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Rettungsdienst: in 15 Minuten zum Einsatzort
Politik 3 Min. 04.03.2021

Rettungsdienst: in 15 Minuten zum Einsatzort

Wettlauf mit der Zeit: Spätestens nach 15 Minuten sollen die Einsatzkräfte vor Ort sein; bei Bränden klappt dies heute in zwei Drittel der Fälle.

Rettungsdienst: in 15 Minuten zum Einsatzort

Wettlauf mit der Zeit: Spätestens nach 15 Minuten sollen die Einsatzkräfte vor Ort sein; bei Bränden klappt dies heute in zwei Drittel der Fälle.
Foto: CGDIS
Politik 3 Min. 04.03.2021

Rettungsdienst: in 15 Minuten zum Einsatzort

Marc SCHLAMMES
Marc SCHLAMMES
15 Minuten: Länger soll es nicht dauern vom Notruf bis zum Eintreffen der Einsatzkräfte. Um dieses ambitiöse Ziel zu erreichen, benötigt der Rettungsdienst zusätzliche personelle und finanzielle Mittel.

Im Ernstfall kommt es auf jede Minute an. Diese Erkenntnis ist für die Rettungsdienste nicht neu. Bereits 2010 hatte eine Bestandsaufnahme ergeben, dass zu oft zu viel Zeit vergeht zwischen Eingang eines Notrufs und Eintreffen der Rettungskräfte am Einsatzort. Und schon damals war die Zeitspanne von 15 Minuten als Zielsetzung ins Spiel gebracht worden. 

Innenministerin Taina Bofferding (LSAP) will die Widerstandsfähigkeit im Bereich der zivilen Sicherheit fördern.
Innenministerin Taina Bofferding (LSAP) will die Widerstandsfähigkeit im Bereich der zivilen Sicherheit fördern.
Foto: Guy Jallay

Diese Frist von 15 Minuten will Innenministerin Taina Bofferding (LSAP) nun im Plan national des opérations de secours (PNOS) verankern. Für 90 bis 95 Prozent aller Einsätze soll nicht mehr als eine Viertelstunde zwischen Notruf und Einsatz verstreichen. 


Ban de Gasperich,Cloche d'Or,CGDIS,CNIS,Centre National d'incendie et de secours.Feuerwehr,Pompiers,Rettungsdienst. Foto: Gerry Huberty/Luxemburger Wort
Nationales Rettungszentrum: Der Countdown läuft
In dem künftigen Centre national d'incendie et de secours im Ban de Gasperich laufen die Arbeiten auf Hochtouren. Zum Jahresende werden die ersten Abteilungen die neuen Räumlichkeiten beziehen.

Zum Vergleich: Während First-Responder-Einsätze diese Zeitvorgabe bereits heute erfüllen, schaffen Krankenwagen die Frist in 78 Prozent der Fälle, bei Bränden und Verkehrsunfällen ist dies für zwei Drittel der Interventionen der Fall. Die Umsetzung des PNOS, ein rund 500 Seiten schweres Dokument, das sich sowohl als flächendeckende Risikoanalyse wie auch als Gebrauchsanweisung für den Umgang mit den festgestellten Risiken liest, soll es den Rettungskräften erlauben, dieses zeitliche Ziel zu erreichen. 

Heute 600 hauptamtliche Helfer, morgen 1500

Für Ministerin Bofferding soll der Plan generell eine Aufgabe erfüllen: Die Widerstandsfähigkeit stärken. Die Widerstandsfähigkeit beziehungsweise die Resilienz, gehört zu jenen Begriffen, die seit Ausbruch der Corona-Krise Hochkonjunktur haben – und nun auch auf die zivile Sicherheit heruntergebrochen werden. Es gehe darum, so die Innenministerin, die Bevölkerung so optimal wie möglich auf den Umgang mit Gefahren und Risiken vorzubereiten. 

Colonel Raymond Guidat leitet die CGDIS-Abteilung der strategischen Ausrichtung.
Colonel Raymond Guidat leitet die CGDIS-Abteilung der strategischen Ausrichtung.
Foto: Guy Jallay

Zu diesen Gefahren zählen Pandemien, in erster Linie aber Verkehrsunfälle, Brände und Menschen, die in eine Notlage geraten. Die Ministerin erinnerte gestern daran, dass mit dem CGDIS (Corps grand-ducal d'incendie et de secours) und der Bündelung aller Kräfte der zivilen Sicherheit im Juli 2018 die Grundlage geschaffen wurde, um angemessen auf Risiken zu reagieren. 

Im PNOS wird nun beschrieben, welche Mittel in den kommenden Jahren aufgebracht werden müssen. Beispiel Personal: Neben den derzeit rund 4 000 freiwilligen Einsatzkräften werden laut PNOS 1 500 hauptamtliche Helfer benötigt und 500 Mitarbeiter für administrative und technische Aufgaben. Aktuell sind im CGDIS 600 professionelle Rettungskräfte beschäftigt.

Dass der Rettungsdienst heutzutage nicht mehr ohne diesen professionellen Pfeiler zu bewältigen ist, schildert Colonel Raymond Guidat. Gerade die größeren der rund 100 Einsatzzentren, die mehrmals täglich ausrücken, benötigten hauptamtliches Personal, um insbesondere tagsüber handlungsfähig zu sein, so der Direktor der operationellen Strategie beim CGDIS. Diese Zentren sollen künftig innerhalb von zwei Minuten ausrücken, weshalb der PNOS vorsieht, dass auch die dort engagierten Freiwilligen den Bereitschaftsdienst in ihrer Kaserne verrichten müssen. 

Finanzen: jährlich plus acht Prozent

Guidat muss mit seiner Abteilung den Spagat zwischen Ist-Zustand und künftigen Szenarien schaffen. Die einzelnen strategischen Etappen – Vorbeugung, Vorhersehung, Planung, Einsatz, Bewertung – müssen auf die demografische und wirtschaftliche Entwicklung des Landes, und damit einhergehend einer steigenden Zahl an Einsätzen, abgestimmt werden.

Die zivile Sicherheit gibt es nicht zum Nulltarif und sie hat nichts mit 'nice to have' zu tun.

Taina Bofferding (LSAP), Innenministerin

Ehe der PNOS vom Ministerrat verabschiedet wird, kommen die Gemeinden zu Wort, die den Betrieb des CGDIS zu gleichen Teilen mit dem Staat finanzieren. Bis Anfang Juni haben sie Zeit, dem Intérieur ihre Bemerkungen mitzuteilen. Dabei hofft Taina Bofferding darauf, dass in den Rathäusern der finanzielle Mehraufwand von jährlich geschätzten acht Prozent, den die PNOS-Anwendung bedeutet, nicht infrage gestellt wird.


Protection Civile - Feuerwehr - Sauvetage - Incendie - Rettungswesen - Einsatzfahrzeuge - Foto: Marc Schoentgen
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Denn „die zivile Sicherheit gibt es nicht zum Nulltarif und sie hat nichts mit 'nice to have' zu tun“, betont Bofferding – auch wenn ihr bewusst sei, dass der Zeitpunkt, durch die Corona-Krise drohen den Gemeinden Mindereinnahmen, „denkbar ungünstig“ sei. 

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