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Robert Urbé von der Caritas im Gespräch: Konzeptlose Sozialpolitik
Politik 2 Min. 31.12.2014 Aus unserem online-Archiv

Robert Urbé von der Caritas im Gespräch: Konzeptlose Sozialpolitik

Robert Urbé von der Caritas fordert, dass die Politik das Problem der Armut in Luxemburg endlich richtig ernst nimmt.

Robert Urbé von der Caritas im Gespräch: Konzeptlose Sozialpolitik

Robert Urbé von der Caritas fordert, dass die Politik das Problem der Armut in Luxemburg endlich richtig ernst nimmt.
Dani Schumacher
Politik 2 Min. 31.12.2014 Aus unserem online-Archiv

Robert Urbé von der Caritas im Gespräch: Konzeptlose Sozialpolitik

Robert Urbé macht sich Sorgen über die soziale Situation im Land. Vieles deute darauf hin, dass sich die Lage weiter verschlechtere, warnt der Mitarbeiter der Caritas in einem ausführlichen Interview zum Jahresende.

(DS) - Für Robert Urbé von der Caritas gibt die soziale Situation in Luxemburg Anlass zur Sorge. Viele Indikatoren deuteten zudem darauf hin, dass sich die Lage weiter zuspitzen werde. Bei der Caritas stelle man seit geraumer Zeit fest, dass immer mehr Leute die sozialen Dienste in Anspruch nehmen müssen, sagt Urbé.

Urbé kritisiert vor allem, dass die Politik die Armut in Luxemburg nach wie vor nicht wirklich ernst nimmt und weiterhin nur von einer „statistischen Armut“ spricht: „Es gibt Armut in Luxemburg, und es gibt vor allem große Ungleichheiten, die das Zusammengehörigkeitsgefühl, die „cohésion sociale“ bedrohen.“

Soziale Ungleichheiten

Die rezenten Entscheidungen der Regierung sind seiner Ansicht nach nicht unbedingt dazu angetan, die Ungleichheiten zu beseitigen. Mit der neuen Betreuungssteuer kann man bei der Caritas nach den Nachbesserungen zwar leben, doch Urbé weist darauf hin, dass viele Details nach wie vor nicht  geklärt sind. So stelle sich die Frage, ob auch wirklich alle Einkommen – auch solche aus Kapitalerträgen – zur Berechnung herangezogen werden.

Ein Dorn im Auge ist ihm auch die Anhebung der Mehrwertsteuer: „Die Haushalte mit geringerem Einkommen werden stärker belastet als Haushalte mit hohem Einkommen", erklärt Urbé. Zwar lehnt er die Anhebung nicht kategorisch ab. Doch sie hätte seiner Meinung nach von Ausgleichsmaßnahmen für Geringverdiener begleitet werden müssen. Wenn die Regierung beispielsweise die Teuerungszulage angehoben hätte, wären die Haushalte mit geringen Einkommen entlastet worden. Diese Maßnahme wäre gerecht und ohne viel bürokratischen Aufwand zu realisieren gewesen, betont Robert Urbé.

Die Mieten werden steigen

Überhaupt kein Verständnis zeigt der Caritas-Mitarbeiter für die 14-prozentige TVA-Anhebung auf den Zweitwohnungen: „Wer glaubt, dass auch nur ein einziger Eigentümer in Zukunft bei der Miete auf 14 Prozent verzichten wird, der ist mehr als naiv. Die Vermieter werden die zusätzlichen Kosten integral auf die Mieten umlegen.“ Besonders betroffen macht ihn der Umstand, dass auch Sozialwohnungen betroffen sind. Überhaupt vermisst er bei der Sozialpolitik der blau-rot-grünen Regierung ein kohärentes Gesamtkonzept: „Ich sehe nur einen zusammengewürfelten Haufen von Einzelmaßnahmen“, so seine bittere Bilanz.

Das ganze Interview mit Robert Urbé können Sie in der Mittwoch-Ausgabe des Luxemburger Wort nachlesen.


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