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Eine Zeitenwende
Politik 23.05.2014 Aus unserem online-Archiv
Rückblick auf den 26. Mai 1974

Eine Zeitenwende

Am 16. Juni 1974 wurde die sozialliberale Koalition vereidigt.
Rückblick auf den 26. Mai 1974

Eine Zeitenwende

Am 16. Juni 1974 wurde die sozialliberale Koalition vereidigt.
Foto: Jean Weyrich
Politik 23.05.2014 Aus unserem online-Archiv
Rückblick auf den 26. Mai 1974

Eine Zeitenwende

Vor 40 Jahren wählte Luxemburg ein neues Parlament. Bei den Wahlen vom 26. Mai 1974 verlor die CSV drei Sitze und entschloss sich zum Wechsel in die Opposition. Der Weg war frei für eine sozialliberale Koalition unter der Leitung von Gaston Thorn. Die Schlagworte der Zeit lauteten Modernisierung und Demokratisierung.

"Wir sind zur Zusammenarbeit verurteilt", sagte Gaston Thorn am Wahlabend. So richtig schienen die Liberalen und Sozialisten nicht mit der Möglichkeit einer Koalition gerechnet zu haben; wie die Soziologin Renée Wagener im Gespräch mit dem LW (Freitagsausgabe) erzählt, sollen in den Jahren zuvor zwar einige programmatische Weichenstellungen vorgenommen worden sein; konkrete Absprachen hätten im Vorfeld des Wahltags jedoch nicht stattgefunden. Der damalige LSAP-Generalsekretär Robert Goebbels spricht sogar von "Ratlosigkeit".

Die beiden Parteien haben sich jedoch schnell auf eine gemeinsame Reformagenda geeinigt, die Schlagworte der Zeit lauteten Demokratisierung und Modernisierung. Colette Flesch resümiert die Stimmung der Zeit mit diesen Worten: "Da war zum einen die Aufbruchstimmung, die nach den Ereignissen vom Mai 68 auch in Luxemburg spürbar war." Renée Wagener formuliert es etwas anders: "Damals galt Links sein als modern, heute würde man sagen, cool. Die CSV hingegen hatte das Image eines Bremsklotzes, auch bei weniger fortschrittlichen Gesellschaftsschichten."

Ob die Gesellschaft bereit war für die sozialliberale Reformagenda, lässt sich heute schwer sagen, in den beiden Koalitionsparteien gab es aber sehr wohl Befürchtungen, man könnte die Wähler mit den eigenen Plänen verprellen: "In der DP zum Beispiel war die Sorge groß, man würde im Zusammenhang mit der Abtreibungsreform Stimmen an die CSV verlieren", sagt Wagener.

Neuregelung des Abtreibungsparagrafen, Scheidungsreform, Reform des Strafvollzugs, Abschaffung der Todesstrafe, Demokratisierung der Kultur waren nur einige der Maßnahmen, die von der Thorn-Vouel-Berg-Regierung in die Wege geleitet wurden - wogegen die CSV zum Teil heftigen Widerstand erhob. Diese "Fundamentalopposition", die zum Teil polemische Berichterstattung in den Medien (besonders im "Luxemburger Wort"), die Auswirkungen der Stahlkrise sind wahrscheinlich die Hauptgründe, wieso die Koalition im Jahr 1979 wieder abgewählt wurde.

Es sollte bis Dezember 2013 dauern, ehe es zu einer Neuauflage einer Regierung ohne CSV-Beteiligung, aber unter Einschluss der Grünen, kommen sollte.