt - viele Patienten haben offensichtlich darauf gewartet.
Covid-Situation

Schluss mit dem Large Scale Testing ab September

Auch Hausärzte impfen jetzt - viele Patienten haben offensichtlich darauf gewartet.
Foto: LW-Archiv/Guy Wolff
Politik 1 6 Min. 11.08.2021
Covid-Situation

Schluss mit dem Large Scale Testing ab September

Annette WELSCH
Annette WELSCH
Gesundheitsministerin Paulette Lenert erläutert die Covid- und Impfsituation, die Teststrategie und eine mögliche dritte Impfung.

Gesundheitsministerin Paulette Lenert (LSAP) stellte am Mittwoch die Covid-Wochenbilanz gemeinsam mit Gesundheitsdirektor Jean-Claude Schmit persönlich vor: 404 Neuinfektionen gab es und damit zehn Prozent weniger als in der Vorwoche, aber es wurde auch weniger getestet. Auch in den Spitälern lagen mit 16 Patienten drei weniger auf der Normalstation, fünf anstelle von sechs sind es auf den Intensivstationen. 

„Die Krankenhausaufnahmen gingen in der vergangenen Woche von 26 auf zwölf zurück - das ist positiv und sollte uns optimistisch stimmen“, meinte Lenert und freute sich über eine insgesamt stabile Situation. Sie hob in diesem Sinn die Impfungen hervor, die nicht nur einen positiven Impakt auf die Infektionszahlen haben, sondern auch auf den Krankheitsverlauf, der abgeschwächt wird.  

„Je mehr geimpft wird, umso besser“, sagte sie, das würden auch die Zahlen der sogenannten Impfdurchbrüche zeigen: Rund 80 Prozent der positiv getesteten waren nicht geimpft und nur eine ganz geringe Zahl der Patienten im Krankenhaus hatte eine Doppelimpfung. 

67,5 Prozent der möglichen Personen durchgeimpft

Über 400.000 Leute haben mittlerweile mindestens eine Impfung erhalten, das sind 72,4 Prozent aller Einwohner, die überhaupt geimpft werden können, 67,5 Prozent sind durchgeimpft. Die Abdeckung variiert zwischen 48,2 und 87,4 Prozent je nach Altersgruppe. Im internationalen Vergleich sei man auch gut aufgestellt bei den Doppelimpfungen von Jugendlichen zwischen 12 und 18. Unter 12-Jährige dürfen bislang bekanntlich noch kein Vakzin erhalten. 


Die Hälfte der erwachsenen Europäer sind mittlerweile geimpft. Damit hat die EU die USA, die lange Zeit Vorreiter beim Impfen waren, überholt.
Warum der Druck beim Impfen erhöht werden muss
Die Impfkampagne ist ins Stocken geraten. Eine generelle Impfpflicht darf es dennoch nicht geben. Doch der Druck auf die Impfmuffel muss verstärkt werden.

Positiv stimmt Lenert auch, dass nun die Hausärzte in die Impfkampagne eingebunden sind. „Es machen sich noch immer viele Menschen Sorgen und es kursieren auch vor allem in den sozialen Medien viele Falschinformationen, die verunsichern. Da ist es gut, dass die Patienten sich nun an den Arzt ihres Vertrauens wenden können. Manche haben regelrecht darauf gewartet.“

Es machen sich noch immer viele Menschen Sorgen und es kursieren viele Falschinformationen.

Paulette Lenert

Mit 189 Hausärzten besteht eine Impf-Konvention, 13 wurden schon beliefert und haben bereits angefangen. „Es gab bereits 177 Impfungen in den Praxen und die Nachfrage ist groß“, stellte die Ministerin fest. 76 weitere Ärzte beginnen diese Woche und dann noch 100 in den nächsten zwei Wochen. 

Patienten, die dies bevorzugen, müssen allerdings im Gegensatz zur Inanspruchnahme eines Impfzentrums ihre Eigenbeteiligung bei der Arztrechnung tragen. So wie das generell für allen anderen Impfungen gilt.

Impfbus kommt gut an

Guten Anklang findet auch der Impfbus, der zu Events fährt, um speziell die jungen Leute zu erreichen. Beim e-Lake-festival in Echternach konnten so 110 Leute geimpft und viel Informationen verteilt werden. „Wir wollen impfen, aber auch informieren, um sich dann gegebenenfalls doch noch später impfen zu lassen.“ Ein gutes Dutzend solcher Events folgt noch, angefangen bei der Impfparty am Mittwoch in Luxemburg-Stadt und diversen Open-Air-Konzerten.


Im CHL antizipiert man eine vierte Welle im Herbst.
CHL stellt nur noch Geimpfte ein
Der Umgang mit geimpftem und nicht geimpftem Personal ist in den Krankenhäusern sehr unterschiedlich. Lenert unterstützt den CHL-Ansatz.

Was die Impfbusaktion für das Personal in Spitälern und Pflegeinstitutionen anbelangt, so ließen sich 253 Personen in einem Krankenhaus und 364 in einem Altersheim impfen. „Wir konnten mehr als 600 Leute erreichen, das zeigt, dass man Erfolg hat, wenn man die Sorgen ernst nimmt, aufklärt und auf Überzeugen setzt“, so Lenert. 

17.912 Leute sind derweil noch auf der Liste eingetragen, bei der man sich den Impfstoff aussuchen kann, ein Viertel davon sind Grenzgänger. „Auch das läuft gut, die Wahl lassen ist vielleicht ein weiterer Schritt, sich für eine Impfung zu entscheiden.“

Verschiedene Impfzentren werden derweil vorübergehend geschlossen, nur Esch bleibt bis 11. September und die Victor Hugo-Halle in Limpertsberg ganz offen. Ab 30. August braucht man dort kein Rendezvous mehr. 

Mehr auf Schnelltests setzen

Zu den Warnungen vor einer vierten Welle sagte Lenert, dass man weiter testen werde, aber nicht mehr im großen Stil des Large Scale Testing, das im September ausläuft, sondern eher mit Schnelltests bei Leuten, die noch nicht geimpft sind. Es wird künftig eher eng mit dem Staatslabor zusammengearbeitet. 


Die Laboratoires Réunis bekamen den Auftrag für Luxemburgs Massentest-Programm.
Labore berichten von diskriminierender Ausschreibung
Konkurrierende medizinische Labore erklären, wie sie aus dem 150 Millionen Euro teuren Testprogramm ausgeschlossen wurden.

Bis Weihnachten werden die Schüler bis 12 Jahre und bis Allerheiligen die von 12 bis 18 Jahren weiterhin den Schnelltests unterzogen. Auch die geimpften hochvulnerablen Personen werden mit Schnelltests eng überwacht, weil deren Impfschutz schwächer ist. Man werde auch schnell reagieren, wenn Infektionen irgendwo aufflammen und dann PCR-Tests durchführen. „Wir haben eine Reserve, um schnell flächendeckend testen zu können“, betonte Lenert. 

Die Gesundheitsministerin appellierte auch daran, sich bei Long-Covid-Beschwerden an den Hausarzt zu wenden, der dann gegebenenfalls an das Pilotprojekt im CHL weiterleitet. „Es ist wichtig, sich zu melden, nur so bekommen wir einen Überblick über die Lage und können das Phänomen wissenschaftlich verfolgen.“ 21 Patienten mit einem Durchschnittsalter von 47 Jahren werden derzeit behandelt. „Es sind mehr Frauen dabei - sie achten wohl mehr auf ihre Gesundheit, denn mit dem Krankheitsbild hat es nichts zu tun.“

Antikörperrate sagt nichts aus

Gesundheitsdirektor Jean-Claude Schmit ging dann noch auf die serologischen Untersuchungen der Antikörper ein. „Wenn ein Körper Antikörper entwickelt hat, heißt das, dass er Kontakt mit dem Virus hatte und darauf reagiert hat. Es sagt nichts dazu aus, dass ein allgemeiner Immunschutz gegen Sars-CoV-2 vorliegt und man kein Covid bekommen kann.

Paulette Lenert und Jean-Claude Schmit begrüßen die "stabile Lage".
Paulette Lenert und Jean-Claude Schmit begrüßen die "stabile Lage".
Foto: Gerry Huberty

Es sei noch nicht klar, ab wie viel Einheiten Antikörper man gut geschützt ist. „Man kann nicht absolut sagen: je mehr, desto besser - so einfach ist das nicht. Immunität ist viel komplexer, da spielt unter anderem die Qualität der Antikörper mit, die nicht immer gleich ist und nicht gegen jede Variante gleich wirkt. Und auch die weißen Blutkörper sind wichtig.“

Man müsse deswegen auch keinen Antikörpertest machen, wenn man geimpft wurde, um zu kontrollieren, wie hoch die Immunität ist. „Die Impfungen sind getestet und sie geben Impfschutz. Wir als Santé führen die serologischen Tests nur durch, weil wir eine epidemiologische Übersicht bekommen wollen“, erklärte Schmit. 


ARCHIV - 09.07.2021, Spanien, Palma de Mallorca: Touristen genießen die Sonne am Strand von Arenal. (zu dpa «Mallorca «absolut sicheres Urlaubsziel» trotz Infektionsrekord» vom 16.07.2021) Foto: Clara Margais/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Sommerurlaub in Europa - Was geht und was nicht?
In vielen Ländern steigen die Corona-Inzidenzen wieder, manche Länder in Europa bereiten deshalb erneut Corona-Einschränkungen vor - auch für Touristen. Was aktuell möglich ist.

Die Santé könne auch keine Zertifikate verlängern, wenn eine geheilte Person nach 180 Tagen nach der Infektion noch eine hohe Rate an Antikörpern hat. „Das geht nicht, weil das europäische Reglement nur maximal 180 Tage vorsieht, daran müssen wir uns halten.“ 

Und eine einmalige Impfung, die nach einer Covid-Infektion zum Schutz ausreicht, können auch nur Personen in Anspruch nehmen, die einen positiven PCR-Test vorweisen können. Es reicht nicht, dass sie erklären, Covid gehabt zu haben. 

Empfehlung für Drittimpfung 

Für dritte Impfungen ist die Regel derzeit, dass nur Hochvulnerable sie erhalten - Transplantierte, Patienten mit schweren Blutkrankheiten oder Immunsupprimierte. Der Hausarzt kann sie dann für eine dritte Impfung einschreiben. „Bei der Drittimpfung für die Gesamtbevölkerung sind die Experten noch zurückhaltend. Vor allem bei jungen Leuten, weil es dort zu wenigen Infektionen kommt“, teilte Schmit mit. 

Wir wissen ganz allgemein, dass bei alten Leuten eine Drittimpfung wichtig wäre.

Jean-Claude Schmit

Was für die älteren Menschen und die Bewohner der Alters- und Pflegeheime empfohlen wird, beschäftigt derzeit noch den Obersten Rat für Infektionskrankheiten. In den nächsten Tagen soll eine Entscheidung dazu fallen, die gelte es abzuwarten. „Wir wissen ganz allgemein, dass bei alten Leuten eine Drittimpfung wichtig wäre“, betonte Schmit. 

Folgen Sie uns auf Facebook, Twitter und Instagram und abonnieren Sie unseren Newsletter.


Lesen Sie mehr zu diesem Thema

Impfkampagne im Gesundheitssektor
Beim Gesundheits- und Pflegepersonal sind nicht genügend Menschen geimpft. Mit einer Kampagne möchte die Regierung das jetzt ändern.
Mit der Kampagne möchte die Regierung die Impfquote beim Personal, das in Kontakt mit Vulnerablen ist, substanziell erhöhen.