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Wie die Pandemie das Kaufverhalten beeinflusst hat
Politik 3 Min. 01.07.2021
Regionale Produkte

Wie die Pandemie das Kaufverhalten beeinflusst hat

26 Prozent der Befragten kaufen auf dem Wochenmarkt ein. Unter den Bewohnern der Hauptstadt sind es sogar 33 Prozent.
Regionale Produkte

Wie die Pandemie das Kaufverhalten beeinflusst hat

26 Prozent der Befragten kaufen auf dem Wochenmarkt ein. Unter den Bewohnern der Hauptstadt sind es sogar 33 Prozent.
Foto: Anouk Antony
Politik 3 Min. 01.07.2021
Regionale Produkte

Wie die Pandemie das Kaufverhalten beeinflusst hat

Danielle SCHUMACHER
Danielle SCHUMACHER
Seit dem Beginn der Pandemie legen die Konsumenten mehr Wert auf regionale und saisonale Produkte. Das hat eine Studie des Landwirtschaftsministeriums herausgefunden.

Die Pandemie hat das Kaufverhalten der Menschen verändert. Immer mehr Leute wenden sich regionalen Produkten zu. Zu diesem Schluss kommt eine Studie, die das Landwirtschaftsministerium bei TNS Ilres in Auftrag gegeben hatte.  Zwischen dem 21. Januar und dem 3. Februar wurden 1.003 Personen befragt, die zumindest zum Teil für den Einkauf in ihrem Haushalt verantwortlich sind.


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29 Prozent der Befragten geben an, dass sie ihre Gewohnheiten beim Kauf der Lebensmittel geändert haben und diese auch beibehalten wollen. Bei den Nicht-Luxemburgern steigt dieser Anteil sogar auf 33 Prozent. Elf Prozent erklären, dass sie in den vergangenen Monaten zwar sehr wohl anders eingekauft haben, dass sie aber wahrscheinlich wieder zu ihren alten Gewohnheiten zurückkehren werden. Mit 59 Prozent sagt eine Mehrheit, dass sich nichts an ihren Kaufverhalten geändert hat, darunter vor allem Personen über 55 Jahre (64 Prozent) und luxemburgische Staatsbürger (63 Prozent).  

Nach den Kriterien befragt, die ihre Wahl beim Einkauf beeinflussen, sagen 65 Prozent, dass die Herkunft der Produkte ihnen wichtig ist. An zweiter Stelle rangieren mit jeweils 63 Prozent die Regionalität der Produkte und das Verfallsdatum. Für 61 Prozent der Verbraucher sind saisonale Produkte wichtig. 

Natürlich spielt auch der Preis bei der Kaufentscheidung eine Rolle, allerdings landet dieses Kriterium erst an achter Stelle: Für 42 Prozent der Befragten ist der Preis ausschlaggebend. 2018 hatten noch 62 Prozent der Befragten erklärt, dass der Preis für sie entscheidend sei. Junge Konsumenten sind wesentlich preisbewusster. Von den 18 bis 34-Jährigen nennen immerhin 57 Prozent den Preis eines Produkts als wichtigstes Kriterium.

Produkte aus der Region werden beliebter

„Das Bewusstsein für regionale Produkte ist in Folge der Covid-Krise gestiegen“, erklärt Tommy Klein von TNS Ilres. Immerhin meinen 47 Prozent der Befragten, dass das Kriterium der Regionalität für sie durch die Pandemie an Bedeutung gewonnen hat.

Das Bewusstsein für regionale Produkte ist in Folge der Covid-Krise gestiegen.  

Tommy Klein, TNS Ilres

Allerdings standen regionale Produkte auch vor der Pandemie bereits bei einem Teil der Bevölkerung hoch im Kurs. Denn immerhin sagen 52 Prozent der Befragten, dass sie, was regionale Erzeugnisse anbelangt, ihre  Einkaufsgewohnheiten nicht geändert haben. Unter denjenigen, die regelmäßig auf Waren aus der Region zurückgreifen, sagen 49 Prozent, dass sie Fleisch aus kaufen würden, 42 Prozent nennen Gemüse, 36 Prozent Obst und 26 Prozent Milch. Der luxemburgische Wein muss sich hingegen mit neun Prozent zufriedengeben. 

Ein Akt der Solidarität

Nach den Gründen befragt, weshalb sie sich für regionale Produkte entscheiden, geben sage und schreibe 84 Prozent der Befragten an, dass sie die regionalen Produzenten unterstütze wollen. Weitere 74 Prozent nennen die Qualität der Erzeugnisse als ausschlaggebend. Zwischen den Begriffen regional und qualitativ hochwertig gibt es Tommy Klein zufolge eine sehr enge Interaktion, die das Kaufverhalten maßgeblich beeinflusst.

Die Produkte der luxemburgischen Bauern genießen einen sehr guten Ruf.
Die Produkte der luxemburgischen Bauern genießen einen sehr guten Ruf.
Foto: Nico MULLER

Diejenigen, die keine regionalen Produkte kaufen, wurden ebenfalls nach ihren Beweggründen gefragt. 40 Prozent geben an, dass der Preis ausschlaggebend ist, 36 Prozent sagen, dass sie andere Kaufgewohnheiten haben. Weitere 28 Prozent erklären, dass das Geschäft, in dem sie regelmäßig einkaufen, keine regionalen Erzeugnisse im Angebot hat. 

Diejenigen, die sich für Lebensmittel aus der Region entscheiden, geben zu 82 Prozent an, dass sie im Supermarkt einkaufen, 43 Prozent kaufen im Laden um die Ecke ein, 35 Prozent wenden sich direkt an den Produzenten und 28 Prozent kaufen auf dem Wochenmarkt.

Hohes Vertrauen in luxemburgische Agrarprodukte

Die Erzeugnisse der luxemburgischen Bauern, Winzer und Gärtner genießen einen exzellenten Ruf. Aus der repräsentativen Studie geht hervor, dass 93 Prozent der Bevölkerung die Produkte wegen ihrer hohen Qualität schätzt. 18 Prozent bewerten die Qualität gar als exzellent, 52 Prozent als sehr gut.

Minister Romain Schneider freut sich über die Ergebnisse der Umfrage.
Minister Romain Schneider freut sich über die Ergebnisse der Umfrage.

Infolgedessen sind denn auch 67 Prozent der Befragten bereit, etwas tiefer in die Tasche zu greifen, wenn sie Produkte aus der Region  kaufen. 13 Prozent sind dies nicht. 

Landwirtschaftsminister sieht sich bestätigt

Landwirtschaftsminister Romain Schneider (LSAP) sieht sich durch die Ergebnisse der Studie in seiner Politik bestätigt. Allerdings sieht er auch noch Handlungsbedarf. Da die Nachfrage nach regionalen Produkten steigt, müsse das Angebot auch Schritt halten können, gab er am Donnerstag bei der Vorstellung der Studie zu bedenken. Nachholbedarf gibt es vor allem im Gemüseanbau, denn die lokale Produktion deckt lediglich fünf Prozent des Bedarfs in Luxemburg.

Eine weitere Schwachstelle macht Schneider bei der Informationspolitik aus. Zwar gab es in der Vergangenheit eine ganze Reihe von Informationskampagnen, die zwar gefruchtet haben. Dennoch gebe es weiterhin Lücken, die es zu stopfen gelte. 

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