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Salariatskammer kritisiert den Spitalplan : "Sparen auf Kosten der Patienten"
Politik 2 Min. 06.03.2015 Aus unserem online-Archiv

Salariatskammer kritisiert den Spitalplan : "Sparen auf Kosten der Patienten"

Der neue Spitalplan stößt bei der Salariatskammer auf wenig Gegenliebe.

Salariatskammer kritisiert den Spitalplan : "Sparen auf Kosten der Patienten"

Der neue Spitalplan stößt bei der Salariatskammer auf wenig Gegenliebe.
Foto: Anouk Antony
Politik 2 Min. 06.03.2015 Aus unserem online-Archiv

Salariatskammer kritisiert den Spitalplan : "Sparen auf Kosten der Patienten"

Im vergangenen Monat gab die Regierung grünes Licht für den Spitalplan. Die nachgebesserte Version wird in einem Gutachten der CLS verrissen.

(ml) - Mitte Februar hat die Regierung den neuen Spitalplan verabschiedet. In den kommenden Jahren soll die Zahl der Akutbetten in allen Krankenhäusern leicht zurückgefahren werden. Die medizinischen Abteilungen werden neu aufgeteilt. Insgesamt werden rund zehn Kompetenzzentren geschaffen. Anstatt in jedem Krankenhaus die gesamte medizinische Palette anzubieten, sollen künftig die Kompetenzen gebündelt werden. 

Der fünfjährige Spitalplan hat jedoch nicht nur Befürworter. Das Konzept sei ausschließlich danach ausgerichtet, die Ausgaben zu Lasten der Patienten zu drosseln, heißt es in einem Gutachten der "Chambre des salariés" (CSL). Da der "plan hospitalier"nicht per Gesetz, sondern über eine großherzogliche Verordnung geregelt wird, stimmt das Parlament nicht darüber ab. Die CSL bedauert dies, zumal der Spitalplan eine wichtige Komponente der nationalen Gesundheitspolitik sei, die zu 80 Prozent vom Staat finanziert werde.

"Senkung der Krankenhausbetten ist kontraproduktiv"

Luxemburg gehört zu jenen Ländern, in denen die Aufenthaltsdauer der Krankenhauspatienten am längsten ist.  Die luxemburgischen Krankenhäuser sollen künftig zu 80 Prozent belegt sein, um die Kosten zu senken. Nach Ansicht der Salariatskammer ist die geplante Senkung der Krankenhausbetten  jedoch kontraproduktiv.

Aufgrund einer immer älter werdende Gesellschaft nehme die Zahl der Klinikaufenthalte kontinuierlich zu. Da im nahen Ausland einige Spitäler für immer geschlossen werden, sei auch davon auszugehen, dass zahlreiche Patienten aus der Großregion sich in Luxemburg behandeln lassen, wodurch Engpässe entstehen könnten. Um Kosten zu sparen, schlägt die CSL vor, dass Krankenhäuser und Laboratorien künftig verstärkt gemeinsam Material und Medikamente einkaufen. 

"Freiberufliche Medizin ist ein Hindernis"

Für die freiberuflichen Ärzte hat die CSL wenig übrig. Diese stünden einer besseren Organisation der Krankenhäuser im Wege. Von Vorteil sei es, wenn Ärzte als Beschäftigte in den Kliniken tätig seien. Dies wirke sich positiv auf die Ausgabenseite aus, da die Ärzte nicht mehr dazu verleitet würden, medizinische Akte zu vermehren, was zu einer krankhaften Konkurrenz zwischen den einzelnen Häusern führe, heißt es weiter.

Kompetenzzentren: Die Unbekannte 

Nach Ansicht der Chambre des salariés wirft die Schaffung von Kompetenzzentren mehr Fragen auf, als sie Antworten liefert. Die CSL befürchtet, dass die Kompetenzzentren wirkungslos bleiben. Es sei unwahrscheinlich, dass die Fédération des hôpitaux luxembourgeois in dieser Frage einen Konsens finden werden. Im Übrigen wird befürchtet, dass beim Notfalldienst ein Ungleichgewicht zwischen den einzelnen Regionen entsteht. 

Was nun die ambulante Pflege und den Tagesaufenthalt in einem Krankenhaus anbelangt, so betont die CSL, sie könne die Stichhaltigkeit des Zahlenmaterials, auf das sich der Gesetzgeber beruft, nicht überprüfen. Auch sei es mehr als verwunderlich, dass die Regierung einen Spitalplan ausarbeiten würde, ohne den Infrastrukturen aus der Großregion Rechnung zu tragen.

Kostenexplosion der Pflegeversicherung befürchtet

Ältere Menschen sollen so weit es möglich ist, bei sich zu Hause statt in der Klinik behandelt werden. In einer ersten Phase würde diese  Maßnahme zwar das Budget der Krankenhäuser entlasten. Mittel- und langfristig gesehen, bestehe jedoch die Gefahr, dass die Ausgaben der Pflegeversicherung steigen, da es an den nötigen Strukturen fehle, um die Patienten nach einer Operation zu versorgen.

Des Weiteren wird bezweifelt, ob das Gremium, das die Qualität der Krankeinhausleistungen bewerten soll, unparteiisch ist. An der Spitze dieses Gremiums stehe nämlich der Klinikdirektor, der zudem auch noch den Vertreter des "conseil médical" und den Qualitätskoordinator nominieren würde.




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